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Forschung!


© Dagmar Heene / WWF
2°Campus - Was für ein Theater (Teil 2/3)


von MarcelB
23.10.2013
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Tags: Abschluss
Ein Jahr Forschung haben die diesjährigen 2°Campus Teilnehmer nun vollendet. Auf ihrer letzten Station wollen sie nun der Öffentlichkeit ihre Ergebnisse präsentieren. Dieses Jahr auf eine etwas andere Art und Weise, nämlich spielerisch in Form einer Theateraufführung.  Unruhe und Nervosität machten sich breit bis Ulrike Finck, die Moderatorin der Veranstaltung, endlich den großen Auftritt ankündigt. Schnell schlüpft jeder in seine Rolle und die Gruppe geht geschlossen hinter die Bühne um sich vorzubereiten.


Entschlossen und mit einem Pokerface kommen alle in ihren Gruppen wieder rein. Es wird eine laute und feurige Einleitung gehalten, die alle wachrüttelt und für Stimmung sorgt. Anschließend stellt Lukas sich als Moderator der Theateraufführung vor. Zum warm werden, fängt er einen Satz an und erteilt nacheinander unterschiedlichen Personen – per Fingerzeichen – das Wort, die seinen Satz weitererzählen soll. Wie im Improtheater sagt jeder das erste was ihm einfällt und es kommen so einige lustige Sätze zustande. Das Publikum lacht und das Eis ist gebrochen. In Runde 2 wird es sogar noch ein wenig anspruchsvoller, keiner der Teilnehmer darf das Wort „und“ verwenden. Aus den Köpfen der Jugendlichen qualmt es, bis Cosima unbewusst dann doch ein „und“ rausrutscht und die Runde beendet wird.

Nun dürfen sich alle nochmal kurz hinsetzen und durchschnaufen. Die Bühne wird pantomimisch in einen Supermarkt umgebaut und Lukas ruft die erste Gruppe nach vorne.


Gruppe Ernährung

Zwei Mädels betreten die Bühne. Schnell haut Paola raus: „Voll cool, alter, dass meine Eltern am Wochenende nicht da sind. Dann können wir uns mal richtig was gönnen! Was brauchen wir denn alles?“. Schnell wird klar, sie brauchen Fleisch und das am besten in allen Variationen: Schwein, Rind oder Thunfisch. Fix kommen ne Pizza Salami, ne Pferd….ähh… Fertiglasagne und die Billigerdbeeren aus Spanien in den Einkaufskorb. Es wird klar: Auf dem Öko Trip sind die nicht!

Ihnen gegenüber betritt ein junges Pärchen die Bühne, die eher alternativ und umweltbewusst auftreten. Sie kaufen vegetarisch und Obst aus der Region. Über die gekaufte Gemüselasagne werden sie mit „Ihhh, ihr Ökos“ beschimpft. Dass man als Öko nicht immer nur einstecken muss, beweisen die beiden mit einem abgewandelten Zitat aus Goethes Erlkönig:

 

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? …. (Pause) …. Es ist die Lasange, sie tarnt sich als Rind!!!“

Es kommt zum Showdown. An der Kasse erhalten beide den Stempel in Form eines Pappe-Co2-Fussabruckes. Bei der Mädelsgruppe ist dieser viel größer als bei dem Öko - Pärchen. Die Mädels zeigen sich unbeeindruckt und denken „größer ist doch immer besser“ und werden von der Kassiererin eines besseren belehrt.

 

Gruppe Mobilität

Nico und Stefan betreten die Bühne. Stefan im Hausmeister-Outfit wischt zügig den neu eingeräumten Tisch sauber. In großen Schritten betritt Nico im Anzug die Bühne und erklärt, dass er heute über die Möglichkeit der umweltgerechten Mobilität vortragen wird.
In kompliziertem Kauderwelsch versucht er die Technik hinter dem batteriebetriebenen Auto zu erklären. Das hörte sich etwa so an: „Die Kathode und die Anode bestehen jeweils aus einem Graphgitter. In der Mitte befindet sich der Separator, in dem der ionisierte Elektrolyt, welcher Anionen und Lithium-Kationen enthält, eingelagert ist!“

Schnell unterbricht Stefan: „Herr Professor, ich habe da ein besonderes Bild dafür! Es gibt eine rechte und eine linke Seite und in der Mitte ist eine Mauer. So wie Osten und Westen und die Mauer!“ Schnell wird klar worauf die beiden hinaus wollen. Am Beispiel der Mauer in Deutschland versucht Hausmeister Stefan die komplizierten Worte devon Professor Nico allgemeinverständlich zu „übersetzen.“

Dem Professor scheinen anfänglich die leichten Vergleiche zu stören. Gnadenlos zieht er weiter mit dem Stoff durch: „Beim Laden des Akkumulators wandern die Elektronen durch den Energieversorger in die Kathode. Dadurch wird diese negativ geladen, weshalb die Anionen in die Anode und die Lithium-Ionen in' die Kathode wandern.“ Daraufhin Stefans Übersetzung: „Die Lithium-Ionen sind die Grenzsoldaten und die Elektronen sind die Flüchtlinge, die nicht durch die Mauer laufen können und deshalb um sie herumlaufen. Die Grenzwächter verfolgen die Flüchtlinge.“

Nach und nach lässt sich der Professor auf die Spielchen des Hausmeisters ein. Er versucht ihn mit den schwersten technischen Zusammenhängen aus dem Konzept zu bringen. Es gelingt ihm jedoch nicht. Beide präsentieren ein ernsthaftes Thema. Die Kommunikation zwischen Wissenschaft/ Technik und der Gesamtbevölkerung funktioniert oft nicht transparent genug und davon sind besonders ökologische Themen betroffen.

 

Gruppe Energie

Abwechslung pur. Lyrisch geht es mit der Gruppe Energie weiter. Birthe präsentiert in Gedichtform den Herstellungsprozess der organischen Solarzelle:

Man braucht Titandioxid in weiß,
das macht man schnell im Ofen heiß,
damit es auf dem Glas auch hält
und nicht vorm Färben runterfällt.
(…)
Auf die zwei Platten in der Mitte
tropft man mit Handschuh und Pipette
ein wenig kalium-Iod-Jodid,
das ist dann das Elektrolyt.

Auch alle anderen Gruppenteilnehmer tragen einen tollen Aufsatz vor. Charlotte erzählt aus ihrem Leben als Forscherin und wie sie an einem einfachen Tag aus „Reinigungsmittel und Rotkohl, dann noch Kaffee und [ihren] Filzstifte[n]“ und mit „ein bisschen Messer hier, eine Klemme da, so wie es eben passt“ ihre eigene organische Solarzelle zusammenbastelt. Dann geht’s ab ins Grüne. Zwischen den Wolken taucht die Sonne -und damit der Strom- auf: „Jetzt nur noch Luft anhalten und...... ,,Akku wird geladen blinkt auf dem Bildschirm auf. ,,Unglaublich´´, denke ich und halte stolz mein Gesicht in die Sonne.“

Zum Ende fassen Lars und Patrick die Botschaft nochmal zusammen. Beide stellen fest, dass „unsere Zivilisation einen eindeutigen Schritt nach vorne gemacht hat. Die organische Solarzelle gibt uns eine Fülle an Freiheit und Unabhängigkeit, die ihres gleichen in unserer Geschichte sucht.“ Weiterhin: „Durch diese neue und einfache Möglichkeit der nachhaltigen Energiegewinnung kann unser wirtschaftliches Wachstum mit unserer Verantwortung gegenüber der Erde und zukünftigen Generationen vereint werden.“

Für dieses Schlussstatement und ihre hervorragende philosophische Arbeit erhält die Gruppe dicken Applaus.

 

Gruppe Gebäude

Die letzte Gruppe startet. Wir befinden uns in der Schule und zu allem Übel ist auch noch Klassenarbeit angesagt… Alle sind genervt und frieren, denn in der Schule ist es kalt und die Arbeit ist mal wieder viel zu schwer. Kira hat eine Frage, doch was ist dann??? Die Lehrerin (gespielt von Ivonne) bewegt sich nicht mehr! Ist sie tot, schreit eine völlig erschrocken??? „Nein“ antwortet Tristan „Nur eingefroren. Halten sich Leute ohne Bewegung in einem geschlossenen Raum für eine Zeit von über 45 Minuten unter 285 Kelvin auf, dann kann es zur akuten Erstarrung kommen.“

Schnell spielen die Schüler mit den Armen der Lehrerin rum. Da das auf Dauer allerdings langweilig wird, versuchen sie dann doch ihre geliebte Lehrerin aufzutauen, nur wie? Einer schlägt vor: „Als fundierte Grundlage vor jeder Evaluation brauchen wir eine natürliche Zahl N größer Null - sei N die Menge aller Daten – die wie erheben müssen.“ 

 

Alia die im Religionsunterricht gut aufgepasst hat, verlässt sich lieber auf die Bibel. Gemeinsam begibt sich die Gruppe auf die Suche durch Publikum, um die Baupläne der Schule zu finden. Einmal durchstöbert erklären sie uns, wie Wärmerückgewinnungssysteme mittels speichernder Steine funktionieren. Da der Bau aber für die Show zu lange brauchen würde versuchen sie es klassisch mit einem Song und ein bisschen Bewegung. Auch der Refrain hat eine klare Botschaft fürs Publikum:


„Photovoltaik und Dämmung, Wärmerückgewinnung wär nicht schlecht,
3-fach verglaste Fenster sind der Hit, und ne schlaue Heizung erst recht.“

 

Der Song sowie die coole Performance kommen bei allen Gästen super an und erntet langen Applaus. Die ausführlichen Forschungsergebnisse findet ihr übrigens HIER.

 

******************

Zwischen jeder Gruppe durfte das Publikum mit seinen Nachbarn über die Auftritte diskutieren und Punkte vergeben. Es konnten maximal 10 Punkte von jeder Gruppe vergeben werden. Die Punkte wurden schriftlich festgehalten und am Ende zusammengezählt.

 

And the winner is…? Lukas Assistentinnen bringen den Umschlag mit den amtlichen Endergebnissen. Plötzlich kehrt Ruhe ein. Langsaaaam macht Lukas den Umschlag auf, alle sind gespannt. And the winner is……… (Lukas holt tieeef Luft) ….die Gruppe Gebäude!!!

Tosender Applaus macht sich im Publikum breit und auch die anderen 2°Campus Gruppen applaudieren und jubeln fair mit. Die genauen Punktzahlen: Ernährung (78), Mobilität (67), Energie (76) und Gebäude (105).


Nachdem die Gruppe auf die Bühne gebeten wird, wird schnell deutlich wie kollegial die diesjährige 2°Campus Truppe ist. Ihren „Sieg“ will die Gruppe Gebäude mit allen anderen Teilnehmern teilen, denn alle haben dieses Jahr viel gelernt, geschafft und tolle Ergebnisse hervorgebracht. Am Ende wäre niemand ohne den anderen so richtig weitergekommen.

 

Aufgrund der heutigen Abstimmungsergebnisse sieht sich niemand als besser an, sondern alle feiern fröhlich das grandiose Ende ihres Forschungsjahres. Als Belohnung gabs für jeden aus der Gewinnergruppe eine Tafel Schokolade – natürlich fairtrade! ;-)


Zum Abschied wurde es nochmal richtig emotional. Die Teilnehmer haben ein Überraschungs-Dankeschön-Video für die Betreuer und Teamer gemacht. Nun realisieren alle, dass es nun tatsächlich vorbei ist. Auch die Teamer und Betreuer zeigen sich sichtlich überwältigt und verdrücken die eine oder andere Träne.

Aber was ein Ende hat, hat auch einen Anfang. Denn über das Alumninetzwerk werden sich bestimmt alle wiedersehen und im nächsten Jahr weiterhin an spannenden und neuen Projekten mitarbeiten. 

Seht auch den neuen Comicfim 2°Man und 2°Woman!

Bilder © Marcel Brüssow

Teil 1: "Wenn es hier klappt, klappt es überall"

Teil 3: Wir brauchen einen Umbruch und zwar jetzt"

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Kommentare (7)
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Sortieren nach Aktualität:
11.11.2013
SimonL hat geschrieben:
Echt gut, da hat man die Theaterstücke gleich wieder vor Augen ;)
25.10.2013
Sunlight hat geschrieben:
Richtig schöner Bericht, Marcel :) Da kommen gleich wieder die schönen Erinnerungen an letztes Wochenende hoch... ;)
24.10.2013
midori hat geschrieben:
Super toller Artikel! Ich bin jedesmal ganz traurig, dass ich zu alt bin für den 2°Campus ;o)
24.10.2013
Ivonne hat geschrieben:
Wir sind dran! Es gibt bei der ppp der Energie- und Gebäudegruppe noch ein, zwei technische Details zu klären...bitte habt noch ein wenig Geduld. :-)
24.10.2013
MarcelB hat geschrieben:
Ich weiß, Sina. Wollte die Ergebnisse für jede Gruppe einzeln verlinken... da es aber noch technische Probleme gibt, hab ich einen Sammellink zur Seite gemacht.
Hab das auch schon zur Technik weitegegeben! ;)

Zum Thema Veggie-Day an Schulen gibts nochmal was im nächsten Artikel! :)
23.10.2013
Madamsel hat geschrieben:
Danke für den Bericht! Ich wollte mir gerade die Forschungsergebnisse ansehen, konnte jedoch nicht auf die Ausführlichen Ergebnisse der Forschungsteams Gebäude und Energie klicken (auf dieser Seite: http://www.wwf-jugend.de/durchstarten/2-grad-campus/Ergebnisse).
Spinnt mein Computer oder ist da etwas mit dem URL schiefgelaufen?

Spitze finde ich übrigens, dass die Gruppe Ernährung größere Aktionen an ihren Schulen durchgeführt hat, wie Veggie-Tage o.ä. Hattet ihre damit dauerhaften Erfolg?
23.10.2013
regentag hat geschrieben:
Toller Bericht Marcel!! :)
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