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© Alexei Ebel / WWF-Canon
Pelztierfarm (eine Kurzgeschichte)


von JanaKl
28.06.2011
22 P
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Pelztierfarm

Stechender Geruch erfüllt die Luft, es riecht nach Tod, Verwesung und Exkrementen. Nur noch schemenhaft nehme ich den Gestank war, er gehört zu meinem Leben wie eine zweite Haut. Seid ich denken kann hat er mich begleitet und er wird es immer tun bis in meinen Tod. Die grellen Neonröhren bringen meine Augen zum tränen, die ich widerwillig blinzelnd öffne. Ob es Tag oder Nacht ist vermag ich nicht zu sagen, das Leuchten hat keinen Rhythmus. Es kommt mit ihnen und verschwindet auch mit ihnen, die meiste Zeit fristen wir unser Dasein in Dunkelheit gehüllt. Doch ich hasse das Licht, es macht die Dinge sichtbar, die in der Dunkelheit geschehen sind, enthüllt das Leid, was uns umgibt. Ich halte meinen Blick gesenkt, vermeide es die anderen Käfige zu betrachten. Es gelingt mir nicht, es ist mir noch nie gelungen. Gegenüber von mir hechtet der Waschbär fahrig umher, seine Augen sind leer und glasig, er sieht mich nicht, schaut durch mich hindurch. Sein Nachbar der Nerz liegt hechelnd auf der Seite, sein anfängliches Fauchen ist schon lange nicht mehr erklungen. Er wehrt sich nicht mehr, wie alle die längere Zeit hier leben. Er wartet, wie wir alle warten. Worauf wissen wir nicht, doch die Hoffnung auf ein besseres Leben haben wir längst verloren. Ich liege eingerollt in meinem Käfig, meiner Zelle. Mir ist kalt, ich vermisse die Wärme meiner Jungen, die sie mir genommen haben. Ich vermisse ihr vertrautes Fiepen, ihren heißen Atem. Ich werde sie nie wieder sehen, nie wieder werde ich meine Schnauze in ihr weißes Fell stecken können, welches dem meinen so unähnlich zu sein scheint. Mein Pelz ist gelb, verdreckt, mir fehlt die Kraft ihn zu putzen. Meine Pfoten pochen schmerzhaft von dem Draht auf dem ich lebe, er schneidet mich, fügt mir Schmerzen zu. Sogar im liegen spüre ich ihn wie eine Erinnerung an die Wirklichkeit, der ich zu entfliehen versuche. Polternde Schritte lassen mich aufhorchen, sie kommen. Vor meinem Gitter halten sie inne, ich spüre den Handschuh kaum, der sich grob um mein Nackenfell schließt. Schlaff lasse ich mich hochheben. Ein letztes Mal werfe ich einen Blick auf meine Partnerin, die zerrissen, zusammengesackt daliegt. Es ist meine Schuld, dass sie gestorben ist. Ich bin ein Einzelgänger. Die Käfige sind zu eng, beim Fressen kam der Wahn über mich, ich erinnere mich nur noch verschwommen an die vergangene Nacht. Erneut schmecke ich das heiße Blut auf meiner Zunge, höre den erschöpften Seufzer mit dem sie dem Hier und Jetzt entgleitet, fühle wie das Blut meinen Pelz verklebt. Mein Pelz, der einzige Grund warum ich noch lebe, warum ich noch hier bin. Er ist nicht gut genug gewesen, anstatt ihn abzugeben wie meine Geschwister schenkte ich zahlreichen Jungen das Leben. Aber was ist das für ein Leben? Ein Leben in klaustrophobischen Zuständen, ein Leben ohne Freude ohne etwas das ihm einen Sinn gibt. Das hier ist kein Leben, es ist ein Zustand, ein Dasein. Aber warum müssen wir so ein Dasein fristen, was haben wir verbrochen? Die Tiere die von „Draußen“ kommen sehnen sich verzweifelt nach ihrem alten Leben. Sie erzählen von grünen, weichen Wiesen, die wunderbar duften im Sommer. Aber wie kann ich mich nach etwas sehnen, was ich nie gesehen habe. Was bedeutet weich? Was ist Sommer? Ich weis es nicht, doch die Qualen die die Tiere haben, verbieten es mir gründlicher über diese Dinge nachzudenken. Mein Dasein ist Qual genug, ich lebe im Dämmerzustand. Bloß nicht zu genau hinsehen, die Augen vor der Wahrheit verschließen. Meine Kehle ist wund und trocken, ich habe Durst. Wasser habe ich schon lange nicht mehr bekommen. Ich bin Müde, ich möchte nicht mehr. Der Mensch trägt mich ohne jegliches Gefühl, es kümmert ihn nicht, dass sein Griff mir Schmerzen bereitet. Es ist ihm egal. Plötzlich wird alles Hell, ist das die Sonne? Sind das die Wiesen, die ich nie sehen durfte? Grob werde ich zu Boden geschleudert, der Aufprall presst mir die Luft aus den Lungen. Ich winsle nicht, kein Laut durchschneidet die Stille, die nur von dem keuchenden Atmen des Mannes zerschnitten wird. Traurig sehe ich zu ihm auf, er hat einen Holzknüppel in der Hand. Auf einmal werde ich ganz ruhig, weit reiße ich die Augen auf, ich möchte so viel wie möglich sehen. Den Schlag mit dem Knüppel spüre ich kaum, mit einem Seufzer weicht alles Leben aus meinem geschundenen Körper. Endlich bin ich frei.
 

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Kommentare (6)
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13.08.2011
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Gelöschtes Mitglied hat geschrieben:
gelöscht
13.08.2011
Löschen
Gelöschtes Mitglied hat geschrieben:
gelöscht
13.08.2011
Stoffie hat geschrieben:
echt super geschrieben! ich fühle mich als wäre ich selber das tier.
ich stimm den anderen beiden zu und echt super das du deine sachen veröffentlichst!
29.06.2011
JanaKl hat geschrieben:
Hey, danke für eure Kommentare:)

Ich habe bereits versucht den Text zu veröffentlichen, bekam aber öfters entweder keine Antwort auf meine E-Mails oder eine Absage. Die PETA hat mir dann schließlich geraten die Geschichte über Networks wie z.B Facebook zu verbreiten;) Außerdem wurde die Geschichte bei einer Frettchen-Zeitung veröffentlicht, die sich Fritten-Alarm nennt... ich schreibe öfters Berichte dafür:)
29.06.2011
LaLoba hat geschrieben:
Da kann ich mich Rhino nur anschließen! Diesen Text solltest du veröffentlichen! Ein treffendes Bespiel für die Grausamkeit von Pelzfarmen.
28.06.2011
Rhino hat geschrieben:
Du hast ein enormes literarisches Talent, in diesem Text fühlt man sich wirklich in das mitleidserregende Dasein eines Farmtiers hineinversetzt. Mir fehlt für Menschen, die sowas für hässliche Pelze tolerieren, jede Form des Respekts. Jeder Schritt gegen Pelzfarmen ist ein richtiger Schritt, ein wirklich lobenswerter Bericht!
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