Und weiter geht die Reise durch die Weltreligionen zum Thema Vegetarismus.Jetzt habe ich mir das Judentum "vorgenommen":
In der Thora gibt es viele Stellen, die auf die Achtung dem Tier gegenüber hinweisen, z. B.:
Dass nicht ungleich starke Tiere beim Pflügen verwendet werden sollen (Deut, 22:10)
Tiere sich am Sabbath ausruhen dürfen (Exodus 23:12
Tiere vom Menschen gefüttert werden sollen, bevor er selbst isst (Talmud)
Im Sefer Chasidim (das Buch der Frommen) wird dieses Thema wie folgt erwähnt: "Sei freundlich und barmherzig zu allen Geschöpfen des Höchsten, die er in dieser Welt geschaffen hat. Schlage niemals ein Tier oder sei die Ursache für Schmerzen für jegliches Tier. Wirf nicht mit Steinen auf Hunde oder Katzen, noch solltest du Fliegen oder Wespen töten."
Die Thora macht auch keinen Unterscheid zwischen einer tierischen und einer menschlichen Seele. Der hebräische Ausdruck für Tiere "nephesh chayah" kommt im Alten Testament ungefähr 400 x vor, die Übersetzung davon ist "lebende Seele". So wird auch die Genesis-Passage 2:7 übersetzt, wo beschrieben wird, wie Gott den Menschen den Odem des Lebens eingab. Aus Genesis 7:15,22 ist ersichtlich, dass Tiere den gleichen "Odem des Lebens" haben wie Menschen.
"Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen" (!:29, Genesis)
Ein weiterer hebräischer Begriff für Geist bzw. Seele befindet sich im Neuen Testament: "ruach", und er ist ebenfalls für Menschen und Tiere gebräuchlich (Prediger 12:7)
In griechischen Texten wird das Wort "psyche" in gleichberechtigter Weise für alle Lebewesen gebraucht (Offenbarung 16:3)
Am jüdischen "Tag der Buße" (Yom Kippur) fasten alle Juden, die dieses Fest einhalten, und versuchen, durch Gebete Gottes Barmherzigkeit zu erlangen. Bei diesem Fest werden in den Synagogen auch keine Lederschuhe erlaubt. Der Grund ist, dass man nicht erwarten kann, Gottes Barmherzigkeit zu bekommen, wenn man selbst kein Mitgefühl gegenüber anderen Lebewesen zeigt : "Ich werde eure vielen Gebete nicht hören, weil eure Hände voller Blut sind" (Jesaja 1.15)
Im Verlauf der 1300 Jahre, in denen die Schriften der Thora entstanden sind, wurde von Propheten immer wieder versucht, Israel auf den Weg zu Gott zu führen.
Hesekiel schildert das Ideal, das Gott vom Menschen fordert und verurteilt gleichzeitig den Abfall vom Glauben ebenso wie die fleischliche Ernährung (Hes. 16:19-23): "Die Nahrung, die ich Dir gab - mit Feinmehl, Öl und Honig nährte ich dich -, das hast Du Götzen geopfert. Du hast deine Söhne und Töchter die du mir geboren hast, genommen und ihnen Schlachtopfer zum Essen vorgesetzt. War dir dein unzüchtiges Treiben noch nicht genug? Musstest du auch noch meine Söhne schlachten, um sie ihnen darzubringen und für sie durch das Feuer gehen zu lassen?"
Die von Gott gewünschte Lebensweise (die "edenischen Zustände"), war Friede, Mitleid und Barmherzigkeit mit allen Kreaturen.
Ein weiteres Beispiel ist die Geschichte von Daniel, der von König Nebuchadnezzar von Babylonien eingekerkert wurde und dem reichhaltige Speisen inklusive Wein und Fleisch vorgesetzt wurden. Daniel wollte jedoch nur Wasser und Gemüse und schickte den Diener des Königs zurück : "Bring uns das für 10 Tage und urteile dann selbst. Wir werden sicherlich weiser und stärker als diejenigen sein, die die Nahrung des Königs essen. Wenn nicht, kann der König mein Leben nehmen." Nach 10 Tagen war der Diener von Daniels Aussagen überzeugt.
(Es war derselbe Daniel, der später vor Löwen geworfen, von ihnen jedoch nicht berührt wurde, was darauf hindeutet, dass seine vegetarische bzw. mitleidvolle Natur selbst von Löwen erkannt wurde)
Der Talmud (Eruvin 100b) sieht in Tieren nicht nur unschuldige Lebewesen, die dem Menschen auf vielfache Weise dienen, sondern von denen der Mensch auch lernen kann: "Wäre den Juden nicht die Thora gegeben worden, würden wir Anspruchslosigkeit von Katzen lernen, gute, ehrliche Arbeit von dem Ameisen, Reinheit von den Tauben, sowie Galantheit vom Hahn, deshalb sollten Tiere geachtet werden."
Was ist kosheres Fleisch und wie kommt es dazu?
Die strikten Gesetze (schechitah, kashrut) bezüglich der Ernährung sollten ursprünglich vor allem dazu dienen, dem Tier zumindest so wenig als möglich Schmerzen zuzufügen. Wenn man eine Stufe weiterdenken würde, wäre es nicht so schwierig zu verstehen, dass man dem Tier natürlich gar keinen Schmerz zufügt, wenn man es am Leben lässt.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich dann die jüdischen Ernährungsgesetze, kashrut, die vorwegnehmen, dass fleischliche Nahrung lediglich ein Kompromiss ist, und nur Früchte, Gemüse, unverarbeitetes Getreide etc. ohne Vorbehalt kosher sind; Fleisch dagegen ist von Natur aus zwar nicht kosher, doch erklären die teilweise sehr komplizierten kashrut- und schechitah-Gesetze, wie man es kosher bzw. rein machen kann.
Da im Blut Bewusstsein oder Lebenskraft enthalten ist, sollte das Fleisch, das gegessen wird, ohne Blut sein. - Die Anleitung mit Salzen, Waschen usw lasse ich jetzt mal außen vor, wer weitere Infos möchte einfach anschreiben - Wenn das Fleisch dann nach der langwierigen und komplizierten Prozedur des koshern schließlich auf den Tisch kommen soll, darf es weder zusammen mit Milchprodukten gekocht noch gegessen werden (Ex. 34:26), außerdem müsste man zumindest 6 Stunden warten, bevor man dann wieder Milchprodukte zu sich nehmen darf.
Abgesehen von der Grausamkeit des Schlachtens (1) ist das Groteske am "kosheren" Fleisch, dass das Blut zwar aus den Arterien entfernt werden kann, nicht aber aus den Kapillaren, wo es in verdichteter form zurückbleibt.
(1) Die gängige Praxis beim rituellen Töten von Rind z. B. ist die, dass das Tier in die sogenannte "Weinberg-Vorrichtung" kommt, die soweit gedreht wird, bis das Tier mit dem Kopf nach unten eingepfercht hängt, dann wird bei gestrecktem Hals die Kehle durchgeschnitten. Bis zum Bewusstseinsverlust vergehen dabei gem. Untersuchungen der RSPCA (der englischen königlichen Gesellschaft für Verhinderung von Grausamkeit an Tieren) zwischen 17 Sekunden und 6 Minuten - eine Zeit, in der as Tier offensichtlich fürchterliche Todesqualen erleiden muss. Abgesehen davon, dass sogar die heutige Tierhaltung teilweise schon in den Bereich von Folter fällt, gibt es sicherlich kein "humanes" Schlachten.
Doch es gibt unter den jüdischen Denkern auch einige überzeugte Vegetarier und immerhin ca. 4% der jüdischen Bevölkerung leben vegetarisch. Bleibt zu hoffen, dass diese Minderheit sich durchsetzt und das ursprüngliche vegetarische Ideal der Thora wiederherstellt.





