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© Dagmar Heene / WWF
Augen zu und durch! Die Ignoranz der Klimaskeptiker


von Peet
29.05.2014
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Es gibt drei Typen von Menschen, mit denen sich der Doktorant Jascha Lehmann gerne beschäftigt. Trendskeptiker, Ursachenskeptiker und Folgenskeptiker. Abers was genau ist das? Das hat sich die diesjährige Gruppe des 2 Grad Campus auch gefragt – und ich mich ehrlicherweise auch.

Aber wo genau befinden wir uns eigentlich? Auch in diesem Jahr findet der 2 Grad Campus in Berlin statt, wo sich Jugendliche aus ganz Deutschland treffen, um gemeinsam an Lösungen und Probleme im Bereich des Klimawandels zu forschen. Gemeinsam mit einigen Universitäten geht es dann an die Grundlagen des Klimawandels. Dazu gehört auch die Seite der Skeptiker zu betrachten. Das mag zuweilen nervig erscheinen aber welch große Bedeutung das Ganze hat, wurde den Jugendlichen des 2 Grad Campus schnell klar. Denn auf dem Potsdamer Telegrafenberg findet sich im Wissenschaftspark Albert Einstein unter anderem das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, kurz PIK.

Dort hieß uns Jascha Lehmann willkommen und führte uns hoch hinauf in eine ehemalige Sternwarte. Es schien fast so, als ob die Thematik von oben betrachtet werden sollte. Denn die Breite der Thematik rund um die Klimaskeptiker schien groß. Ebenso groß erschien auch der Fernseher, der uns die Präsentation von Herrn Lehmann zeigte. Gleich zu Beginn flogen auch schon die harten Fakten auf uns ein.

Der Klimawandel ist zu 97% durch den Menschen verursacht. Da sind sich die Wissenschaftler einig aber in den USA beispielsweise glauben nur 50% der Menschen daran. Trotz Dürren, Hochwassern, zunehmenden Stürmen und anderen Wetterextremen. Uff, denken sich alle.

Herr Lehmann versucht es noch deutlicher zu formulieren. Zwar sind sich ein Großteil der Wissenschaftler (97%) einig, dass der Klimawandel eine anthropogene, also menschliche Ursache hat, aber in den Medien werden die restlichen drei Prozent an Wissenschaftlern ebenso stark zu Wort gelassen als die 97%. Somit entsteht ein Verhältnis von 50:50 bei einem tatsächlichen Verhältnis von 97:3. Ganz schön unfair, befindet die Gruppe. Und Herr Lehmann geht noch weiter. Studien haben gezeigt, dass in einem Zeitraum von 18 Monaten innerhalb der USA bis zu 500.000.000 Millionen US-Dollar von Firmen bereitgestellt wurde, die den Klimawandel relativieren oder nicht als Wahrheit betrachten. Dies sind oftmals Firmen aus dem Ölgeschäft, allen voran ExxonMobil.

Von Büchern wie „Smoke, Mirrors and Hot Air“ bis hin zu Filmen wie „The Great Global Warming Swindle“ ist alles vertreten, die den Klimawandel verharmlosen oder die menschliche Ursache außen vor lassen. Letzteres wurde zudem beim deutschen Fernsehsender RTL ausgestrahlt. Lehmann sieht hier die Medien in einer großen Verantwortung, denn sie sind die Überbringer von Nachrichten. Das Problem ist hierbei nicht die Berichterstattung, sondern die fehlerhafte. So lassen sich die Filme und Bücher innerhalb kurzer Zeit einfach widerlegen aber das bekommt der Leser oder Zuschauer natürlich nicht mehr mit.

Wem das in die Hände spielt, ist den Jugendlichen des 2 Grad Campus schnell klar. Den Klimaskeptikern. Lehmann sieht hier vor allem drei Gruppierungen, die den Skeptiker erklären soll.

1. Der Trendskeptiker: Es gibt keinen Klimawandel – basta!
2. Der Ursachenskeptiker: Der Mensch hat keinen Einfluss auf den Klimawandel!
3. Der Folgenskeptiker: Die Folgen sind doch nicht so schlimm, wie wir immer annehmen.

Schnell wird klar: Jeder in der Gruppe hatte schon einmal eine Erfahrung mit einem dieser Gruppierungen. Denn oftmals vermischen sich Ohnmachtsgefühl, Gleichgültigkeit und fehlende moralische Werte zu einem einfachen Standpunkt: Klimawandel? Ist mir egal. Die einzige richtige Antwort, das wird schnell klar, gibt es nicht. Denn wie auf völlige Resignation oder Ignoranz reagieren? Das kann immer unterschiedlich sein, meint Lehmann. Er selber habe oftmals auch keine Chance, an Menschen heran zu kommen. Eine Meinung kann sich verhärten und bleibt für immer – wider die Fakten. Er selber betrachtet lieber die Menschen, die sich von Grund auf offen für Diskussionen zeigen und die einen Weg finden wollen, hier Probleme zu lösen. Aber, auch das sagt Lehamnn, der Klimawandel hat ein Öffentlichkeitsproblem und daran gilt es zu arbeiten. Es geht nicht um Meinungsmache, sondern vielmehr um die tatsächlichen Fakten. Eines der größten Probleme auf die er immer wieder stoße ist gar nicht der Klimawandel an sich. Der ist schlimm genug. Sondern vielmehr der lange Zeitraum, der für viele kaum greifbar ist.

Und tatsächlich scheint hier das größte Problem der Thematik zu stecken. Was genau wird passieren? Wann wird was passieren? Lebe ich dann überhaupt noch? Und wie können wir auf die kaum bekannten Probleme reagieren?

Eine Antwort kann Lehmann darauf nicht geben, zumindest nicht direkt. Vieles steckt tatsächlich noch im Wagen, einiges aber lässt sich mit Sicherheit sagen: Wir Menschen müssen etwas verändern. Im Verhalten mit Ressourcen und der Umwelt. Denn Probleme wie Dürren, Hochwasser oder ähnliche Katastrophen nehmen deutlich zu und sind klare Indizien des Klimawandels. Was genau sich ändern sollte? Lehman denkt an vieles. Aber wenn er es aus dem Arm schütteln könnte, dann wäre es hier in Deutschland die Energiewende. Die Jugendlichen des 2 Grad Campus sind sich indes einig: Wir müssen weiter aufklären und handeln, auch wenn nicht immer alles zu 100% voraus gesagt werden kann. Aber nicht nur der eigenen Generation zuliebe, sondern dem Planeten. Denn: „Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten.“ Ottmar Edenhofer, Co-Vorsitzender des aktuellen IPCC-Berichts.

Headerbild © Banksy
Restlichen Bilder © Arnold Morascher / WWF

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Kommentare (11)
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04.06.2014
Christina1107 hat geschrieben:
Ich finde es schockierend, wie wenig sich einige Menschen um unsere Welt und unsere Zukunft scheren. Es geht uns alle was an!!
01.06.2014
Makanie hat geschrieben:
Interessant zu wissen, dass genau die Menschen, die wohl am meisten zum Klimawandel beisteuern, nichts davon wissen wollen und den Gedanken an Mitschuld vollkommen verdrängen (USA).
01.06.2014
Anais hat geschrieben:
Anstrengend finde ich vor allem die, die in alle drei Gruppen passen und der Meinung sind es gäbe keinen Klimawandel und der Mensch hätte ohnehin keinen Einfluss darauf und zudem würden die Folgen nicht so schlimm sein...
Danke für den Bericht :))
29.05.2014
Peet hat geschrieben:
@Uli: Stimme dir zu. Und wie der Zufall so will, hier mal ein passendes Video dazu: http://www.upworthy.com/a-host-helps-bill-nye-with-a-perfect-response-to-all-the-people-who-doubt-his-science-facts-on-tv?c=3501&utm_content=buffer83097&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer

@Ivonne: Danke fürs Feedback und die Möglichkeit dabei zu sein. :)
29.05.2014
Ivonne hat geschrieben:
Lieber Peter, danke für diesen tollen Bericht! Ich war selbst dabei und hätte es nicht besser zusammenfassen können. Und Deine Allegorie des runden Kuppelsaals der Sternwarte finde ich klasse: 360°: das ist der wahre Blickwinkel, mit dem man alle wissenschaftliche Fragestellungen betrachten sollte, nicht nur Ausschnitte, so wie es "Klimaskeptiker" oft tun.
29.05.2014
Rhino hat geschrieben:
Ich finds sehr gut und wichtig, dass es so eine intensive Auseinandersetzung mit dem Klimaskeptiker-Wahnsinn gibt, wobei die vielen Fakten und Analysen wohl leider für viele Verschwörungdfanatiker auch weiterhin nebensächlich bleiben werden :/

Ich denke, das Problem mit den Medien ist vor allem, dass dort der Begriff Klimawandel recht häufig auftaucht, aber immer häufiger nur im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Investitionen oder politischen Entscheidungen (Förderung erneuerbarer Energien etc.), während tatsächliche geophysikalische Folgen immer ungenauer umrissen werden, sodass der gelernte Verschwörungstheoretiker wie immer "die große Verarsche am Volk" schnuppert ...

Naja, und SPIEGEL und Klimawandel ist ja ohnehin ne Sache für sich ^^
29.05.2014
RichardParker hat geschrieben:
Ich finde es echt penetrant, dass einige immer noch glauben, das es den Klimawandel nicht gibt, er harmlos ist, oder was weiß ich! Was soll den noch an Wetterextremen kommen, damit es auch die Letzen endlich verstehen?
29.05.2014
midori hat geschrieben:
@Peter

Ich habe ja auch nicht beschrieben, wie es sein sollte, sondern wie es eben ist! ;o) Natürlich bin ich diesbezüglich auch der Meinung, dass die Medien in ihrer Funktion mehr Aufmerksamkeit und Überzeugung generieren könnten. Ich habe nur die Analyse wiedergegeben! ;o)
29.05.2014
Peet hat geschrieben:
Ups: Jetzt hatte ich schon auf "senden" geklickt. Wollt noch sagen: Ja, die USA treiben die Diskssion mal wieder auf die Spitze, da geb ich dir recht. ;)
29.05.2014
Peet hat geschrieben:
@Uli: Doch, gerade die Medien müssen hier eindeutig mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Wenn sich 97% der Wissenschaftler einig sind, dann ist das nicht im Verhältnis hier "ausgeglichen" zu berichten. Wenn du auf der einen Seite den Klimaskeptiker mit einer Seite Text hast und auf der anderen Seite die andere Seite, dann wird hier ein Bild völlig verzerrt. Und es gibt weitere Studien die durchaus aufzeigen, dass auch in Deutschland die mediale Berichterstattung zu diesem Thema schief läuft, siehe regelmäßig Spiegel Online den ehemaligen RWE Vorsitzenden bzw. AfD Funktionäre (die ja durchaus immer mehr Zulauf bekommen).
29.05.2014
midori hat geschrieben:
Interessant - im Zuge meiner Recherche für meine Hausarbeit an der Uni habe ich vor kurzem einen Text gelesen, der genau diese Problematik behandelt. Allerdings kann man die Medien nicht grundsätzlich verteufeln. Es ist nun einmal so, dass die Journalisten ihrer Norm entsprechen wollen und auch müssen, umfassend über ein Thema zu berichten. Und dazu gehören beide Seiten - im besten Falle wertfrei. Was der Leser dann daraus für Schlüsse zieht, ist seine Sache. Und das ist in den USA ganz offensichtlich schiefgegangen.

Der Knackpunkt ist: in Deutschland war von Anbeginn des Diskurses klar, dass der Klimawandel wissenschaftlich begründet werden kann, vielleicht noch nicht zu 100Prozent, aber allein die Bedrohung hat ausgereicht, um die Menschen aufzuwecken. In den USA wird jedoch schon die wissenschaftliche Grundlage überhaupt angezweifelt. Deswegen kommt man auch gar nicht dazu, den Klimawandel selbst zu diskutieren...
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