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Forschung!


© Dagmar Heene / WWF
Die 2°Campusmentoren im Interview (2)


von IndianSummer
29.08.2013
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Als nächste Person, möchten wir euch gerne die Mentorin aus der Ernährungsgruppe vorstellen.
Anja. Sie ist Bio-Bäuerin und öffnet durch ihre Arbeit einen anderen Winkel der Betrachtungsweise und wir möchten uns noch einmal bei ihr für die tollen Antworten bedanken :)

Was gefällt dir besonders am Forschen?

Ich bin keine Forscherin im eigentlichen Sinne, da ich schon eine Weile  in der landwirtschaftlichen Praxis arbeite. Aber während meiner Arbeit  erforsche ich das Leben! So viele Details würden bei wissenschaftlichen  Versuchen verloren gehen, bei denen die Forschungsfrage immer sehr genau  abgesteckt werden muss. Da ich besonders gern beobachte, fallen mir oft  die kleinen (ungeplanten) Dinge ins Auge, die Beachtung finden sollten.  

 

Wie hast du die Leidenschaft für dein aktuelles Forschungsthema entdeckt?

Ich beschäftige mich mit der Nutztierhaltung, die ja viel angesprochen  und kritisiert wird in der Klima-Diskussion. Meine Leidenschaft für  dieses Thema entdeckte ich bei einem FÖJ-Seminar zum Thema Ökologische  Landwirtschaft. Der Bauer des Hofes, auf dem das Seminar stattfand,  hatte eine so feine, tiefe Kommunikation mit seinen Tieren, die mich  absolut faszinierte. Auch während des Ökolandbau-Studiums lag mein Fokus  auf der artgerechten Tierhaltung, welche ich inzwischen lieber als  wesensgemäß bezeichne, weil wirklich jedes Wesen individuell ist. Nach  dem Studium erlernte ich in Kanada eine Methode, wie eine ganze Herde  Wiederkäuer stressarm gelenkt und geleitet werden kann, Low Stress  Stockmanship nennt sich das. Da begegnete mir der Forschungsaspekt  wieder, weil sich die Landwirte natürlich fragen, was sie davon haben  und man die Zeitersparnis eventuell auch nachweisen können muss. Jedoch  ist ein Versuchsaufbau immer wieder schwierig – die Tiere verhalten sich  nicht immer messbar gleich und die Wahrnehmung der Landwirte bleibt  subjektiv. In den nächsten Jahren möchte ich trotzdem daran arbeiten,  die Wirksamkeit der Methode nachzuweisen und durch individuelle  Erfahrungen erlebbar zu machen. 

 

Mein Tipp, wenn ihr auch in diesem Bereich forschen wollt:

Jugendlichen, die gern einmal in meinem Bereich forschen wollen, würde  ich den Tipp geben, sich einfach an den Rand einer Rinderweide zu setzen  und zu beobachten. Das Herdenleben ist so komplex und das Schulen der  eigenen Wahrnehmung existenziell für die Forschung. 

 

Welchen Wissenschaftler würdest du gern persönlich kennen lernen?

Ich würde gern Temple Grandin treffen. Sie ist Wissenschaftlerin in  Amerika und Autistin. Durch ihren besonderen Blick für die Tiere und  ihre Forschungsarbeit konnte sie enormen Einfluss nehmen: etwa die  Hälfte der amerikanischen Schlachthöfe wurde nach ihren Hinweisen  konzipiert.

 

Was ich mir für den 2°Campus wünsche:

Für den 2°Campus und besonders die Ernährungsgruppe wünsche ich mir,  dass wir es schaffen, den Fokus auf unser Umfeld zu bringen – sicherlich  sind die globalen Krisen von geraumer Bedeutsamkeit, aber mir geht es  mehr darum, was wir hier vor Ort tun können, nach dem Motto „think  global, act local“. Jeder unserer Einkäufe hat Einfluss auf das große  Ganze und wiederum im Detail steckt der Wandel. 

 

Denkst du, dass Forschung die Welt verändern kann und was ist dein Beitrag dafür?

Ich glaube schon, dass Forschung die Welt verändern kann. Mir persönlich  greifen die großen Studien zu CO2-Ausstößen aber oft zu kurz, weil es  regional, ob hier um Berlin  oder bei der Ziegenbäuerin im globalen Süden Alternativen gibt und  diese nicht genauso über den gleichen Kamm geschoren werden sollten wie  die breite Masse der Landwirtschaft, denn „Die Kuh ist (an sich) kein  Klimakiller“. Wiederkäuer sind die einzigen Tiere, die Gras sinnvoll  verwerten können und das sollten wir sie auch tun lassen! Dafür möchte  ich gern eintreten.

 

Wie wird das, worüber wir forschen alltagstauglich und in der Realität umgesetzt?

Um den Bereich, in dem wir forschen alltagstauglich zu machen, braucht  es meiner Meinung nach persönliche Gespräche am Esstisch – gern über das  Paradox zwischen Haustier- und Nutztierhaltung a la „Wir streicheln und  wir essen sie“, damit das Stück Fleisch in der Kühltheke nicht länger  anonym bleibt. 

Meine Vision für die Zukunft:

… ist die bäuerliche Landwirtschaft mit einem funktionierenden  Betriebskreislauf und Kunden, die sich über den Wert von Lebensmitteln  durch den direkten Kontakt zur Natur wieder bewusst werden und so aktiv  ein System unterstützen, welches neben der persönlichen Bereicherung  auch geringere CO2-Ausstöße mit sich bringt. 

Mit welcher Einstellung begegnest du Klimakritikern?

Gibt es noch welche? ;-) In meinem Umfeld jammern eigentlich alle herum,  weil sich die Welt verändert. Die würde ich ermutigen, wie es ihnen  möglich ist, aktiv zu werden!


Wenn ihr noch ein bisschen mehr über Anja erfahren wollt, dann schaut doch einfach auf der Mentorenseite des 2°Campus' vorbei!
www.wwf-jugend.de/durchstarten/2-grad-campus/kontakt-partner/mentorinnen-und-referentinnen/

Liebe Grüße,
Kira und Lukas

Foto: WWF/Arnold Morascher

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Kommentare (1)
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30.08.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Schönes Interview :)
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