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© Dagmar Heene / WWF
2°Campus – „Wir brauchen einen Umbruch und zwar jetzt!“ (Teil 3/3)


von MarcelB
31.10.2013
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Kurzer Rückblick, wir befinden uns mitten in den Vorbereitungen zur Abschlussveranstaltung. Gestern Mittag sind die ehemaligen Teilnehmer des 2°Campus (Alumni) angekommen. Währenddessen sich ihre „Nachfolger“ für die Abschlussveranstaltung vorbereiten müssen, erwartet die Alumni einen Tag mit spannenden Vorträgen. Ins Wannsee Forum wurden Sowohl Michael Müller, ehemaliger Staatssekretär des BMU – als auch Huy Tran von der European Climate Foundation (kurz: ECF) eingeladen.

Als ich dazu komme findet noch eine Gruppenrunde statt, in dem jeder vorstellt, wie er die Zeit nach der Schülerakademie verbracht hat. Praktika? Studium? Kam der 2° Campus bei Freunden oder Mitschülern gut an? Ein Projekt wurde nochmals besonders betont, Simon konnte an seiner Schule einen Veggie-day durchsetzen über das er in der Gruppe berichtet hat. Hier nochmal zum nachlesen.

Gemeinsam besprechen die Jugendlichen auch, wie sie weiterhin verbleiben wollen. Soll es jährliche Treffen mit den aktuellen Teilnehmern geben. Wie wird sich vernetzt? Und inwieweit spielt die WWF Jugend da eine entscheidende Rolle. 

Noch bevor die Runde vorbei ist, kommt Michael Müller. Freundlich wird er begrüßt und lauscht noch höflich den Worten der Jugendlichen bis zum Ende zu. Dann beginnt sein Vortrag. Unter dem Motto „Klimaschutz in Deutschland – Perspektiven nach der Wahl“ will er uns etwas Geschichtliches zum Klimaschutz in Deutschland und seiner Zeit als BMU-Staatssekretär erzählen. 

Müller beginnt mit einem philosophischen Exkurs. Anhand von vielen Zitaten kommt er letztendlich zum Modell des „angelus novus“, der „das andere im Menschen“ charakterisiert. Bereits in der frühen Moderne wurde das negative im Menschen beschrieben. Der Mensch sieht sich demnach über der Natur und identifiziert sich über sein erworbenes Wissen. Wissen bedeutet Macht, daher sieht sich die Natur oft auf der Folterbank und muss unter den Experimenten der Menschheit leiden.

Erstmal möchte Müller wissen, wie wir den Begriff Umwelt definieren? Den Begriff an sich mag er nicht. Lieber sollten wir die Natur als unsere Mitwelt bezeichnen, denn den Begriff Umwelt versteht Müller als eine „Herr und Meister“ Beziehung. 

Das Problem unserer Gesellschaft ist in seinen Augen, dass wie immer schneller, höher und weiter wollen. Nie ist die Rede von Begrenzung oder Knappheit. Man könne nicht alle Probleme technisch lösen. In weiten Teilen der Bevölkerung fehlt auch einfach noch das nötige Umdenken. 

Ein weiteres „no-go“ ist für Müller der Zertifikathandel. Wirtschaftliche Instrumente lassen sich nicht auf die Ökologie übertragen, predigt er. Wir brauchen einen generellen gesellschaftlichen Wandel und dürfen uns nicht weiter in einem solchen Systemdenken festfahren. An die Jugendlichen appelliert er ebenfalls: „Wir brauchen einen Umbruch und zwar jetzt!“.

Viele Probleme, wie auch der Klimawandel, haben einen langen Vorlauf. Bereits zu seiner Zeit, war der Klimawandel ein wichtiges und zentrales Thema. Trotzdem wird von vielen, bis heute, die Bedrohung nicht ernst genommen und ein entschlossenes Handeln dadurch blockiert. Gerade die IPCC Berichte versichern uns, dass ein aktives Handeln jetzt uns deutlich besser und billiger kommt. 

Die Denkweisen der politischen Handlungsträgern und auch der Gesellschaft sind einfach überholt, aus seiner Sicht. Hierbei präsentiert er der Gruppe noch ein tolles Zitat von Einstein: "Unser Umgang mit der Natur verändert einfach alles(!)…. außer das Denken der Menschen." Die Gruppe nickt und stimmt ihm einstimmig zu.

Auch sich selbst sieht er in der Pflicht. Viele seiner Kollegen haben die Tragweite des Klimawandels nicht verstanden. Zudem ist auch die Kommunikationsarbeit der Wissenschaft oft suboptimal, aus seiner Sicht. Niemand ist fähig die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf eine soziale, gesellschaftliche und vor allem politische Ebene zusammenzutragen, damit die Tragweite dieses Problems von allen verstanden wird. Dass sich zu oft bei Detailfragen – besonders bei der Wissenschaft - aufgehalten wird, findet er sehr schade.

Das war der Weckruf für die Nachwuchsforscher des 2°Campus. Die Finger zeigen nur so nach oben und Herr Müller wird eine kritische Rückfrage nach der anderen gestellt. Am Ende der Diskussion komme alle zum Schluss, dass sich Wirtschaftswachstum und Klimaschutz nicht vereinbaren lassen und gerade die Jugendlichen von heute das Ruder in die Hand nehmen müssen.

 

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Nach einem Gruppenfoto, Mittagessen (vegetarischer Lasagne) und einem kleinen Duell am Kicker ging es in den zweiten Vortrag. Herzlichst begrüßten wir Huy Tran von der European Climate Foundation (ECF). Er hat Politik in Berlin, Marburg und Ashland (Amerika) studiert. Nachdem er erst als Investmentbanker in Vietnam und ein paar anderen Stationen gearbeitet hat, begann er als Quereinsteiger bei der ECF. Heute leitet er die deutschen Projekte der ECF.

Tran stellt zuerst die Arbeit der ECF vor. Deutschland spielt in der ECF-Strategie eine wichtige Rolle. Als größter EU-Mitgliedstaat, und seit langem eines der klimapolitisch fortschrittlichsten Länder, kann Deutschland eine zentrale Rolle spielen, um Europa auf einen klimafreundlichen Weg zu bringen. 

Eine zentrale Rolle spielen hier die Ziele der EU bis 2020 die THG um 20% zu reduzieren, 20% mehr EE und 20% mehr Energieeffizienz zu schaffen. Die ECF hat bewiesen, dass sogar optimistischere Ziele realisiert werden könnten, allen voran in Deutschland: 50% weniger THG, 40% mehr EE und 30% mehr Effizienz wären möglich. Rein ökonomisch betrachtet hätte der Wandel für Deutschland enorme Vorteile. Technisch sei die Energiewende auch möglich. Wir müssen nur den Ausbau des Stromnetzes fördern. Auf europäischer Ebene müssen wir den Emissionshandel wieder in Gang bringen und weltweit das Kyoto-Protokoll verlängern.

Die normale Herangehensweise und Hierarchie „global-EU-national“ ist im Klimaschutz überholt, sagt Tran. Wir müssen das Konzept einmal umdrehen und bei uns in Deutschland anfangen die Energiewende voranbringen. Wenn sie klappt, wird das Rückkopplungseffekte auf die EU und letztendlich auch auf alle anderen Länder weltweit haben. Der Ansatz sich auf globale Reduktionsziele zu verlassen, zeigte bisher keinen Erfolg. 

Bilder © Arnold Morascher

Teil 1: "Wenn es hier klappt, klappt es überall"

Teil 2: Was für ein Theater

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Kommentare (2)
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Sortieren nach Aktualität:
01.11.2013
regentag hat geschrieben:
Nice one :D
31.10.2013
Sunlight hat geschrieben:
Schön zusammengefasst, Marcel :) So kann man die Vorträge noch mal super Revue passieren lassen!
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