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Forschung!


© Dagmar Heene / WWF
2°Campus - Ernährungsgruppe - Forschungsbericht


von laura-therese
27.07.2012
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 Was für eine Woche in Berlin!

So vielfältig wie die Stadt waren auch die Meinungen, mit denen wir hier konfrontiert wurden. Unsere Forschungsfrage war: Wie beeinflussen Landumnutzungen den Ausstoß klimarelevanter Gase?

Unsere Erfahrungen überstiegen diese Fragestellung bei weitem und beinhalteten regionale, wie globale Aspekte und Probleme rund um das Thema „Landwirtschaft und Ernährung“.Nachdem wir am ersten Tag einen Öko-Bauernhof, die Domäne Dahlem, besucht haben, konnten wir die Verhältnisse dort super mit dem konventionellen Betrieb vergleichen, den wir am darauffolgenden Tag besichtigten. Die Produktivität war natürlich höher auf einem konventionellen Agrarbetrieb, zudem war der Platz optimal ausgenutzt. Aber die Investitionen, die der normale Bauer hat, um nur eine Ernte einzuholen, sind bei weitem größer als die beim ökologischen Anbau. Zudem hat der Bio-Betrieb auch einen kulturellen Wert und hilft bei der Umweltbildung der Schulen in der Umgebung.Des Weiteren haben wir ein Beispiel vorgestellt bekommen, bei dem der Sauerkirschenanbau zeigt wie der Klimawandel die Landwirtschaft im Allgemeinen risikoreicher machen kann. Durch die immer frühere Blüte der Sauerkirschen, ist Frost häufiger, der die gesamte Ernte schon im Voraus vernichtet. Der Klimawandel kann aber auch Vorteile für einige Erdregionen bringen, da die Vegetationsphasen der Nutzpflanzen sich verlängern.Wir hatten Mitte der Woche auch die einmalige Gelegenheit einer Verteidigung bei zu wohnen, bei der zwei Studenten ihr Studienprojekt über Landumnutzungen in Brasilien vorstellten. Dort wird immer mehr Land von Weiden in Zuckerrohrfelder umgewandelt, da durch den Bedarf an Bioethanol die Nachfrage nach Zucker gestiegen ist. Weiter nördlich in Brasilien werden jedoch dann natürliche Flächen wiederum als Weiden genutzt, da der Absatzmarkt für Fleisch konstant gut ist. Somit ist die Entscheidung für „Bio-Sprit“ am Ende schädlich für die Natur in Brasilien. Vor Allem haben wir viel mit unseren Mentoren und unserem anleitendem Professor diskutiert, wie man die Ernährungssituation verbessern kann und gleichzeitig die Umwelt schont.

Einig waren wir uns schlussendlich, dass die Produktivität auf den vorhandenen Agrar-Flächen gesteigert werden muss, allerdings ohne immer auf Gen-Sorten zurückzugreifen, da die einseitigen Pestizide Toleranzen in den Unkräutern fördern. Wir bevorzugen besonders für die unterentwickelten Länder mit dem größten Hungerproblem eine klein parzellige, an die Region angepasste Wirtschaft. Langfristig muss die Produktivität in diesen Ländern auch gesteigert werden, wobei der Aspekt der Nachhaltigkeit hier eine wichtige Rolle spielen sollte. Von den Regierungen erhoffen wir uns mehr Reglements für die Nutzung der privaten Flächen, sodass auf etwa 10% die Biodiversität sich frei entfalten kann. Zusätzlich sollten Naturreservate geschaffen werden, um für kommende Generationen unsere Erde in ihrer natürlichen Schönheit zu erhalten. Bisher hat die Biodiversität noch keinen ökonomischen Wert zugewiesen bekommen, wir gehen aber davon aus, dass dies noch geschehen wird, deshalb wollen wir nicht, dass diese in Agrar-Ökonomischen-Modellen zu kurz kommt. Um all diese ökologischen Wünsche zu erfüllen, muss die Produktivität durch viele Investitionen in die Forschung erhöht werden.

Der Konsument muss auf der einen Seite durch den richtigen Kauf von fair und ökologisch angebauten Produkten diese Art der Landwirtschaft fördern, auf der anderen Seite muss er seinen Konsum von tierischen Produkten stark reduzieren.

Wichtig ist abschließend auch, dass der Konsument und der Produzent stark an den Nach-Ernteverlusten arbeiten, das bedeutet, dass sie weniger wegwerfen.

Unser Fazit ist ein Kompromiss aus Produktivität und Effizienz mit Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit. Für 2050 wünschen wir uns eine Naturlandschaft mit nachhaltiger, hocheffizienter Landwirtschaft und reicher Biodiversität. Wir halten unser Ziel für erreichbar.

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Kommentare (4)
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28.07.2012
regentag hat geschrieben:
@Killari: Du hast insofern Recht, dass unsere jetzigen Flächen reichen würden, um die Weltbevölkerung von aktuell 7 Mrd. Menschen zu versorgen - ABER 2050 werden schon um die 10 Mrd. Menschen diese Erde bevölkern! Und für diese Menschenmasse reicht unsere Produktivität nicht - auch dann nicht, wenn wir ausnahmslos alle Lebensmittelverluste beseitigen und eine bestimmte Kalorienration pro Kopf festlegen könnten. Also muss eine Produktivitätserhöhung her. Natürlich klingt das zunächst unvereinbar mit Arten- und Klimaschutz, aber genau darin besteht ja die Herausforderung. Man muss einen Kompromiss finden und den bestmöglichen Weg gehen. Deshalb sind wir im 2°Campus und deshalb fordern wir mehr Investitionen in die Erforschung der nachhaltigen Landwirtschaft.
@laura: Schöner Bericht :)
28.07.2012
laura-therese hat geschrieben:
Ja alle haben verschiedene Meinungen, wie man Probleme löst. Das ist eben unser Ansatz. Bewirb dich doch auch für den 2°Campus, nächstes Jahr startet er wieder =)
27.07.2012
Anais hat geschrieben:
@Killari: Du hast Recht, es ist definitiv ein sehr komplexes Problem, für das es bisher keine eindeutige Lösung gibt. Zur Zeit gehen ca. 30-50% der Ernte verloren, die sich mit den richtigen Stellschrauben (wie Kühlungsketten in den Entwicklungsländern, etc.) besser an den Markt bringen ließe und außerdem liegt in den Industrieländern, wie beispielsweise Deutschland der tägliche Konsum im Durchschnitt bei ca. 3400, obwohl der empfohlene Tagesbedarf ca. bei 2500 liegt. Aus rein gesundheitlichen Gründen wäre es also vorteilhaft den Konsum zu reduzieren - aber eben auch a) fürs Klima und b) um mehr Menschen ernähren zu können. Fakt 1: die Umverteilung findet nicht statt. Fakt 2: es werden immer mehr Menschen und im Jahr 2050 werden statt 9 Mrd, wie zuvor angenommen, schätzungsweise 10 Mrd Menschen auf der Erde leben. Um eine Ernährungsgrundlage zu ermöglichen ist also definitiv eine Produktionssteigerung nötig - um den Planeten zu schützen muss dies möglichst nachhaltig geschehen. Beides zusammen ist zwar sehr schwierig umsetzbar, aber eine bessere Umverteilung reicht bei weitem nicht aus, auch wenn das ein wichtiger Bestandteil ist.
Wir haben hier nicht alle Aspekte aufgeführt, da es einfach viel zu viele sind, aber es gibt sehr viele Studien zu diesem Thema, wenn du dich gerne ausführlicher damit auseinander setzten möchtest. Um Beispiele zu nennen: "Fleisch frisst Land" und "Tonnen für die Tonne" und natürlich viele mehr ;-)
27.07.2012
Killari hat geschrieben:
Interessanter Artikel. Ich muss ehrlich sagen, dass euer Ziel der "Naturlandschaft mit nachhaltiger, hocheffizienter Landwirtschaft und reicher Biodiversität" für mich irgendwie paradox klingt. Vielleicht bin ich gerade auch einfach zu müde, um mir ein richtiges Urteil zu bilden, aber Nachhaltigkeit, Biodiversität und hohe Effizienz scheinen mir unvereinbar zu sein. Außerdem frage ich mich, ob wir die höhere Produktivität überhaupt brauchen. Ich habe mich wenig mit dem Thema beschäftigt, meine mich aber zu erinnern, dass Fettleibigkeit und Übergewicht sich bald zu einem schwereren Problem als Unterernährung entwickeln und man in naher Zukunft mit dem Essen, was von Menschen in unseren Kulturkreisen übermäßig konsumiert wird, eine Milliarde Menschen ernähren könnte (bzw. das ist mein Rückschluss daraus, dass wir bald Essensmengen wie für eine Milliarde Menschen produzieren müssten, wenn die reicheren Länder nicht ihre Ernährunggewohnheiten ändern). Wenn man da noch die Massen an Nahrungsmitteln hinzurechnet, die aus verschiedensten Gründen weggeschmissen werden, halte ich Umverteilung für eine bessere Lösung als gesteigerte Produktivität.
Aber wie gesagt, das Thema ist viel zu komplex, um sich auf die Schnelle eine Meinung zu bilden. Toller Artikel und tolles Forschungsprojekt auf jeden Fall.
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