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© Dagmar Heene / WWF
Die Warenströme der Menschen und ihr Einfluss auf den Klimawandel


von MarcelB
05.04.2015
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Ständig wird uns das Wort "Klimawandel" in den Medien oder in Lehrbüchern vor Augen geführt. Dabei wird vor allem immer auf die Ursachen des vom Menschen verstärkten Klimawandels verwiesen: zu viele fossile Energieträger oder die durch uns stattfindende Vernichtung von Urwäldern. Eine wichtige Ursache, die meist unterschlagen wird, ist der zunehmend globalisierte Warenverkehr.

Der internationale Außenhandel hat von 1960 bis heute stark zugenommen. Dies betrifft die unterschiedlichsten Güter. An einem Beispiel kann man die globalen Wertschöpfungsketten besser verstehen. Schauen wir uns dafür die Produktion eines Smartphones von Anfang bis Ende an: Zu allererst wird das Smartphone von klugen Köpfen entwickelt und designed. Dies findet meistens in den Industrieländern, wie den USA, statt. Um das entwickelte Smartphone aber auch produzieren zu können, braucht man wichtige und seltene Rohstoffe. Diese werden z.B. im Kongo abgebaut.Anschließend werden sie nach China transportiert, wo die einzelnen Bestandteile des Handys gebaut und zusammengesetzt werden. Ist das Smartphone fertig gebaut, so wird es in die ganze Welt gesendet und ist damit für den Verkauf freigegeben. Während jeder einzelnen Produktionsstufe werden Materialien oder Personen über die ganze Welt transportiert, das erzeugt Emissionen und belastet das Klima. Außerdem ist jeder Teil der Wertschöpfungskette abhängig von seinen Zulieferern oder Abnehmern. 

Warenströme sind schwer zu messen, so in etwa sehen sie aus. Der größte Warenverkehr findet innerhalb der sogenannten "Triade" statt (Europa, Nordamerika und Ostasien).

Mit globalen Warenketten beschäftigt sich auch Robert am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Er hat Physik studiert und macht nun am PiK eine kumulative Promotion. Dabei untersucht er mithilfe von Klimamodellen, welche Folgen der Klimawandel auf globale Warenketten hat. Klingt abstrakt, also wie kann man sich das also vorstellen?

Durch den Klimawandel nehmen statistisch gesehen Extremwetterereignisse zu. Diese können unterschiedlichste Formen annehmen. An der nordamerikanischen Ostküste nehmen z.B. Tornados zu. Hier in Deutschland kann es durch lange Regenperioden öfter mal zu Hochwasser kommen. Solche Überschwemmungen können Menschen, aber auch Infrastruktur nachhaltig zerstören. Dies war z.B. 2011 in Thailand der Fall, erzählt uns Robert. Eine Überschwemmung hat die zwei Festplattenfabriken von Western Digital und Seagate beschädigt. Da rund die Hälfte aller Festplatten in Thailand hergestellt wird, waren die Geräte anhaltend knapp. In der Folge kam es zu erheblichen Preissteigerungen von Festplatten, auch hier in Deutschland.

Die Festplattenkrise in Thailand ist ein klassisches Beispiel bei dem der Klimawandel einen Produktionsausfall ausgelöst hat, der bis nach Deutschland spürbar war. Solche Produktionsausfälle werden in Zukunft zunehmen und können sogar schlimmer ausgehen. Vorstellbar wäre, dass eines Tages unsere Nahrungsmittelproduktion aufgrund klimatischer Bedingungen ausfällt - was dann?

Ihr wollt mehr über Roberts Promotion wissen, hier geht’s zu seinem Paper "basic formulation of damage transfer within a global supply network and damage conserving dynamics".

Neben Produktionsausfällen kann es auch zu einem Nachfrageausfall kommen. Solch ein Szenario hatten wir erst letztens. Der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an den Dioxin-Skandal. Dieser ist nicht durch den Klimawandel induziert, jedoch trotzdem zum Verständnis gut geeignet. Ohne noch einmal konkret darauf einzugehen, bewirkte dieser bei vielen Menschen den Umstieg von konventionellem Fleisch auf Bio-Fleisch bzw. Vegetarismus. Ein weiteres Beispiel ist Fukushima: Dieses furchtbare Ereignis löste in Deutschland die Energiewende aus. Die Art wie wir leben und wie wir leben wollen, kann also sowohl durch Produzenten, als auch durch Konsumenten stark beeinflusst werden.

Die 2°Campus Teilnehmer fragen noch mal nach. Welche Auswirkungen werden Produktions- und Nachfrageausfälle auf die Gesellschaft wohl haben... 

Doch was lernen wir aus Produktions- und Nachfrageausfällen? Der Klimawandel wird die globalen Wertschöpfungsketten in Zukunft noch stärker beeinflussen - und das nicht unbedingt vorteilhaft. Durch einen Produktionsausfall bekommen die Konsumenten keine Rohstoffe mehr, wie 2011 bei der Festplattenkrise. Außerdem gehen die Zulieferer der Festplattenfabriken leer aus, da sie ihre Rohstoffe nicht mehr weiterverkaufen können. Bei Nachfrageausfällen wollen die Kunden die Güter nicht mehr kaufen, wie nach Fukushima den Atomstrom. Die Produkte gehen damit ertragslos unter und können die wirtschaftlichen Strukturen dauerhaft zerstören. Beide Fälle führen zu massiven Problemen innerhalb der globalen Wertschöpfungsketten.

Ironisch, dass ausgerechnet das Wort "fragile" über der Weltkugel steht.

Robert simuliert am PiK genau solche Szenarien. Er kann beispielsweile erforschen, wie stark ein einziger Produktionsausfall die gesamte Weltproduktion lahm legen kann. Die Ergebnisse sind leider wenig erfreulich, unsere Welt ist soweit miteinander vernetzt, dass ein Ausfall schon viele weitere und schwere Schocks in anderen Ländern hervorrufen kann. Was können wir jetzt tun? Wir müssen die Folgen durch den Klimawandel so weit es nur geht reduzieren! Außerdem müssen wir uns an Extremwetterereignisse, so gut es geht, anpassen und Vorsorgen treffen. 

Fotos © Arnold Morascher/ WWF

 

*************

Was denkt ihr? Wird es erst zu Veränderungen und Umdenken kommen, wenn die ersten Katastrophen, wie die Festplattenkrise in Thailand, eingetreten sind? Oder brauchen wir sogar mehr Katastrophen wie Fukushima, damit die Menschen endlich aufwachen?

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
10.04.2015
Ivonne hat geschrieben:
Toller Bericht!! Wie immer super geschrieben. Für mich hast du die wesentlichsten Punkte des Vortrags nochmal sehr gut zusammengefasst. Ich verstehe jetzt einiges nochmal besser. :-)
06.04.2015
Sunlight hat geschrieben:
Sehr schwierige Frage...
Sicherlich tragen Katastrophen dazu bei, die Menschen aufzurütteln und vielleicht sogar direkte Änderungen im Lebensstil umzusetzen. Nur eigentlich haben wir ja nicht die Zeit auf solche Katastrophen zu "warten"... Außerdem ist es ja noch ein Unterschied, ob eine Festplattenkrise eintritt (die aus meiner Sicht verantwortbar ist, wenn sie Veränderungen bewirkt) oder ob eine Katastrophe wie in Fukushima Menschenleben und Umwelt zerstört und deswegen auf keinen Fall noch mal eintreten sollte!
06.04.2015
Rastello hat geschrieben:
Danke für diesen interessanten Bericht!

Hier eine Petition dieses Themas:
https://secure.avaaz.org/de/100_clean_ob/?bFuhnjb&v=48964
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