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© Wild Wonders of Europe / Sven Zacek / WWF
Stars in der Manege?! - Wie Wildtiere zur Unterhaltung von Menschen leiden


von Julia018
01.10.2010
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Jeder Zirkusbesucher lässt sich gern vom Glanz und Glamour der Zirkuswelt verzaubern, wenn große Raubkatzen durch Reifen springen, Elefanten einen Fußstand zeigen oder lustig verkleidete Äffchen mit witzigen Kunststückchen für Lachsalven im Publikum sorgen. Doch das Leben eines Zirkustieres ist alles andere als ein "glamouröses Zuckerschlecken".

In Deutschland gibt es rund 250 Wanderzirkusse mit zur Schau gestellten Wildtieren. Leider gelingt es keinem dieser Zirkusse, seine Tiere annähernd artgerecht zu halten. Immer wieder auftretende Tierschutzprobleme betreffen die Haltung (Unterbringung, Einzelhaltung, Bewegungs- und Beschäftigungsmangel), die Versorgung der Tiere (Ernährung, Pflege, tierärztliche Betreuung) und der Umgang mit ihnen (z.B. Dressur).

Allein unter dem Aspekt ausreichender Bewegung kann ein Wanderzirkus niemals artgerecht sein. So haben typische Zirkus-Wildtiere wie Elefanten, Raubkatzen oder Bären in freier Wildbahn sehr große Reviere und legen täglich kilometerweite Strecken zurück. Die Realität im Zirkus, der in einer Saison bis zu 150 Städte besucht, sieht dagegen vollkommen anders aus. Da Wanderzirkusse aufgrund der knappen öffentlichen Flächen notorisch unter Platzmangel leiden, werden nach einer Studie Löwen, Tiger oder Bären über 90% ihrer Zeit in-meist viel zu kleinen-Transportfahrzeugen hinter Gittern gehalten. Elefanten, Kamele, Giraffen werden ähnlich lang tags wie nachts an Fußketten hinter Elektrozäunen gehalten. Richtlinien verlangen lediglich,dass die Tiere genügend Platz in ihren Käfigen haben, um stehen und sich umdrehen zu können. Aber selbst diese Mindestanforderungen werden oft nicht erfüllt; den Tieren wird damit jede Bewegungsfreiheit genommen. Klimatisch erfüllen die Käfige und Unterstellplätze oft nicht die Bedürfnisse verschiedener Arten. Im Sommer leiden Bären oder Raubkatzen z.B. unter gestauter Hitze im Käfig, im Winter ist es für Tiere wie Löwen und Elefanten wegen fehlender Heizmöglichkeiten häufig viel zu kalt. Darüber hinaus leiden die Tiere unter dem Stress des  Transports von Aufführungsort zu Aufführungsort mit dem ständigen Auf-und Abladen. Während des Winters, außerhalb der Saison, werden die Zirkustiere meist in Transportverschlägen, Viehställen oder sogar in LKW´s gehalten. Ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz! Dieses ununterbrochene Eingepferchtsein ohne jede Auslaufmöglichkeit führt zu sehr schwerwiegenden und schädlichen Auswirkungen auf den physischen und psychischen Zustand der Tiere. Nur wenige Zirkusse verfügen über ausreichend finanzielle Mittel oder die Bereitschaft, viel Geld in angemessene Winterquatiere für die Tiere zu investieren.

Hinzu kommt ein weiteres, gravierendes Problem: Der Beschäftigungsmangel. Die z.T. hoch intelligenten Tiere, wie z.B. Elefanten, werden durch den Mangel an intellektueller Stimulation, an Sozialkontakt und an Bewegungsmöglichkeit geistig schwer gestört. So leben Elefanten in freier Wildbahn in Gruppen, geführt von einer Leitkuh, und müssen äußerst komplexe Problemlagen bewältigen wie bspw. Dürreperioden mit der Suche nach Wasserstellen überwinden oder Unterstützung bei der Aufzucht von Kälbern leisten. Im Zirkus erhalten sie am Tag meist nur eine fragwürdige Abwechslung durch unnatürliche Bewegungsabläufe in der Manege, bei immer wieder stattfindenden Geldsammelaktionen in Innenstädten und zu Dressurzeiten. Ansonsten vegetieren sie den ganzen tag beschäftigungslos und angekettet vor sich hin. So verwundert es nicht, dass fast alle Zirkustiere monotones Kopfwackeln, Zähneknirschen, Koppen oder ähnliche, krankhafte Verhaltensweisen zeigen.

Abgesehen von den großen, berühmten Zirkussen, für die das eingeschränkt zutrifft, leiden kleinere Zirkusse meist chronisch unter Geldmangel, so dass die von ihnen gehaltenen Tiere oft unter einer nicht angemessenen Behandlung und Pflege zu leiden haben. Ein 1981 in einem Wanderzirkus ermittelnder Tierrechtler entdeckte mit Schrecken, dass der Zirkus zeitweise nicht einmal dazu in der Lage war, den Tieren ausreichend Wasser zur Verfügung zu stellen! Anscheinend ist eine Frischwasserversorgung nicht unbedingt in allen besuchten Städten gewährleistet. Aufgrund dessen wird das Trinkwasser rationiert und das Reinigen der Tiere und ihrer Käfige teilweise ganz unterlassen. Dies bedeutet für Wildtiere wie z.B. Elefanten, die auf ein regelmäßiges Baden zur notwendigen Hautpflege angewiesen sind, eine echte Härte. Doch auch die Nahrung wird häufig rationiert und ist nicht immer ausreichend. Viele Wanderzirkusse erbetteln u.a. in Supermärkten das Futter für ihre Tiere. Erkrankte Wildtiere sterben nicht selten aufgrund mangelnder tierärztlicher Versorgung, denn nicht immer ist ein auf exotische Tiere spezialisierter Tierarzt oder das Geld für eine angemessene Behandlung verfügbar.

Verkleidete Bären oder Affen auf dem Motorrad, Elefanten auf Hinterbeinen aufgerichtet, durch Reifen springende Tiger... angesichts der Darbietungen, zu denen Tiere auch im heutigen Zirkus gezwungen werden, stellt sich die Frage, ob dies mit einer modernen Gesellschaft überhaupt noch vereinbar ist. Hinter dem Glanz der Manege verbirgt sich dem Zuschauer die Tatsache, dass Tiere gegen ihren Willen zu unnatürlichen Verhaltensweisen gezwungen werden. Diese Darbietungen sind häufig körperlich extrem unbequem und schaden den Tieren auf Dauer physisch. Es ist für einen Elefanten schlicht nicht normal, dass er "Bein-oder Handstand" macht. Sein Körpergewicht ist viel zu groß, als dass nur zwei Beine es tragen könnten-doch in der Manege müssen Elefanten dies in allen Zirkussen immer wieder tun: Kniegelenks-Schäden sind dabei vorprogrammiert.

Um den Tieren diese "Kunststückchen" beizubringen, griffen Trainer lange Zeit zu körperlicher Bestrafung und brutalen Methoden der Dressur wie z.B. heißen Platten, auf die man Bären stellte und so zum "Tanzen" brachte oder der Einsatz von Zugkränen, um Elefanten das Stehen auf den Hinter-oder Vorderbeinen einzutrichtern. So entlarvten Tierschützer auf englischen und südafrikanischen Tierfarmen das systematische Vorgehen der Trainer. Den Wildtieren wird zunächst durch regelmäßige Prügel und enges Anketten der Wille gebrochen. Erst wenn sie sich dem menschlchen Willen unterworfen haben, folgt die Dressur. Mit verschiedenen Gewaltmitteln wie Elektroschocks, Schlägen, Niederfesseln u.a. werden ihnen dann die Kunststücke aufgezwungen, die sie auch vor einem fremden Trainer abrufen müssen (VGT Österreich, April 2003, pdf "Tiere im Zirkus")... z.T. erstzt durch mentale Methoden der Kontrolle. Wie PETA beschreibt, gehen moderne Trainer heute häufiger dazu über, eher mentale Kontrolle auf das Tier auzuüben, also mit Belohnungen zu arbeiten und ihm hierüber "Kunststücke" beizubringen. Eine Qual bleibt es für die meisten Tiere dennoch. Denn nicht alle Tierarten sind imstande, sich Trainingsmethoden anzupassen und leiden daher ganz erheblich unter dem Stress während der Ausbildungsphase. Anderen Tieren verabreicht man wiederum Medikamente oder entfernt ihnen Hörner und Zähne um mit ihnen arbeiten und umgehen zu können. Die Peitschen, engen Halsbänder, Maulkörbe und sonstigen Werkzeuge, die bei den Vorführungen in der Manege versteckt oder offen verwendet werden, beweisen immer wieder, dass die Tiere nur unter Zwang agieren.

Haben Zirkustiere dann irgendwann ausgedient, ist ihnen selten ein schöner Lebensabend in einem Tierpark oder Gnadenhof vergönnt. Entweder werden sie permanent in ihre Winterquatiere verbannt (oft reine Käfighaltung) oder an andere Zirkusse oder Zoos verkauft. In manchen Ländern werden sie sogar an Jagdfarmen verkauft (um dort zur "Freizeitentspannung" erschossen oder als exotische Mahlzeit verspeist zu werden) oder an Versuchslabors veräußert.

(Wild-)Tiere haben im Zirkus nichts zu suchen! Die entwürdigenden Darbietungen der Tiere sind weder pädagogisch wertvoll noch lehren sie uns Menschen etwas über die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere. (Wild-)Tiere sollten daher in einer zivilisierten Gesellschaft keinesfalls mehr zu den Attraktionen in einem Zirkus gehören! Diese Form der Unterhaltung ist mit dem heutigen Tierschutzverständnis unvereinbar. Indem man keine Zirkusse mit (Wild-)Tieren mehr besucht, d.h. finanziell unterstützen, gibt man den Zirkusinhabern ein deutliches Signal! Man sollte stattdessen Zirkusse besuchen, die ohne Tiere auskommen!

Einige Zirkusse, wie der "Cirque du soleil" aus USA/Kanada, der "chinesische Nationalzirkus", der englische "Zirkus Swamp" oder der österreichische "Zirkus Meer", missbrauchen keine Tiere zu Unterhaltungszwecken. Hier zeigen Menschen ihre beeindruckenden athletischen Fähigkeiten und akrobatischen Kunststücke und bekommen dafür wohlverdienten Applaus. In dieser Form des Zirkus liegt wohl hoffentlich die Zukunft.

Artikel aus der Zeitschrift "Struppi" und verfasst von der Autorin Heidi Neuhoff

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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
02.10.2010
Fabia hat geschrieben:
ich war noch nie in einem Zirkus ... jetzt weiß ich auch wieder warum. das ist echt grausam!
01.10.2010
Greenpeacer hat geschrieben:

Echt traurig mit den armen Tieren, wie bei Tiershows im Zoo.
Diese miesen Tierquäler.
01.10.2010
midori hat geschrieben:
Super Artikel! Einwandfrei. Gegen die Argumente kann eigentlich auch kein Zirkusliehaber mehr ankommen! Danke fürs Reinstellen! :o) 
06.03.2013
Westernpferdle hat geschrieben:
Ich weiß des kommt jetzt bisschen spät, aber folgendes habe ich vorher gefunden:
http://www.youtube.com/watch?v=74b8JgfQ7ss
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