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© Dagmar Heene / WWF
Einsparung von Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft – Aber wie?


von MarieYa
12.06.2015
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Die Landwirtschaft produziert jährlich etwa 11,8 Prozent der entstandenen Treibhausgase weltweit und muss, um das 2-Grad-Limit zu ermöglichen, etwa 40 Prozent der Treibhausgase einsparen. Die Hauptursache der Entstehung ist die Anwendung von Düngemitteln, da dadurch Distickstoffmonoxid in die Atmosphäre gelangt. Vor allem werden dann viele Düngemittel gebraucht, wenn die Erschließung neuer Bewirtschaftungsflächen nötig ist, da die alten Böden durch die unsachgemäße Bewirtschaftung (z.B. durch Verwendung von Pestiziden) zerstört wurden. Die Lösung dieses Problems liegt also hauptsächlich in der besseren Bewirtschaftung der Agrarflächen und dem Verzicht auf Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel.
Heutzutage werden, vor allem in Amerika, die Nutzpflanzen häufig in Monokulturen angebaut. Das bedeutet, dass eine einzige Nutzpflanze über Jahre hinweg auf einer meist sehr großen Fläche mithilfe von Maschinen und Schädlingsbekämpfungsmitteln angebaut wird. Diese Form des Anbaus schadet dem Boden aber, da durch die einseitige Bewirtschaftung auch nur einseitig Mineralstoffe entzogen werden und der Boden für diese Nutzpflanze immer ungeeigneter wird.


Düngemitteleinsatz
Um diesem Phänomen entgegen zu wirken, werden oft Düngemittel eingesetzt. Diese steigern die Erträge, da sie einen Ausgleich zum Mineralstoffverlust des Bodens schaffen, der durch das Ernten der Nutzpflanzen hervorgerufen wurde. Sind diese Düngemittel aber verunreinigt, was oft der Fall ist, so reichern sich Schwermetalle im Boden an und gelangen so auch in die Pflanzen. Auch die Verwendung von tierischen Exkrementen als Düngemittel ist nicht von Vorteil, da diese den Boden versauern, was wiederum die Aufnahme der Schwermetalle von Pflanzen begünstigt.


Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmittel
Die Verwendung von Schädlingsbekämpfungsmittel in der konventionellen Bewirtschaftung von Agrarflächen ist hierbei ebenfalls ein Problem. Zwar sind Pestizide hochwirksam und ohne ihre Nutzung würden jährlich ¾ der Ernte verloren gehen, jedoch wird in manchen Entwicklungsländern auch unter Anwendung von Pestiziden nur die Hälfte der möglichen Ernteerträge erwirtschaftet.
Ein weiterer Nachteil ist, dass die Abbauprodukte von Schädlingsbekämpfungsmittel, eine Halbwertszeit von durchschnittlich zehn Jahren haben und darüber hinaus auch noch giftig sind. Diese giftigen Abbauprodukte können sich im Trinkwasser anreichern und somit auch uns Menschen verseuchen. Außerdem wird die Bodenfruchtbarkeit durch Pestizide verringert, da sie teilweise Bodenorganismen abtöten, die für die Mineralstoffproduktion im Boden verantwortlich sind.
Anzumerken ist aber, dass der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln auch die Ausbreitung von Krankheiten (wie z.B. Malaria), die über Insekten übertragen werden, unterdrückt.


Einsatz von großen Maschinen
Des Weiteren ist der Einsatz von großen Maschinen auf Agrarflächen, die meistens sehr groß sind, eine weitere Belastung für den Boden. Denn dadurch verkleinern sich die Poren des Bodens und der Boden wird wasser- und luftdurchlässiger, was ihn anfälliger für Erosionsschäden macht. Außerdem wird der Boden sauerstoffärmer, was wiederum die Aktivität der Bodenorganismen negativ beeinflusst. Die Bodenfruchtbarkeit wird also drastisch verringert und führt zu einer dauerhaften Schädigung des Bodens. Darüber hinaus ist der verdichtete Boden den Regenfällen und der Sonne schutzlos ausgeliefert.
Die konventionelle Agrarwirtschaft ist also langfristig eher schädlich für die Umwelt. Deshalb gilt es, auf neue Systeme umzusteigen, um das Klima zu schützen, die jetzige Bodensituation zu verbessern und neue Bodenschäden zu vermeiden.


Lösungsansätze der Agroforstwirtschaft
Die Lösung dieser Probleme liefert die Agroforstwirtschaft. Bei diesem Prinzip der Bewirtschaftung von Agrarflächen werden Bäume und Nutzpflanzen zusammen angepflanzt, sodass sie in einer Symbiose zusammen leben können. Der Vorteil dieses Prinzips ist, dass vollständig auf Schädlingsbekämpfungs- und Düngemittel verzichtet werden kann.
Denn zum einen tragen die abgefallenen Blätter der Bäume zum Aufbau der Humusschicht bei und es kann so auf Dünger verzichtet werden. Zum anderen spenden die Bäume Schatten und schützen so vor übermäßiger Verdunstung und Sonneneinstrahlung. Hinzu kommt, dass die Bäume bei Regenfällen die Regentropfen abfangen und so Erosionsschäden verhindern, die entstehen, wenn die Regentropfen mit hoher Geschwindigkeit auf die Bodenoberfläche prallen. Der Boden kann aber dennoch bewässert werden, da das Wasser über den Baumstamm abfließt und so zu den Nutzpflanzen gelangt. Außerdem können die Bäume im Boden tiefer gelegene Mineralstoffe erschließen, weil die Baumwurzeln tiefer in den Boden eindringen. Somit erweitern sie auch die Nutzfläche für die Agrarpflanzen, sodass der Ertrag gesteigert wird. Ziel ist es, keine weiteren Düngemittel einsetzten zu müssen.


Die Push-Pull-Strategie
Zur Schädlingsbekämpfung wird sich meistens eines weiteren Prinzips bedient, der Push-Pull-Strategie. Bei dieser Strategie werden gezielt Pflanzen um das bewirtschaftete Feld herum angepflanzt, die zum einen Nützlinge anlocken (Push-Effekt), beispielsweise in Form eines Dufts, oder den Schädlingen schaden (Pull-Effekt). Zwischen den Nutzpflanzen werden außerdem noch weitere Pflanzen angebaut, die zur Abschreckung der Schädlinge beitragen und meistens auch gegen Unkraut helfen.
So kann also sowohl auf Dünge-, als auch auf Schädlingsbekämpfungsmittel verzichtet werden und somit auch auf höhere Produktionskosten. Dennoch ist die Agroforstwirtschaft zeitaufwändiger und arbeitsintensiver als die monokulturelle Bewirtschaftung, da vollkommen auf mechanische und große Maschinen verzichtet werden kann. Aber ist das nicht eigentlich ein vergleichsweise geringer Preis für die Erhaltung der Umwelt?

 

 

Quellen


1.) Internetquellen:
• http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/galex/konzepte/l107.htm : 08.06.2015; Universität Hamburg; Bodenverdichtung
• http://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/dossier-umwelt/61271/bodenbelastung?p=all: 08.06.2015; Bundeszentrale für politische Bildung; Bodenbelastung durch Landwirtschaft
• http://www.pflanzenforschung.de/de/journal/journalbeitrage/die-mischung-machts-pflanzengemeinschaften-nutzen-die-v-10331: 08.06.2015; Bundesministerium für Bildung und Forschung; Die Mischung macht’s
• http://www.pflanzenforschung.de/de/journal/journalbeitrage/der-wert-der-vielfalt-ein-ueberblick-1045: 08.06.2015; Bundesministerium für Bildung und Forschung; Der Wert der Vielfalt
• http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/100720_Stickstoffbroschuere.pdf: 12.06.2015; WWF Deutschland; Handelsempfehlung zur Bewirtschaftung von Stickstoffbedingten Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft


2.) Buchquellen:
• Hessler, Stephan: Umwelt und Entwicklung im ländlichen Raum; 1991 Saarbrücken; S.105ff.
• Gay, Jutta und Menkhoff, Inga: Das grosse Buch der Landwirtschaft; 2013 Köln
• Prof. Dr. habil. Konrad Billwitz u.v.m.: Basiswissen Schule Geographie 7.Klasse bis Abitur; 2012 Berlin; S.168ff.
• Steininger, Hans-Ragnar: Mensch und Raum Geographie; 2010 Berlin; S. 47 und S.78ff.
• Philipp, Eckhard u.a.: Ökologie; 1998 Hannover; S.136f. und S.142ff.

3.)Bildquelle: Simeon Schwager

 

 

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Kommentare (7)
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23.06.2015
MarieYa hat geschrieben:
Hallo alle zusammen,
Vielen Dank für eure lieben Kommentare und euer Interesse!
Es gibt tatsächlich schon Anwendungen der Agroforstwirtschaft in Deutschland. Hier werden beispielsweise Pappelreihen als Erosionsschutz angebaut. Es ist in Wirklichkeit auch schon ein sehr altes Verfahren, das aber im Zuge der Modernisierung der Landwirtschaft in den Hintergrund getreten ist.
Viele liebe Grüße Marie
17.06.2015
Ivonne hat geschrieben:
Liebe Marie, danke für deinen sehr gut recherchierten Bericht, der zudem super geschrieben ist!! Ich kannte die Agroforstwirtschaft auch noch nicht und hab mich gefreut, dass du uns dieses Thema näher gebracht hast! Freu mich auf den Sommerblock! LG, Ivonne
16.06.2015
CaelumMeaRegula hat geschrieben:
Ein sehr interessanter Bericht!
Die schädlichen Aspekte der derzeit verbreiteten Anbaumethoden waren mir bereits bekannt, allerdings ist mir die von dir genannte Alternative hierzu absolut neu. So wie ich das auf den ersten Blick sehe, hat sie sogar noch weitere Vorteile als die Reduzierung von Treibhausgasen und die Verhinderung von Bodenerosionen. Zusätzlich wird durch diese Anbaumethode die Biodiversität nicht nur geschützt, sondern sogar aktiv gefördert. Denn dadurch, dass auf den Feldern blühende Pflanzen und Bäume gepflanzt werden sollen, schafft man Lebensräume, die durch die Monokultur zerstört wurden. Somit finden Planzen und Tiere, die mittlerweile sogar teilweise vom Aussterben bedroht sind, wie auch viele heimische Vogelarten, wieder einen Zufkuchtsort der Nahrung und Behausung bietet. Eine wirklich unterstützenswerte Art der Agrarwirtschaft :-)
14.06.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
Danke für den informativen Bericht! Mir geht es wie Buchenblatt, ich habe auch nur von Baum-Nutzpflanz-Symbiosen bei Bananen gehört, aber das ist ja super, dass das auch hier funktionieren und nützlich sein kann! :)
14.06.2015
Buchenblatt hat geschrieben:
Super Artikel mit sehr interessanten Fakten. Ich wusste noch gar nicht, dass auch hier Bäume und Nutzpflanzen so zusammen angebaut werden können, dass beide Vorteile haben. Ich hatte bis jetzt nur von dieser anbaumethode für Fair-Trade-Bananen gehört.
13.06.2015
MarieYa hat geschrieben:
Hallo Luke,
Toll, das freut mich!
Viele Grüße Marie
13.06.2015
Luke24 hat geschrieben:
Das ist ein superinteressanter Bericht, der zudem sehr gut geschrieben ist. Vieles war mir noch nicht bekannt.
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