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© Dagmar Heene / WWF
Das Heizen von Gebäuden über Außenwände – Eine Innovation mit Zukunft?


von LeNaBo
09.05.2016
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Neu errichtete Häuser sind Altbauten meist überlegen. Dank der stetig voranschreitenden Entwicklungen in Hinblick auf energieeffizientes Wohnen, kann man sich bereits früh darüber einig werden, wie das Haus gestaltet werden soll, damit die zukünftigen Bewohner zufrieden sein können und ein Beitrag zum Thema Klimaschutz geleistet werden kann. Anders bei Altbauten. Viel Energie geht verloren, was einerseits auf die Brieftasche der Besitzer schlägt, andererseits negative Auswirkungen auf das Ziel der Reduzierung von energiebedingten Emissionen besitzt. Eine grüne Innovation könnte dies vermutlich bald ändern: Das Heizen von Gebäuden über Außenwände.

Die Einführung von erneuerbaren Energien in Haushalten ist ein Ziel, welches es im Sinne der Energiewende, umzusetzen gilt. Eine Maßnahme, die diesen Prozess erleichtern soll, ist der Einbau von Flächenheizungen. Zumeist in Fußböden, Innenwänden und Decken sind diese jedoch schwer nachträglich zu integrieren. Es müssten massive Umbaumaßnahmen stattfinden. Eine Option sollen bald thermisch aktivierte Wände darstellen. Erstmals testeten nun Wissenschaftler der Universität des Saarlandes den Einsatz von so genannten Kapillarrohrmatten in einer außenliegenden Wandheizung.

Innerhalb des Forschungsprojektes wurden Kapillarrohrmatten auf eine 160km² große Betonfläche aufgetragen. Versteckt unter einer wärmeleitenden Putzschicht soll die Installierung für eine homogene Temperaturverteilung innerhalb des Raumes sorgen. Die Putzschicht ist zudem notwendig, um eine Wärmedämmung, die entgegen des Verlustes von Energie wirken soll, anzubringen. Bestehend aus einen Wasser-Glykol-Gemisch sollen die sechs Millimeter dicken Röhren innerhalb der Kapillarrohrmatte, die Lösung für Altbauten bieten, um mit relativ wenig Aufwand klimafreundliches Wohnen zu ermöglichen.

Durch die Größe der Übertragungsfläche wird eine zusätzlich Effizienz erzielt. Das Wärmeträgermedium muss bei weiten nicht so stark erhitzt werden, wie bei herkömmlichen Heizsystemen und es liegt eine Speichermasse vor. Letztlich können Wärmeerzeugung und entsprechender Verbrauch besser zeitlich entkoppelt werden. Vor allem in Anbetracht der großen Defizite, die noch bei der Speicherung von erneuerbaren Energien bestehen ist dies ein wichtiger Aspekt, der die Innovation weiter aufwertet.

Aufgrund der Lage der Flächenheizung zwischen bestehender Wand und neuer Wärmedämmung können sehr niedrige Vorlauftemperaturen von kleiner als 20 bis 25 Grad Celsius nutzbar gemacht werden. Dies liegt daran, dass bereits Vorlauftemperaturen, die nur geringfügig über der Ruhetemperatur in der Heizebene liegen, eine Änderung des Heizwärmestroms durch die Bestandswand bewirken.“ – erklärt Christoph Schmidt, Projektleiter vom Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES)

Die Energieversorgung ist vorerst auf die direkte thermische Nutzung der Solarenergie und Wärmebereitstellung von Wärmepumpensystemen ausgelegt. Ein klarer Vorteil ist jedoch, dass das System in vielfacher Weise an den Benutzer und dessen Verhalten, sowie finanziellen Budget angepasst werden kann. So wird es möglich sich zwischen einer relativ kostengünstigen, als auch einer möglichst effizienten/autarken Betriebsstrategie zu entscheiden. Die Bauarbeiten an dem Testgebäude sollten bereits bis Ende letzten Jahres erfolgt sein. Folgend beginnt die Testphase mit Messungen. Im Rahmen des Projektes erfassen und bewerten die Wissenschaftler zwei Heiz- und Kühlperioden. Das Projekt endet Mitte 2017.

Wie sich das Projekt weiter entwickeln wird, steht noch in den Sternen, aber dem jetzigen Informationsstand nach zu Urteile, wird es nicht mehr lange dauern, bis die ersten Altbauten mit diesem System ausgestattet werden können. Schade ist es nur, dass, unter Anwendung der Innovation, teils aufwändige und schmuckvolle Häuserfassaden nicht im Originalzustand erhalten werden können. In Anbetracht der Effizienz und Kosten, ist jedoch dieser Projektvorschlag, bisher die beste Möglichkeit die Bauten im Sinne des 2°Limits überhaupt aufrecht erhalten zu können und wer weiß, vielleicht finden die Forscher der Universität des Saarlandes auch hier noch eine Lösung.

 

Lena Bohnenstengel

Bild: CC0 Public Domain

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Kommentare (1)
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12.05.2016
Ivonne hat geschrieben:
Liebe Lena,
danke für den tollen Artikel. Sehr gut und interessant geschrieben. Es klingt erstmal plausibel, was sich die Forscher/innen da ausgedacht haben. Ich habe allerdings auch die ganze Zeit an die Erhaltung des meist ja oft sehr schönen Fassadenbildes gedacht, was dabei dann wahrscheinlich meistens darunter leiden muss. Aber es ist hier wahrscheinlich wie so oft im Bereich. Es gibt keine perfekte Lösung, es gibt auch immer Abstriche und man muss abwägen, was am Ende mehr zählt: die Ästhetik oder der Klimaschutz? Am besten wäre ja die Kombination aus beidem. Mal sehen, was wir hier noch erwarten können. Und neben der Technik finde ich auch unser Nutzerverhalten im Bereich Gebäude extrem wichtig, wie wir zum Beispiel beim letzten 2°Campus deutlich in unseren Forschungsergebnissen zeigen konnten. Liebe Grüße, Ivonne
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