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Forschung!


© Dagmar Heene / WWF
5 – 4 – 3 – 2°Campus go - Dialog mit Prof. Mojib Latif


von Cosima
31.03.2015
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Ohne Protest gegen die Nachtruhe sind die 20 Teilnehmer/innen des 2°Campus am Sonntag abend ins Bett gefallen. Es war auch ein aufregender Tag:
13 Mädchen und 7 Jungs aus ganz Deutschland haben sich auf den Weg gemacht, um
dabei zu sein: BEIM 2°CAMPUS 2015

Wie das erste Kennenlernen abgelaufen ist und was über eine vorab COP hinter
verschlossenen Türen geflüstert wird, lest ihr hier.


Am Montag hat sich der Trupp dann auf ins WWF Büro gemacht, um dem Panda die Hand zu schütteln.
Der Vorstand vom WWF Deutschland Eberhard Brandes hat alle herzlich willkommen
geheißen und einige Erfolge des 2°Campus der letzten Jahre erwähnt, z.B. hat die
Gruppe Mobilität vom 2°Campus 2014 bei Jugend forscht den 1. Platz mit
Sonderauszeichnung gemacht und darf nun im Juni am Bundeswettbewerb teilnehmen.
Die Teilnehmer/innen des 2°Campus haben für Eberhard Brandes eine
Botschafterrolle, denn „was wir in Deutschland brauchen sind keine neuen
Strategie- oder Konzeptpapiere. Das haben wir zur Genüge. Was wir brauchen sind
konkrete Taten.“ Dabei haben junge, motivierte Menschen eine entscheidende Bedeutung.
Doch um zu wissen was man tun kann und muss, braucht man wissenschaftliches
Hintergrundwissen.

Deswegen ist auch in diesem Jahr wieder Prof. Dr. Mojib Latif vom GEOMAR aus Kiel angereist und hat den Jugendlichen einen Einstieg in die Thematik des
Klimawandels gegeben.


Motivierend und strahlend steigt Prof. Latif ein damit, dass er immer noch guten Mutes ist, auch wenn noch  nicht genug beim Klimaschutz passiert ist. Es ist wichtig nicht zu warten bis es zu spät ist. Aus gutem Grund:

„Wenn wir auf Vollgas drücken, bei einem Auto und dann auf die Bremse steigen,
ist der Bremsweg immer noch ziemlich lang. So verhält sich auch unser Klima, es
ist träge.“

Eine Aufgabe von ihm sieht er daran, richtige und sachliche Informationen
weiterzugeben, zu präsentieren und zu verbreiten. DENN: Wie er an einem
Beispiel zeigt, werden in den Medien oft Katastrophenszenarien beschrieben, die
übertreiben oder nicht mehr sachlich sind. Andererseits wird die
Klimawissenschaft angezweifelt. Es werden z.B. Romanautoren befragt, anstatt Fachexperten. Doch das ist, wie auch Prof. Latif betont, nicht wissenschaftlichen. In diesem Sinne ruft er auf zu hinterfragen.

Vor allem bei der Thematik Klimawandel gibt es unglaublich viel Falschinformationen im Internet und den Medien. Doch genau deswegen sei er heute hier. Er möchte jungen Leuten erzählen, was wirklich los ist in der Klimawissenschaften.

Bereits 1972 hat der Club of Rome in „Grenzen des Wachstums“ die Botschaft
gehabt, mit unserer Lebensweise schneiden wir uns ins eigenen Fleisch. Wir
beuten unsere eigene Lebensgrundlage aus. Das kann nicht mehr lange gut gehen.
Wir gehen schlecht mit unserem Planeten um, und damit auch mit uns selbst.

Das Klimaproblem ist hauptsächlich ein Energieproblem. Wir stoßen Treibhausgase aus und verändern unsere Atmosphäre. Doch die Natur hat uns keinen Sinn dafür mit geben, dass wir wahrnehmen könnten, wie sich die Atmosphäre verändert. Unsere Atmosphäre ist aber wichtig genau so wie sie ist. Zum Großteil besteht sie aus Stickstoff und Sauerstoff, nur einen sehr kleinen Teil machen die sogenannten Spurengase oder Treibhausgase aus. Aber auch wenn dieser Anteil unter einem Prozent liegt, sind sie es die es uns wohlig warm auf der Erde machen.

Ohne diesen Anteil an Spurengasen hätte es überall -18°C auf der Erde. Mit
ihnen haben wir eine Durchschnittstemperatur von 15 °C.  Dieser wenige Anteil von Treibhausgasen in der Atmosphäre macht also den Unterschied von 33°C aus.

Wir haben die höchste CO2 –Konzentration seit 800.000 Jahren.
Woher
die Klimawissenschaft das weiß?
Mit Bohrungen im Eis erhalten sie Eisbohrkerne, die Luftbläschen eingeschlossen
haben. Das sind wahre Klimaarchive. So kann die CO2- Konzentration
der letzten Jahrtausende erforscht werden. Den Zusammenhang zwischen CO2 und
der Temperatur wurde bereits vor 120 Jahren durch Svante Arrhenius
wissenschaftlich dokumentiert.
Heute geht die Klimawissenschaft davon aus, dass wenn sich die ursprüngliche CO2-
Konzentration von ca. 295 ppm (parts per million) verdoppelt, dass es zu
einer Erwärmung von 3°C kommt.
2011 waren wir bereits bei einem Wert von 392 ppm und eine Erwärmung von 0,8 °C kann heute schon gemessen werden.
Doch eine Erwärmung bedeutet nicht, dass es keine kalten Temperaturen mehr gibt. Prof. Latif erklärt das an einem schönen Beispiel: Wenn man einen Würfel zinkt, sodass
öfter die 6 vorkommt. Dann kommt diese tatsächlich häufiger vor, doch die
anderen Zahlen werden trotzdem noch gewürfelt.
Die Tendenz dass häufiger die 6 kommt, also es wärmer wird, ist aber da.

Manche Menschen behauptet die Messungen seien gefälscht. Dagegen zu setzten hat
die Klimawissenschaften andere Parameter, die man sich in der Natur anschauen
kann und bereits Veränderungen sehen kann.

Das Meereis der Arktis ist seit 1979 um 30% zurückgegangen. Das wurde durch
Satellitenbilder dokumentiert. Der Meeresspiegel steigt dadurch aber nicht an,
da das Eis ja bereits im Wasser ist. Einen Meeresspiegelanstieg gibt es nur
wenn Eis, welches sich auf dem Land befindet, schmilzt. Wie z.B. das
Grönlandeis. Wenn dieses komplett abschmelzen würde, gäbe es einen weltweiten
Anstieg des Meeresspiegels um 7m.
Auch hier ist bereits ein Anstieg von 20cm seit 1870 messbar. Derzeit nimmt der
Meeresspiegel ca. 3mm pro Jahr zu, doch auch dieser Anstieg wird sich noch
beschleunigen.
Doch die Veränderung des Meeresspiegels ist nicht die einzige, die sich in den
Meeren vollzieht. Die Emissionen, die wir ausstoßen gehen zu 50% in die Luft,
zu 25% nehmen es die Pflanzen auf und zu 25% gehen sie in die Ozeane. Wie viele
von euch in der Schule wohl schon gelernt haben: CO2 + H2O
reagiert zu H2CO3. In Worten: Kohlenstoffdioxid und
Wasser reagieren zu Kohlensäure. Unsere Ozeane sind basisch, das heißt sie haben einen höheren pH-Wert. Durch die viele Kohlensäure, die sich bildet werden sie allerdings saurer, also weniger basisch. Das ist für das gesamte Ökosystem Ozean sehr schwerwiegend, da vor allem viele Korallen und Algen extrem empfindlich auf den pH-Wert reagieren und schon bei kleinen Veränderungen nicht mehr lebensfähig sind. Auch hier gibt es regionale Unterschiede, denn kaltes Wasser löst Gase besser und daher sinkt
der pH-Wert dort stärker.

Die vom Menschen herbeigeführten Veränderungen auf der Erde und am Klima sind nicht mehr zu leugnen!
Doch nun stellt sich die Frage: In was für einer Welt wollen wir leben?

In der Klimawissenschaft kann man durch Szenarien verschiedene „Zukünfte“
durchrechnen.

Fall 1: Wir ändern nichts und machen genauso weiter wie bisher. Auch bekannt
als „Buissnes-as-usual“. Dann würde sich die Erde um bis zu 6° erwärmen. Die
Auswirkungen wären gigantisch und irreversibel. Auf der einen Seite
Trockenheit, Hitze, Dürre und auf der anderen Seite Überschwemmungen, Tornados,
Hurrikans. Das Gleichgewicht des Erdökosystems wäre komplett aus der Waage
gebracht.

Wollen wir das?

Doch es gibt auch noch …

 

Fall 2: Wir betreiben ambitionierten Klimaschutz und tun alles, um unsere
Emissionen zu reduzieren. So könnten wir die Erwärmung der Erde unter 2°C
halten und die Schäden um ein Vielfaches abhalten.

Die Botschaft: Wenn wir es wollen, ist es möglich unter 2°C zu bleiben!

Wo stehen wir beim Klimaschutz?
Prof. Latif sagt ganz klar, trotz vieler Bemühungen: Es gibt keinen weltweiten
Klimaschutz und bei den Verhandlungen kommt weit weniger raus, als es könnte.
Angela Merkel hat 2007 nach dem Wirtschaftsgipfel zur Presse gesagt: Wir
erwägen es ernsthaft, die Emissionen bis zur Mitte des Jahrhundert, um die
Hälfte zu reduzieren. Daraufhin wurde sie zur Klimakanzlerin ernannt.
Wir sollen uns vorstellen, wir würden zu unseren Lehrern sagen, wir erwägen
ernsthaft unsere Hausaufgaben zu machen. Ein verbitterter Lacher geht durch die
Runde..

Momentan wird oft mit dem Finger auf China gezeigt, dass sie die größten
Emittenten sind. Und Ja, das stimmt. Doch hier muss das Schlagwort Graue
Emissionen fallen. Denn China produziert zum größten Teil für andere Länder.
Ihnen werden aber die Emissionen für die Produktion dafür angerechnet. Außerdem gibt es auch eine historische Verantwortung, denn CO2   bleibt 100 Jahre in der Atmosphäre. Die Anteile der Emissionen in der Atmosphäre verteilen sich zu 25% auf die USA und  zu 25% auf Europa. China dagegen hat momentan nur einen Anteil von 10%.

Der Klimawandel ist jedoch eine globale Sache. JEDER muss etwas tun. Da hilft
es nicht, sich Schuldzuweisungen zu zuschieben.

Prof. Latif gibt uns einen Hoffnungsschimmer mit auf den Weg, denn 2014 sind
laut Schätzungen, zum ersten Mal trotz Wirtschaftswachstum, die Emissionen
stagniert. Er betont auch sehr, dass es nicht um eine Verzichtsdebatte geht, sondern um
einen Gewinn an Lebensqualität. Wir müssen nicht verzichten, wir müssen in Kreisläufen
denken.

Prof. Latif schließt mit dem gleichen Zitat von Albert Einstein wie immer:
„Die gewaltigen Probleme unserer Zeit können nicht mit derselben Denkart gelöst
werden, welche jene Probleme hervorgebracht hat.“

Ein Motivationsschub zum Abschluss für die Teilnehmer des 2°Campus. Denn junge Menschen haben gute, kreative Idee und sind voller Energie, diese auch
umzusetzen.

Durch deine tollen Vergleiche und Sprachbilder schafft es Prof. Latif jedes Jahr aufs Neue die Teilnehmer/innen des 2°Campus zu motivieren und ihnen die komplexe Thematik verständlich und mit viel Witz zu erklären.
Das finden auch die Teilnehmer:
"Er ist uns auf Augenhöhe begegnet und hat alle unsere Fragen gut beantwortet" -Sophie

"Ich finde es faszinierend, was für eine Fähigkeit Prof. Latif hat Menschen mitzureißen. Ich hab mich total inspiriert gefühlt."
- Marie

"Seine Art und Weise alles anschaulich,verständlich und  im Zusammenhang darzustellen, ist sehr besonders."
- Erik

Wir steigen auf die Bremse, um einen anderen Weg einzuschlagen.

***  Der 2°Campus startet durch. Bleibt auf dem Laufenden. In der Community wird es
Berichte, Interviews und ganz persönliche Geschichte geben.  ***

 

 Fotos  © A. Morascher/WWF 

 

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
10.04.2015
Ivonne hat geschrieben:
Danke für deine tolle Zusammenfassung von Herrn Latifs Vortrag! Die Bilder, die er findet, um Dinge zu erklären, sind wirklich einmalig!
05.04.2015
Sunlight hat geschrieben:
Ich kann mich nur anschließen: toller Bericht! Auch wenn es mir ähnlich ging wie Anja (es ist einfach traurig, wie wenig seit seinem ersten Vortrag bei uns vor drei Jahren passiert ist), ist es toll, noch mal diese inspirierenden und mutmachenden Worte von ihm als Experten vor Augen geführt zu bekommen! :)
01.04.2015
regentag hat geschrieben:
Flashback :) Es ist toll, dass Prof. Latif sich so um die nächste Generation bemüht. Aber irgendwie auch mal wieder frustrierend zu sehen, dass sich seit seinem ersten Vortrag beim 2°Campus immer noch nichts verändert hat...
Schöner und informativer Bericht auf jeden Fall!
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