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© Dagmar Heene / WWF
"Es gibt diese Momente, wo man plötzlich eine Idee hat."


von Ivonne
23.04.2014
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Ein Gespräch mit Prof. Dr. Martin Winter - Batterieforscher und Zukunftsgestalter:

Herr Prof. Dr. Winter, dieses Jahr ist die Westfälische Wilhelms-Universität zum dritten Mal Partnerhochschule des 2°Campus. Sie sind dabei einer der wissenschaftlichen Mentoren. Als Leiter des Batterieforschungszentrums MEET liegen Ihre Forschungsschwerpunkte auf der Elektrochemischen Energiespeicherung und der Energiewandlung - man könnte Sie also durchaus als Forscher für den Klimaschutz bezeichnen. Aber: wie wird man eigentlich Forscher?

"Meine Erfahrung ist: Forscher wird man nicht aus Vorsatz oder über die Berufsplanung. Ich glaube, dass die Persönlichkeit entscheidend ist. Aber was daraus wird, ergibt sich erst durch die richtige Mischung aus Interesse und Gelegenheit – und das zur richtigen Zeit. Es hilft gerade am Anfang, durch einen oder mehrere Mentoren gefördert zu werden, damit man schneller lernt, wie ein Forscher zu denken und zu handeln. Neugierde, um selbst weiterzumachen, ist eine weitere wesentliche Voraussetzung, aber eigentlich kommt der richtige „Kick“ erst, wenn man in seinem Forschungsgebiet richtig „drin“ ist. Dann investiert man jede Menge Ideen und Zeit. Und dann läuft es mit der Forschung. Zu diesem Zeitpunkt kann man schwer wieder loslassen. Das kann übrigens schon für die Master- und Doktorarbeit und natürlich auch außerhalb der Akademia gelten."

Was gefällt Ihnen besonders am Forschen?

"Es gibt diese Momente, wo man plötzlich eine Idee hat, einen echten Geistesblitz. Wenn man die Gelegenheit nutzt, diesen zu verfolgen und dann oft unerwartet ein überraschend positives Ergebnis erhält, ist das unglaublich erfüllend und beflügelt für weiteres. Leider funktioniert nicht wirklich jede Idee. Eine gewisse Frustrationstoleranz hilft dann, auch die Tiefen zu durchstehen."

Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für Ihr aktuelles Forschungsthema entwickelt? Gab es dazu einen ausschlaggebenden Moment oder ein besonderes Ereignis?

"Nach meinem Diplomstudium wollte ich auf alle Fälle in der Elektrochemie arbeiten; eigentlich in der elektrochemischen Sensorik. Mein Diplom- und Doktorvater hat mir eine Stelle dazu angeboten, mich aber erst gebeten, ihm bei einem Problem in der Batterieforschung zu helfen, das bis zu dem Zeitpunkt nicht gelöst werden konnte. Nach intensiver Einarbeitung in das Thema konnte ich relativ rasch den entscheidenden Beitrag zur Lösung beisteuern. Ich war daraufhin von dem Thema fasziniert und hatte danach auch eine besondere Unterstützung durch meinen Doktorvater, so dass ich in der einschlägigen Forschung geblieben bin und das Thema Batterien zu meinem Steckenpferd wurde."

Wenn Sie ganz allein entscheiden könnten, woran Sie die nächsten Jahren forschen könnten, was wären Ihre wichtigsten Fragen, die Sie gern herausfinden wollen würden?

"Es gibt viele Detailfragen in den unterschiedlichsten Themen, aber die fundamentale Frage in meinem Gebiet wäre für mich: Wie kann ich die Grenzfläche zwischen Elektrolyt- und Elektrodenphasen so maßschneidern, dass ich die Eigenschaften von Elektrode und Elektrolyt komplett entkoppeln kann? Klingt kompliziert, aber bedeutet nichts anderes, als dass man die Komplexität massiv reduziert und damit erheblich schneller zu neuen leistungsstärkeren, langlebigeren und kostengünstigeren Batteriespeichern kommt. Ein ganz anderes Thema außerhalb der Batterieforschung wäre die effiziente elektrochemische Regeneration von Brennstoffen aus CO2. Das würde mehrere Probleme gleichzeitig lösen."

Welchen Tipp würden Sie Jugendlichen geben, die auch einmal gern in Ihrem Bereich forschen wollen?

"Batterieforschung ist ein wesentlicher Teil der Energieforschung. Wer in diesem Bereich forschen möchte, dem sollte das Thema Energie wichtig sein, nicht nur für die Forschung an sich, sondern als Zukunftsthema für unsere Gesellschaft. Ressourceneffizienz, Klimaschutz, eine gesicherte Versorgung sind nur einige Schlagwörter. Die Forschung dazu kann zweckfrei gestaltet werden, aber man sollte darauf achten, dass man etwas erforscht, was Relevanz hat. Wenn man seine Forschungsergebnisse mit diesem Anspruch abgleicht, dann bringt die eigene Energieforschung für alle einen Mehrwert."

Welchen großen Wissenschaftler / Architekt / politische oder sonstige berühmte Persönlichkeit würden Sie gerne einmal persönlich kennenlernen? Und warum?

"Ich liebe es, interessanten Menschen zu begegnen. Das müssen gar nicht Prominente oder Wissenschaftler sein. Hauptsache, die Menschen sind interessant und die Gespräche mit ihnen sind es auch. Ich lerne sehr viel von anderen Menschen."

Was wünschen Sie sich für den 2°Campus?

"Junge Menschen haben eine eigene Begabung, Themen und Herausforderungen anzugehen. Dieses Potential sollte man nutzen. Institutionen wie der 2°Campus, die diese Fähigkeit unterstützen und helfen, diese in der Wissenschaft anzuwenden und weiterzuentwickeln, sollten dauerhaft gefördert werden. Ich wünsche mir für den 2° Campus, dass er seine Themen verfolgen kann, ohne dass die Kreativität des Jungwissenschaftlers maßgeblich durch Bürokratie absorbiert wird. Das wäre in der heutigen Wissenschaftslandschaft ein entscheidender Vorsprung."

Wenn Sie alle Möglichkeiten der Welt hätten, was wäre das erste, was Sie tun würden?

"Ich verstehe diese Frage in Bezug auf meine Forschung. Alle Möglichkeiten zu haben, wäre verlockend, aber birgt gleichzeitig auch die Gefahr, übereilt und einseitig zu handeln. Denn vielfach hängen Themen miteinander so zusammen, dass wenn man an einer Stelle etwas Positives tut, dies an einer anderen Stelle Unerwartetes zur Folge hat. Als allererstes würde ich ein Gremium mit Kolleginnen und Kollegen zusammenstellen, mit dem ich einen Maßnahmenplan definiere und erörtere, Prioritäten setze und diesen Plan dann Schritt für Schritt umsetze. Ein ganzheitlicher Ansatz ist wichtig."

Was bräuchte es, damit Ihr Forschungsbeitrag zum Schutz des Klimas Gehör findet und auch alltagstauglich wird und in der Realität umgesetzt wird?

"Klar ist, dass wir leistungsstärkere und kostengünstige Batterien brauchen. Das ist ein Forschungs- und Entwicklungsthema für lange Zeit und braucht auch eine dementsprechende dauerhafte Aufmerksamkeit. Aber auch, wenn das gewährleistet wäre, müsste die gesellschaftliche Akzeptanz des Themas noch verbessert werden. Es gibt in breiten Teilen der Bevölkerung eine sehr kritische Einstellung gegenüber alternativen Energien. Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit notwendig, gerade auch in der Mobilität. Beharrlichkeit und Geduld werden entscheidend sein. Man darf nicht nachlassen."

Mit welcher Einstellung begegnen Sie „Klimakritikern“?

"Man muss bei einem strittigen Thema der anderen Seite klarmachen, was die Konsequenzen sein werden, wenn sie sich irrt. Würden die Klimakritiker, wenn sie Unrecht haben, die Konsequenzen alleine tragen? Wie? Würden Sie Verantwortung für alle übernehmen? Wohl nicht. Also können Sie auch nicht alleine den Kurs vorgeben. Das Thema Klima ist zu wichtig, als dass wir es nur kritisch hinterfragen, aber sonst tatenlos bleiben."

Was ist Ihre Vision der Zukunft?

"Wenn wir von einem Energieszenario 2050 sprechen, dann sehen wir viele Beiträge, die visionär sind. Keiner spart mit Versprechungen, wenn es um übermorgen geht. Das sieht man auch sehr gut an der Diskussion zu den weltweiten Klimazielen. Aber wenn es konkret wird, wenn es um das Jetzt und um die nähere Zukunft geht, dann sind wir vielfach sprachlos und eigentlich viel zu oft tatenlos. Wir sollten so vorgehen, dass wir die Zukunft selbst gestalten können und wollen. Eine große Vision ist dann gut, wenn sie morgen begonnen wird und dann Stück für Stück Wirklichkeit werden kann. Einen Teil von einem großen Ganzen heute geplant und morgen getan ist die beste Vision: Jeden Tag."

Vielen Dank für das Interview!

 

Bilder: Titelbild:flickr_via_cc_wortmeer; Martin Winter:Martin Winter; Batterien: flickr_via_cc_FotoDB.de; Windrad: flickr_via_cc_Mestra Ashara; Elektroauto: WWF; Energie im Sonnenuntergang:flickr_via_cc_benschke

 

 

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