Rette mit uns bedrohte Natur!


Deine Hilfe für


eine schöne Welt


Jetzt Mitglied werden!
© Alexei Ebel / WWF-Canon
Zoos - Segen oder Fluch für den Artenschutz?


von Nycticorax
30.09.2016
41 P
6
5

Es war eine schreckliche Nachricht, die am vergangenen Donnerstag aus dem Leipziger Zoo kam: der Ausbruch der beiden afrikanischen Löwen Majo und Motshegetsi aus ihrem Gehege endete für den zuletzt genannten Kater tödlich. Nun stellt sich nicht nur für Tierschützer die Frage: hätte es wirklich dazu kommen müssen?

Wie mehrere Medienquellen berichten, seien beide Tiere um 8:40 Uhr aus dem gemeinsamen Freigehege ausgebrochen. Majo konnte von den Pflegern sofort wieder zurückgeführt werden. Motshegetsi hingegen machte es den Mitarbeitern schwieriger und sollte deshalb betäubt werden. Als die Narkose jedoch keine Wirkung zeigte und sich das Tier weiter in Richtung eines Wohngebiets bewegte, schätzten die Zoomitarbeiter die Situation als bedrohlich ein und versuchten alles, um den Löwen wieder zurückzuführen. Letztendlich musste aber zur Waffe gegriffen werden. 

Man sollte dabei allerdings beachten, dass alle Beteiligten enorm unter Stress standen und in dieser nicht-alltäglichen Situation schnell und richtig handeln mussten, um eben diese Bedrohung zu vermeiden.

Wie die Tiere genau aus ihrem Freigelände ausreißen konnten, ist bisher unklar. Zumal sie zuvor einen Wassergraben durchqueren mussten, der eigentlich dazu dienen sollte, solche Vorkommnisse zu verhindern. Deshalb wird an diesem Punkt seitens des Tierschutzbundes Kritik an den Sicherheitsstandards unserer Zoologischen Gärten laut. Zunächst muss also unbedingt aufgeklärt werden, was genau in Leipzig passierte, um etwaige Fehler zu beheben.

Wenn über solche Tragödien berichtet wird, stellt sich sicherlich für so manchen die Frage, ob solche exotischen Tiere überhaupt hierzulande in zoologischen Einrichtungen gehalten werden sollten. Dies ist auf Anhieb nur schwer zu beantworten, da Zoos einerseits wichtige Funktionen erfüllen, andererseits aber in diversen Punkten eine Tierrechtsverletzung darstellen. Um trotzdem der Antwort etwas näher zu kommen, möchte ich ein paar wesentliche Aspekte ansprechen:

 

Bildungs- und Aufklärungsfunktion

Viele Zoos rechtfertigen ihre Existenz mit ihrer Aufklärungsarbeit. Also damit, dass die Besucher dort etwas über Lebewesen aus fernen Ländern lernen können und somit für Artenschutz begeistert werden. Theoretisch ein lobenswerter Ansatz, aber die Realität sieht ein wenig anders aus: in Gefangenschaft lebende Tiere verhalten sich selten so wie in freier Natur, sodass den Besuchern eher falsche Eindrücke vermitteln werden. Außerdem gehen wohl die wenigsten Menschen in einen Zoo, um bestimmte Tiere gezielt zu beobachten, sondern eher aus Unterhaltungsgründen.

Tierrechte

Eben dieser Unterhaltungsaspekt verstößt aber gegen die moralisch korrekte Behandlung von lebendigen Wesen. Denn letztendlich werden die Tiere in ihren Gehegen den Menschen zur Schau gestellt, oft ohne geeignete Rückzugsorte. Das bedeutet für sie nichts anderes als Stress. Tierrechtler würden hier die Frage stellen: Wie würde es DIR gefallen, den ganzen Tag in einem Käfig zu sitzen, damit dich tausende Menschen anstarren und sich über dich amüsieren können? Dennoch gibt es auch Tierparkkonzepte, die den Tieren genügend Freiraum verschaffen. Bei allen Arten ist dies jedoch nicht möglich, da Großkatzen zum Beispiel in freier Natur Reviere von mehreren hundert Quadratkilometern Größe besitzen. Dies kann wohl kein Zoo der Welt bieten.

Leopard in Gefangenschaft | Eigene Aufnahme

Leopard in Gefangenschaftt | Eigene Aufnahme

Artgerechte Haltung?

Neben dem reinen Platzangebot ist auch die Ausstattung der Gehege zumeist nicht wirklich artgerecht. Viele Zoos bemühen sich zwar deutlich, eine möglichst angenehme Atmosphäre für die Tiere zu schaffen. Ab einem bestimmten Punkt kann der natürliche Lebensraum im Zoo aber nicht mehr nachgestellt werden; spätestens dann, wenn die Tiere aus anderen Klimazonen kommen.

Artenschutz

Oft argumentieren Zoo-Befürworter auch mit den dortigen Zucht- und Arterhaltungsprogrammen. Prinzipiell ist es zwar richtig, dass durch zoologische Einrichtungen eine Art „Notreserve“ an Individuen bedrohter Arten aufrechterhalten wird. Diese Tiere können auch ausgewildert werden, wie es im Leipziger Zoo mit den Säbelantilopen geschieht. Allerdings ist dies auch mit einem gewissen Aufwand verbunden und verläuft nicht bei allen Arten unproblematisch.

Sollte man aufgrund all dieser Kritikpunkte also lieber gleich alle Zoos abschaffen? Nein, denn ganz funktionslos sind sie nun mal nicht. Eher sollten sich die Betreiber darauf konzentrieren, die Lebensbedingungen in ihren Anlagen und ihr Wissen über die Arten weiter zu verbessern, um solche Vorfälle wie jüngst in Leipzig in Grenzen zu halten. Denn was man nie vergessen sollte ist, dass wir hier über fühlende Lebewesen reden, die selbstständig handeln und nicht über Eigentum, dass der Mensch für sich nutzen darf. Wenn er es doch tut, dann sollte er sie zumindest bestmöglich behandeln und vor allem respektieren.

Nycticorax

 

Bildrechte:

Titelfoto: Majo und Motshegetsi © dpa

Foto 2: eigene Aufnahme

 

Weiterführende Links:

Bericht des Tagesspiegels

Bericht von MDR JUMP

Meinung der PETA zum Thema Zoo

Weiterempfehlen

Kommentare (6)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
08.10.2016
Nycticorax hat geschrieben:
Vielen Dank an alle für euer Feedback! :)

@midori:
Danke für deine Hinweise, die entsprechenden Textstellen hab ich nun ein wenig ergänzt.
05.10.2016
Akatsuki hat geschrieben:
Ich denke der Zoo hat, wie alles, Vor-und Nachteile. Zoos sind eine gute Möglichkeit Menschen aufzuklären und vielleicht auch Tieren beim Überleben zu helfen auch in Form von Auswilderung etc. und das finde ich eine gute Sache. Andererseits fände ich es natürlich besser die Tiere in freier Wildbahn zu haben statt im Gehege und denke auch das man keine Tiere halten sollte deren Bedingungen man im Zoo nicht erfüllen kann.
04.10.2016
LuJoLu hat geschrieben:
Ich finde , dass der Alternative Wolfs- und Bärenpark Schwarzwald , der Alternative Bärenpark Worbis , der Bärenwald Müritz und Gnadenhöfe viiiiiiieeeeeel besser als Zoos sind.
01.10.2016
midori hat geschrieben:
Leider ist die Situation hier nicht richtig dargestellt. Zum einen sollte man nicht so einfach urteilen, wenn man selbst nicht dabei war und eine solche Gefahr für Mensch und Tier abschätzen und darüber entscheiden muss. Zum anderen stimmt auch die Behauptung der unmöglichen Auswilderung nicht. Der Leipziger Zoo züchtet und wildert beispielsweise die vom Aussterben bedrohte Säbelantilope aus - das kann nicht kleingeredet werden. Es geht weniger darum, dass die Tiere nicht an die Wildnis gewöhnt werden könnten, als nicht vielmehr darum, dass es in der Wildnis eben keinen Platz für sie gibt, weil sie durch Lebensraumvernichtung, Wilderei etc. bedroht sind und es schlichtweg keinen Sinn machen würde, sie auszuwildern, solange bis dieses Problem an einer konkreten Lokalität nicht behoben ist.

Hier übrigens die detailierte Version der Geschehnisse: www.jumpradio.de/thema/loewen-im-zoo-leipzig-ausgebrochen-104_zc-97379c5c_zs-1c093e41.html?viaFB3009
01.10.2016
Puma hat geschrieben:
Danke für diesen Artikel. Ich selbst bin früher gerne in den Zoo gegangen, weil ich da die Tiere sehen konnte. Außerdem war es immer ein schöner Ausflug. Aber seit ich älter bin mache ich mir genau über das Gedanken, was du in deinem Artikel ansprichst. Deshalb vielen Dank für die beidseitigen Argumente zu dem Thema!
01.10.2016
Buchenblatt hat geschrieben:
Schön, dass du beide Perspektiven zum Zoo vorstellst. Ich befinde mich da selbst immer etwas im Zweispalt. Einerseits bekomme ich durch die engen Gehege immer ein beklemmendes Gefühl. Für mich fühlt sich das einfach falsch an, Wildtiere einzusperren (vor allem da selbst noch große Gehege viel kleiner als der eigentliche Lebensraum sind). Andererseits finde ich es erschreckend, wie wenig manche Menschen, vor allem Städter von der Natur mitbekommen. Gerade für so etwas, können aus meiner Sicht Zoos schon sinnvoll sein. Vielleicht gibt es da aber auch bessere Konzepte.
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Mitglied des Monats
teaser_220.png


Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil
Folgen und mit Freunden teilen