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© Dagmar Heene / WWF
2°Campus – Besuch bei den „Culinary misfits“ in Berlin


von Tamina
28.05.2014
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Keiner will es sein – ein Außenseiter. Ein Individuum, das gegen den Strom schwimmt. Das schief angesehen wird und vielleicht sogar noch darunter leidet. Das aussortiert wird, weil es nicht in das „Schema F“ reinpasst… Doch genau das unterstützten wir jedes Mal beim Einkauf im konventionellen Supermarkt. Wir fördern perfektes und vergessen, was die Natur eigentlich vorgesehen hat. Individuen.

Doch damit ist jetzt Schluss! Kim, Alessia, Kathrin und Eva konnten am Montag in Berlin Zeugen sein, dass Krummes und Schiefes ab jetzt absolut modisch ist. Sie durften während des ersten Blocks des 2°Campus die „Culinary misfits“ in Berlin-Kreuzberg besuchen und sich das neue Konzept von kulinarischem Design mal ganz genau ansehen.
„Culinary misfits“? Nie gehört? Lea und Tanja, zwei junge, sympathische und kreative Frauen, haben vor gut zwei Jahren ihre Idee von einem Unternehmen, das speziell Gemüse und Obst, das nicht den EU-Richtlinien entspricht, in den Vordergrund hebt, verwirklicht. Diese Geschäftsidee hatte anfangs noch kein vollständiges Konzept und entwickelte sich erst durch eigene Straßenstände und andere Aktionen weiter bis nun endlich zu ihrem eigenen kleinen Laden in Berlin. Sie geben Workshops, sind bei verschiedensten Aktionen in der Markthalle IX dabei (z.B. der „Schnippeldisko“), organisieren vegetarische Caterings für kleine und große Gruppen und versuchen ihre Botschaft, alles von der Ernte zu essen und nicht nach Maß auszusortieren, überall zu verbreiten.


Tanja und Lea (v.l.n.r.) von den "Culinary misfits"

Am Montag durften sich nun auch ein paar Mädels vom 2°Campus 2014 von den Schönheiten der Natur überzeugen lassen und einen Workshop bei Lea und Tanja besuchen. Begrüßt wurden sie dabei zuerst mit unbekannten Drinks und mussten dann raten, was sich hinter ihnen verbirgt. Nach einigen Augenblicken erkannte man den Geschmack: der erste Drink war eine Mischung aus Rettich und Beeren und der zweite Apfel mit Roter Beete. Klingt verrückt? Schmeckte es auch. Dabei kam es einem nur fremd vor, weil der Geschmack so an die Süße gewöhnt ist, wie wir herausfanden. Die Säfte bekommt „Culinary misfits“ von zwei Bauernhöfen der CSA-Gemeinschaft . Nun erklärt sich auch, woher sie ihre kulinarischen Außenseiter bekommen (denn kaufen kann man sie ja nirgends!): Die CSA-Gemeinschaft („Community Supported Agriculture“) ist ein Zusammenschluss von Bauern, die mit Verbraucherinnen und Verbrauchern zusammenarbeitet. Das bedeutet, dass diese monatliche Festbeträge an die Gemeinschaft zahlen, zweimal im Jahr bei der Ernte mithelfen und im Gegenzug dafür ernte-frisches saisonales Obst und Gemüse erhalten. Das hat den Vorteil, dass die Verbraucher wissen, woher genau ihr Essen stammt UND dieses Gemüse und Obst besteht nur aus Individuen.

In der „kulinarischen Werkstatt“ von Lea und Tanja werden diverse Workshops und Vorträge gestaltet. Diese befindet sich unter dem Laden, den die beiden Ende Juni in der Mantteufelstraße 19 eröffnen. Auch hier lässt sich ihr nachhaltiger Gedanke wiederfinden: die Einrichtung besteht nur aus Recycling-Möbeln (wurden also gefunden und selbst aufgearbeitet), die Wandfarben sind nur aus ökologischen Farbstoff und in allem steckt viel Energie und Liebe.

Während des Workshops durften die 2°Campus-Teilnehmerinnen auch vieles kosten und mussten feststellen, dass das Obst und Gemüse einen viel intensiveren Geschmack hat und die „misfits“ nicht nur sehr gut schmecken. Es lassen sich ganze Geschichten mit ihnen erzählen, denn unter ihnen sind 21-armige-Karotten, Zucchini von einem halben Meter, gelbe Beete, blaue Kartoffeln, Äpfel mit den witzigsten Formen und Farben und vieles mehr. Diese wunderschönen natürlich gewachsenen Formen auf dem Tisch verdeutlichten, dass viele einfach den Ursprung und die Natürlichkeit der Nahrung vergessen haben. Auch das Handwerk geht verloren – mal ehrlich, wer von euch kann Obst und Gemüse richtig einwecken? Oder wer nutzt regelmäßig eine Gemüsebürste anstatt alles zu schälen? Unsere Großmütter und Ur-Großmütter würden lachen, wenn sie wüssten, dass viele gar keine Ahnung haben, was das ist. Vermutlich hätten sie nie geglaubt, dass dieses traditionelle Wissen einmal verloren gehen würde.


Es gibt also verschiedenste Workshops und Veranstaltungen,
in denen ihr die „Culinary misfits“ selbst erleben könnt.
Häufig sind sie in der schon erwähnten Markthalle IX, in der
auch der „handmade supermarket“ stattfindet. Genaueres und Kontaktinformationen der „Culinary misfits“ findet ihr hier.
Vielleicht lohnt sich mal eine Klassenreise o.ä. nach Berlin
und so ein Workshop kann gleich mit eingeplant werden?!


Der Besuch war ein besonderes Erlebnis – auch die 2°Campus-Teilnehmerinnen waren positiv überrascht: „Wir haben einen Laden mit Gemüse erwartet, aber das hier war sehr viel cooler!“ Vielleicht haben wir hier die preisgekrönten Unternehmerinnen von morgen getroffen?

Bilder: © Arnold Morascher

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Kommentare (4)
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01.06.2014
FranziL hat geschrieben:
Diese Geschäftsidee der beiden ist einfach genial! Schade, dass es für mich leider zu weit weg ist um einfach mal dorthin zu gehen und die nächsten anstehenden Klassenausflüge auch bereits geplant sind (auch wenn ich sowieso bezweifle, dass ich für soetwas meine Klasse überzeugen könnte).
30.05.2014
Tamina hat geschrieben:
@Ivonne: Dankeschön! :) Es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht dabei zu sein und die beiden persönlich kennenzulernen. Ich fand es total inspirierend!
29.05.2014
Ivonne hat geschrieben:
Liebe Tamina, einen wundervollen Bericht hast Du wieder geschrieben! Ich danke Dir. Es hört sich wirklich nach einem richtig tollen Abend an. Schade, dass man sich beim 2°Campus nicht vierteln kann und immer alles aus allen vier Forschungsbereichen gleichermaßen mitbekommt. Aber zum Glück haben wir ja WWF Jugend Redakteure wie Dich, die diese Gelegenheiten zu einem ganz vorzüglichen Lesevergnügen für alle hier in der community machen! :-)
29.05.2014
sarahsolaika hat geschrieben:
Ein sehr schöner Bericht ist das :)

Und sehr interessant, was es doch immer wieder für "Marktlücken" gibt.
Allerdings ist es recht traurig, dass Gemüse von Maßen und Farben her gewissen Richtlinien entsprechen muss. Umso besser, dass Leute wie Tanja und Lea die Initiative ergreifen, dem aussortierten Gemüse "ein Zuhause zu geben".
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