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Forschung!


© Dagmar Heene / WWF
Hat sich das Milchmädchen etwa verrechnet?


von eatrica
02.08.2014
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Das haben wir uns aus der Gruppe Ernährung beim 2° Campus, neben unserer Forschungsfrage, auch gefragt. Drei Tage haben wir an der HNE in Eberswalde über die Faktoren, die Klimabilanzen für Milch ausmachen, geforscht. Zu unseren Methoden gehörte, neben reichlich Literaturrecherche, auch die Befragung von drei verschiedenen Milchviehbetrieben in Brandenburg. Trotz sehr unterschiedlicher Haltungsmethoden und damit verbundener Qualität und Ökobilanz, kostet die Milch gleich viel. Noch seltsamer wird es, wenn man dieses mit Milchersatzprodukten wie Soja- und Hafermilch vergleicht. Für diese wird viel weniger Energie verbraucht und auch deutlich weniger Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gepustet. Warum sind sie dann teurer als Kuhmilch?

Eine Milchmädchenrechnung ist einer "zu einfache, der Komplexität einer Sache nicht gerecht werdende Rechnung" (Variantenwörterbuch des Deutschen). Genau dieses Problem hatten wir auch, als wir an unserem letzten Tag hier in Eberswalde versuchten, den Carbon Footprint von Milch zu berechnen. Welchen Untersuchungsrahmen wählen wir? Gehört zum Beispiel auch der Weg von Supermarkt zum Verbraucher in unsere Bilanz? Welche Daten sind zuverlässig und können genutzt werden? Letztendlich ist es nahezu unmöglich alle Faktoren richtig zu berücksichtigen.


 

Uns ist jedoch klar geworden, dass einige Faktoren in der Wertschöpfungskette die Kohlenstoffdioxidemissionen besonders beeinflussen. Dazu gehören unter anderem Sojaanbau für Futtermittel, Düngemittel, Haltung, Verarbeitung und Verpackung.
Um unsere Recherche zu vervollständigen und auch eine reale Vorstellung zu bekommen, waren wir am Donnerstag auf drei verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben. Zuerst besuchten wir Hemme-Milch, eine konventionelle Molkerei mit daneben liegendem Milchviehbetrieb. Überrascht hat uns, dass kein Soja verfüttert wird und ein Teil der Kühe auf die Weide konnte. Positiv war auch, dass ein Großteil der Milch lokal per Milchmannsystem direkt zum Kunden geliefert wird und durch Mehrwegverpackungen Emissionen eingespart werden.


 

Danach radelten wir zu einem großen Demeterbetrieb in Brodowin. Der Stall hier war eingestreut und alle Kühe hatten Weidegang, obwohl ebenfalls eine große Anzahl von Tieren gehalten wurde.
Besonders hat uns der Familienbetrieb Schwalbennest gefallen. Mit nur wenigen Kühen war hier alles auf die Tiere ausgerichtet. Andere Arten, wie Gänse und Schweine wurden gehalten, um alle Reste der Milchproduktion zu verwerten. Die Kühe hier verbringen ihr ganzes Leben auf der Weide und haben dementsprechend eine viel längere Lebensdauer. Besonders war bei diesem Betrieb die Mutterkuhhaltung; dabei bleiben die Kälber bis zur Geschlechtsreife bei der Mutter und nur überschüssige Milch wird abgemolken. Auch wird dort keine Kraftfutter zugefüttert, was sich positiv auf die Klimabilanz auswirkt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir sehr erlebnisreiche und interessante Tage in Eberswalde verbracht haben. Und auch der Spaß ist ganz bestimmt nicht zu kurz gekommen!
 

Autoren: Kathrin Moll, Eva Aderjan

Fotos: WWF/A. Morascher

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
04.08.2014
valleo hat geschrieben:
Schöner Artikel :)
Abgesehen davon, dass der Artikel insgesamt echt interessant ist, finde ich regt speziell der Teil "Für diese wird viel weniger Energie verbraucht und auch deutlich weniger Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gepustet. Warum sind sie dann teurer als Kuhmilch?" auch nochmal zum Nachdenken an...
04.08.2014
Sunlight hat geschrieben:
Das klingt echt spannend!
Ich bin gespannt auf Eure Ergebnisse bei der Abschlussverantstaltung! ;)
02.08.2014
Ivonne hat geschrieben:
Vielen Dank für diesen tollen Bericht! Hört sich sehr spannend an. Ich bin schon gespannt auf die Details :-)
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