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© Dagmar Heene / WWF
Grünes Studium (2) - Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und VWL


von Sunlight
07.03.2015
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Ist der Weg das Ziel oder das Ziel der Weg? Diese Frage habe ich mir im letzten halben Jahr oft gestellt und vielleicht sogar eine Antwort gefunden...

Was mache ich nach der Schule? Mit dieser Frage wird jeder früher oder später konfrontiert und für jeden ist es mehr oder weniger schwierig, eine befriedigende Antwort darauf zu finden. Deswegen möchte ich Euch heute einmal von meinem Entscheidungsprozess berichten und danach ein paar Einblicke in mein Studium geben.

Mir war ziemlich schnell klar, dass ich direkt nach dem Abitur mit dem Studium beginnen wollte (zumal meine erste Idee, zunächst ein halbes Jahr Praktika zu machen, an folgendem Satz scheiterte: „Aus rechtlichen und versicherungstechnischen Gründen ist es uns nur möglich, Ihnen als Schülerin oder Studentin einen Platz als Praktikantin anzubieten“, also nicht in der Zwischenzeit).

Aber was will ich nun studieren? Im Laufe meiner Schulzeit hatten sich viele Ideen angesammelt: Biologie, Chemie, Physik, Deutsch, Psychologie, Medizin, Umweltwissenschaften, Klimawissenschaften, Ökologie, oder doch eher Betriebswirtschaftslehre (BWL), Volkswirtschaftslehre (VWL), Politik oder Philosophie?

Insbesondere durch den 2°Campus und die Arbeit an der organischen Solarzelle an der WWU Münster hatte ich das Gefühl, am besten mit einem Physik- oder Chemiestudium „die Welt retten“ zu können, weil ich damit später umweltfreundliche Technologien entwickeln könnte. Doch obwohl mir die Arbeit in Münster unglaublich viel Spaß gemacht hat, habe ich mich gefragt, ob mich die Arbeit an solch spezialisierten, naturwissenschaftlichen Fragestellungen im Labor wirklich auf Dauer erfüllen würde...

Ebenfalls beim 2°Campus bekam ich dann noch andere Impulse, z.B. durch einen Vortrag von Matthias Kopp vom WWF zum Thema „Welche Auswirkungen hat die Finanzwirtschaft auf den Klimawandel?“. Auch im Workshop mit Dr. Maja Göpel (Arbeitsschwerpunkte: Globalisierung und Nachhaltigkeit, Zukunftsgerechte Ökonomien und Wohlstandsformen, Transdisziplinäre System-Transformationsforschung, Langfristige Regierungsführung und Rechte zukünftiger Generationen) diskutierten wir die Transformation in eine treibhausgasarme Gesellschaft im Bereich der Ökonomik.

 

Im Workshop mit Dr. Maja Göpel

Hierbei wurde mir ganz deutlich, dass mich eben doch noch globalere Fragestellungen als z.B. „nur“ die Forschung an der organischen Solarzelle interessieren. So suchte ich eine Möglichkeit, um interdisziplinär eine Kombination aus Wirtschaft, Politik und Nachhaltigkeit studieren zu können.

Doch wo könnte es solch eine Kombination neben „Klassikern“ wie Eberswalde und Lüneburg bei mir in der Gegend geben? Gesucht und gefunden: Nachhaltige Entwicklung an der Fachhochschule Bochum (BO), Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an der Ruhr-Uni Bochum (RUB), Philosophie, Politik und Ökonomik an der Uni Witten Herdecke (UWH), BWL an der Alanus Hochschule und Politik und Wirtschaft an der WWU Münster.

So hatte ich die Qual der Wahl, doch letztlich entschied ich mich für „Politik, Wirtschaft und Gesellschaft" an der RUB. Hier brauchte ich allerdings im Kombi-Bachelor noch ein zweites Fach und entschied mich insbesondere wegen der Vertiefungsmöglichkeit in Umwelt- und Ressourcenmanagement für VWL.

 

Das klingt doch spannend!

Nähere Infos zu PWG und zu VWL und allgemein die Studiengänge an der RUB gibt es hier.

Aber wie sieht denn jetzt das Studium ganz konkret aus? Welche Module hat man im ersten Semester und welche Seminare könnte man z. B. später machen? Für mich ging es im VWL-Bereich erst mal mit „Mikroökonomik“ „Mathematik für Ökonomen“ und „Statistik I“ sowie im PWG-Bereich mit „Politikwissenschaft“ und „Einführung in die Sozialwissenschaft“ los.

Weitere Grundlagenmodule bei PWG sind „Sozialökonomik“, „Soziologie“, „Sozialwissenschaftliche Statistik“ und „Empirische Sozialforschung“. Vertiefende Aufbaumodule sind dann z. B. „Internationale Strukturen und Prozesse“, „Politisches System und Wirtschaftspolitik“ und „Öffentliche Finanzen und staatliches Handeln“ (es gibt aber noch mehr).

Bei VWL stehen noch die Grundlagenmodule „Makroökonomik“, „Statisitik II“ und „Wirtschaftsrecht“ an und danach gibt es z. B. die Aufbaumodule „Außenwirtschaft und Entwicklungspolitik“, „Wachstum und Konjunktur“, oder „Ökonomik und Recht nachhaltiger Entwicklung“ (auch hier gibt es aber noch viele mehr).

Außerdem erbringt man als Kombibachelor auch noch Studienleistungen aus dem sogenannten Optionalbereich, wo man Module in den Gebieten „Fremdsprachen“, „Kommunikation, Präsentation, Argumentation“, „Informationstechnologien“, „Interdisziplinäre und Studieneinheiten anderer Fächer“ oder „Praktika“ wählen und einen „Blick über den Tellerrand“ werfen kann.

Und wie ist das Studium in der Realität? Ziemlich schnell sind mir die zwei Welten der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler (deren beiden Fakultäten ich mit meiner Kombi zugeordnet bin) deutlich geworden: Zahlen vs. Worte, Mathe vs. Philosophie, konservativ vs. alternativ... Doch obwohl diese beiden Bereiche so große Gegensätze aufweisen, erlebe ich es als sehr bereichernd, aus solch verschiedenen Perspektiven auf die Welt zu schauen.

Anfangs habe ich mich insbesondere mit der wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive etwas schwer getan. So spricht man hier ganz selbst verständlich von Humankapital, versunkenen Kosten (welche uns so erläutert wurden, dass man besser mit dem Auto nach Berlin fahre als mit der Bahn, da die Kosten für das Auto sowieso gezahlt wurden/werden müssen), Nicht-Sättigung (mehr ist besser als weniger) und behauptet, der Mensch sei von Natur aus gierig... All dies war für mich als Umweltschützerin zunächst sehr befremdlich und ich habe mich gefragt, warum überhaupt erst solch (aus meiner Sicht) „falsche“ Behauptungen aufgestellt werden, da doch alle darauf aufbauenden Theorien letztlich nicht haltbar seien, weil eben die Grundannahmen falsch seien.

Erst im Laufe des Semesters und durch die Gespräche mit verschiedensten Menschen wurde mir deutlich, dass in der ökonomischen Perspektive tatsächlich Vieles ausgeblendet wird, sich die Modelle aber immer erweitern lassen, sodass auch Parameter wie Lebensqualität und ökologische Nachhaltigkeit später miteinbezogen werden können. Doch diese anfängliche Abstraktion und Einschränkung sind notwendig, um überhaupt erst Modelle formulieren zu können. Nach und nach habe ich verstanden, dass gar nicht von mir erwartet wird, dass ich die Modelle als „richtig“ hinnehme, sondern dass ich sie ruhig weiter hinterfragen darf (und sollte), allerdings diese Grundlagen brauche, um später überhaupt eine Basis für Kritik zu haben und um Alternativen zum herkömmlichen Wirtschaften finden zu können. Außerdem denke ich, dass es sehr hilfreich sein kann zu verstehen, welche (eingeschränkte) Sicht ein Ökonom im Allgemeinen auf die Welt hat, um in diesem Bereich etwas Richtung Nachhaltigkeit und Postwachstum verändern zu können.

Betongrün :)

Allgemein ist der Campus der RUB ja eher grau als grün, wie „grün“ ist also ein Studium an der RUB? Die grüne Hochschulgruppe hat dazu den Begriff „Betongrün“ geprägt, der es meiner Meinung nach gut auf den Punkt bringt. Obwohl es nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, gibt es auch hier viele alternative Initiativen, wie z.B. ein veganes Café, die grüne Hochschulgruppe, eine Craddle-to-Craddle-Gruppe, eine Amnesty-Gruppe und vieles mehr. Vor allem aber auch in der Lehre gibt es „nachhaltiges Denken“, wie ich es z.B. im Vortrag von Prof. Dr. Roos zum Thema „Ethics and growth“ erleben durfte. Dessen Kernaussage, dass unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem zusammenbrechen wird, wenn wir so weitermachen wie bisher, hat mich an meine Motivation für dieses Studium erinnert, eben meinen Teil dazu beizutragen, um die Erde vor solch einem Zusammenbruch zu bewahren.

Ein Freund von der Schule hat mir immer wieder gesagt, wenn ich voller Zweifel von meinem Studium erzählt habe: Das Ziel ist deine Motivation!“ und damit hatte er so recht. Hier ist dann das Ziel (die Welt zu retten) der Weg und gleichzeitig der Weg (die Welt zu verstehen) das Ziel...

In diesem Sinne: lasst bei Eurer Studienwahl und Eurem Studium das Ziel Eure Motivation sein! :)

 

******************************

Hier geht es zur letzten Folge von IsabellGrünes Studium- Umweltnaturwissenschaften

 

Bilder: eigene Aufnahmen

Dr. Göpel: © A. Morascher/WWF

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Kommentare (4)
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09.03.2015
Ivonne hat geschrieben:
Wirklich ein toller und interessanter Bericht, liebe Lisa. Ich kann deine Skepsis und deine Gedanken sehr gut nachvollziehen, weil es mir während meines Studiums teilweise auch so ging. Ich habe Kulturwissenschaften in Frankfurt/Oder studiert, musste aber mind. 3 Scheine in Wirtschaftswissenschaften absolvieren. (Das ist im Vergleich zu deinem Kombistudium natürlich nichts. :-)) Anfangs war es befremdlich mit den ganzen Kurven und Theorien, aber im Nachhinein bin ich froh, diese Art des Denkens auch kennengelernt zu haben.
08.03.2015
Sunlight hat geschrieben:
Dankeschön für Eure lieben Kommentare!

@Lara: Mal schauen, wie schnell ich durchkomme ;) Theoretisch sind 6 Semester Regelstudienzeit und dann noch mal 4 Semester für den Master (meist braucht man aber etwas länger).
08.03.2015
RichardParker hat geschrieben:
Ein klasse Einblick in dein Studium Lisa! Vielen Dank! :) Wie lange wirst du studieren?
08.03.2015
Cookie hat geschrieben:
Danke für den interessanten Einblick in den Studium. Das klingt wirklich total vielfältig! Ich wünsche dir noch weiterhin ganz viel Spaß und Erfolg dabei! :)
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