Rette mit uns bedrohte Natur!


Deine Hilfe für


eine schöne Welt


Jetzt Mitglied werden!
© Wild Wonders of Europe / Sven Zacek / WWF
Ölgewinnung in Kanada


von cappuccino
30.06.2009
21 P
10
0

In der GEO- Zeitschrift Juli 2009 wurde unter anderem veröffentlicht:

"ALBERTAS GIFTIGER SCHATZ"

alt

"Gebunden im Sandboden Westkanandas, lagern die zweitgrößten Ölvorkommen der Erde. Wo sie gefördert werden, müssen Urwälder fallen, wachsen toxische Teiche, wird Flusswasser vergiftet."

Das Öl in Kanada hat den Menschen in der Umgebung Arbeit gegeben. Siedlungen wuchsen zu großen Städten, deren Bewohner hauptsächlich für die Ölfirmen arbeiten, die das Öl 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche gewinnen.

 

Das Öl liegt nicht in reiner Form vor, sondern als Ölsand. Das ist ein Gemisch aus (in diesem Fall) 83% Sand, 4% Wasser, 3% Lehm und dem, was später zum Öl wird: 10% Bitumen. Dieses Gemisch sprudelt nicht netterweise aus dem Boden, wenn man nur tief genug bohrt. Es muss unter großem Energieaufwand abgebaut und gewonnen werden. Das gibt Abfallprodukte.

Das Öl wird in mehreren Schritten gefördert:

 alt

"1. Abtragen: Zuerst wird der Wald gerodet, der Oberboden abgetragen. Dann graben Bagger im offenen Tagebau die Ölsande ab. Trucks transportieren das Festmaterial weiter.

2. Zerkleinern: Im sogenannten Crusher werden Fels-oder Steinbrocken aussortiert und die Ölsande für die Weiterverarbeitung grob entklumpt.

3. Auswaschen: Mit heißem Wasser und Ätznatron werden die Sande so lange durchspült, bis sich die ölige Mase (Bitumen) vom Restmaterial abgesetzt hat.

4. Aufwerten: In einer Mega-Zentrifuge löst vor allem das Rohbenzin-Destillat Naphta das Wasser vom Bitumen. Die Abfallstoffe werden in offenen Becken "endgelagert".

5. Synthetisieren: Das Bitumen wird auf 500 Grad Celcius erhitzt und mit Wasserstoff versetzt, um industriefähiges Rohöl zu gewinnen - hierbei wird der Großteil CO2 emittiert."

 

Um 1 Barrel Öl aus Westkanada zu gewinnen, nehme man:

 alt

- 40 Kubikmeter Erdgas - 950 Liter Wasser 1 Kubikmeter Ölsand

Man erhält: - 110 kg CO2 -320 Liter Abwasser und schließlich: -1 Barrel Öl.

Wohin das Öl kommt, wissen wir. Wohin das CO2 geht, auch. Diese Menge ist übrigens 3x so hoch wie die, die bei der sonst üblichen Ölgewinnung produziert wird, und entspricht 25% der CO2- Emissionen Schwedens.

Das giftige Wasser kommt in die Umwelt zurück, was aber keinen interessiert. Schließlich ist es nicht sicher, dass die Umwelt darunter leidet, es sind bloß Vermutungen, dass dieser Fisch hier kein Arsen verträgt:

 alt

(Ein weiteres Foto auf dieser Seite, das ich nicht hochgeladen habe, zeigt eine Vogelscheuche auf einem sumpfähnlichen Boden. Aber nicht nur die Vögel sollen abgeschreckt werden: in unregelmäßigen Abständen werden Schreckschüsse abgegeben, um andere Tiere fernzuhalten.)

Früher lebten die Menschen in Fort Chipewyan am Athabasca-See vom Jagen und Fischen. Doch dann wurde vom Ölkonzern Suncor 2006 das örtliche Elchfleisch untersucht. Die Arsen-Konzentration war um den faktor 453 erhöht. 2007 wies der biologe Kevon Timoney im Athabasca-See elf verschiedene Kohlenwasserstoffe, Arsen und Quecksilber nach.

"Der Schlick, der bei der Ölgewinnung zurückbleibt, enthält Schwermetalle wie Arsen und mehr als 500 sogenannte Polyzyklische aromatische Kohlenstoffe (PAK). Sie sind ein natürlicher Bestandteil von Erdöl und nachweislich krebserregend. 90% des Wassers, das die Unternehmen dem Fluss entnehmen, um die Ölsande auszuwaschen, enden daher als Giftmüllschlacke. Dieser wird aufbewahrt in den "Klärteichen", die Dimensionen von Stauseen haben (allein der größte Ölsandverarbeiter der Welt, Syncrude, produziert täglich 500 000 Tonnen giftigen Feinschlamm). Doch die Dämme der Klärteiche sind eine tickende Zeitbombe. Die ältesten Dämme rund um die Auffangbecken sind 40 Jahre alt - und grenzen direkt an die Ufer des Athabasca. 2008 gab der Ölkonzern Suncor zu, dass eines der an den Fluss grenzenden Klärbecken leckt. Allerdings handelt es sich eher um eine Aufweichung als einen Bruch, wegen des feuchten Untergrunds - dadurch ist der Schaden noch schwerer zu beheben, wenn es je passiert. Bis dahin laufen, nach einer hydrologischen Studie der Universität Waterloo, Ontario, täglich 11 Millionen Liter der giftigen Schlacke in den Athabasca-Fluss. Der Gletscherstrom ist Teil des MacKenzie-Flusssystems, eines der größten Süßwasserbassins der Welt. Der MacKenzie wiederum mündet in die Beaufort-See im westlichen Nordpolarmeer, eines der letzten Gewässer, in denen große Schwärme von Kabeljau und Heilbutt leben. Jeff Short, Chemiker des Us-amerikanischen National Oceanic and Atmoshpheric Administration: "Die Auswirkungen (wenn der Schlick in das Ökosystem gelangt) wären für Jahrhunderte zu spüren" "

Zusammenfassung: Für zukunftsunfähiges Öl wird Wald gerodet, der Boden abgetragen, kahle Wüste hinterlassen, 3x so viel CO2 ausgestoßen wie nötig, Trinkwasser in giftigen Schlamm verwandelt, der Vögel, Fische und alle anderen Tiere bedroht und die Gesundheit aller ansässigen Menschen stark gefährdert, auf mehrer Weisen: unnötiger Wasserverbrauch, Vergiftung der Umwelt, das Risiko, dass die Dämme brechen und eine Umweltkatastrophe von unberechenbaren Ausmaßen verursachen.

Was sagt denn der Staat dazu? Der Staat bezieht Steuern und Gebühren. Davon sind ein Drittel von der Ölkonzernen. Wie das sich auswirkt, ist klar.

- Der Antrag der Bürgermeisterin eines Forts, McMurray - dessen Infrastruktur boomt -, die Entwicklung der Infrastruktur zu verlangsamen, um nicht an der Einrichtung/ Finanzierung der überfüllten öffentlichen Einrichtungen pleite zu gehen, wird abgewiesen: Sie habe zwar recht mit ihrer Analyse, aber das Risiko für die Stadt sei "akzeptabel".

- Das Umweltministerium von Alberta hat den Ölsandfirmen erlaubt, pro Jahr 70 Kilogramm Arsen im Arthabasca zu entsorgen.

- März 2006: Untersuchungen der Gesundheitsbehörde geben an, es gäbe kein erhöhtes Krebsrisiko.

- Februar 2009: Für die Zeit zwischen 1995 und 2006 gab es 51 Krebsfälle in Fort Chipewyan, die Zahl der Leukämiefälle lag deutlich über dem Durchschnitt von ähnlichen Gemeinden dieser Größe. Der neue Gesunheitsminister Ron Liepert erklärte, es ginge nur darum, die Gründe für die Erkrankungen zu untersuchen. Dabei werde man sich aber nicht nur auf Umwelteinflüsse konzentrieren, weil es ja alle möglichen Gründe für die erhöhten Werte geben könne. Und welche? "Sie wissen schon", sagte er den überraschten Reportern."Lebensstil und so was." Auch Dr. Tony Fields, Chef der Krebsabteilung des Gesundheitsamtes, will nichts überstürzen: '"Wir sollten sehen, was die nächsten fünf bis zehn Jahre bringen."

- Vier Tage später schrieb das "Edmonton Journal": " Traurigerweise agieren hochrangige Politiker und Bürokraten wie Verteidiger der Ölsandindustrie."

 

Es gibt ein Gesetz, nach dem die Unternehmen das Land nach dem Ende des Abbaaus "regenerieren" - nur wie und wann das geschieht, ist nicht festgelegt. Syncrude hat damit begonnen, auf den ausgebeuteten Flächen Bäume zu pflanzen, doch den natürlichen Borealwald kann dadurch nicht ersetzt werden. Und die zerstörte Tundra, die in ihren morastigen böden gigantische Mengen CO2 speichert, schon gar nicht.

 alt

Quelle: GEO, 07/Juli 2009 "Albertas giftiger Schatz", Zeitungsautor: Philipp Kohlhöfer
 

Weiterempfehlen

Kommentare (10)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
02.09.2010
Morgan hat geschrieben:
schrecklich...da gibts auch die größten lastwagen der welt(ich weiss nicht,wie ich grad draufkomm)
17.07.2009
voyageur hat geschrieben:
Also... ich war 1.5 Jahre in Kanada uA. genau in Fort McMurray und zwar um dort zu arbeiten. Da gab es halt das meisste Geld, unvorstellbar viel Geld. Das ganze Land ist im Oelrausch, die Gehalter liegen bei Handwerkern bei ca 40 Dollar/h (siehe: www.jobbank.gc.ca).
Ich fande es ueberaus interresant, muss ich sagen, direkt im Motor unserer jetzigen Gesellschaft (welchen die 2. groessten Erdoelvorkommen meiner Ansicht nach sehr gut verkoerpern) zu sehen. Das ist schon schrecklich zu sehen das dieser Motor, den eigendlichen Motor des Lebens, unsere Erde, vergiftet.
Aber es sind nicht Syncrude, Suncor oder Albian Sands (grosse Oelfirmen) die das voran treiben. Man hat halt keine anwendbare Alternative fuer alle zum Oel, zum jetzigen Zeitpunkt.
Meine Devise ist: Moeglichst schnell eine Alternative fuer alle zu finden und dazu das Oel zu nutzen. So werde ich es tun und nach meinem Studium (Internatinal Forest Ecosystem Management) wieder in die Oelfelder gehen um mir eine finanzielle Basis zu schaffen. Und zwar um zu versuchen mit nachhaltigen Enerien (neuen Technologieen) jetzt schon nachhaltig zu leben. Ob man direkt dort arbeitet oder aber Blume nverkauft, Froschteiche baut aber trotzdem Auto faehrt, heizt, Strom verbraucht etc. aber keine unabhaengige Alternative lebt.
Das macht, aus meiner Sicht, nur den Unterschied das man weg sieht und nicht erkennen will, das unentbehrliche Bestandteile des Alltages genau von dieser Energieversorgung abhaengen. Jeder einzelne traegt genau hierzu unabsichtlich taeglich bei. Aber es ist gut darauf aufmerksam zu machen und umso wichtiger die richtigen Schluesse zu ziehen.
Liebe Gruesse
16.07.2009
Karl hat geschrieben:
Der Artikel passt wie die Faust aufs Auge. Nur, dass die Fuast zu klein ist.
Es ist schrecklich, was dort passiert und das kaum einer davon weiß.
"Zum Glück" lohnt der Abbau erst ab einem Olpreis von 65$/Barrel.
Ich werd mir die Mondlandschaft in drei Wochen mal ansehen. Verdammt.
Was kann man da bloß machen, einen Kommentar ins Forum schreiben, hat jedenfalls noch niemandem geholfen... 
14.07.2009
Philipp hat geschrieben:
Tja und wenn dann irgendwann ein Damm bricht, ist die Hölle los und leider werden die Politiker und Ölfirmen erst dann erkennen was diese Giftschlacke der Umwelt alles antun kann. Ganz zu schweigen davon was dieser Ölabbau jetzt schon anrichtet.
14.07.2009
cappuccino hat geschrieben:
Entschuldigt bitte, dass die Bilder nicht mehr angezeigt werden. Das wird noch korrigiert!
03.07.2009
cappuccino hat geschrieben:
Danke für den Kommentar
Es ärgert mich auch sehr, und sobald ich eine Tankstelle sehe oder auch nur irgendetwas aus Plastik (is ja ganz selten heutzutage), denke ich sofort daran! In dem Fall kann man es eigentlich nur weiter erzählen und anprangern, nur leider stört es die meisten nicht - ist ja so weit weg, und überhaupt, nicht unser Problem!
Wir hatten sie abboniert, aber ich glaube, ich kaufe lieber dann einmal die Zeitung, wenn etwas wichtiges drin ist - die Ausgaben davor waren auch interessant, aber nicht für die AG. Übrigens darfst du NATÜRLICH weiter über die AG schreiben - hiermit ernenne ich dich zur Schriftführerin 1.Grades! Hoffentlich hat Kaffe nichts dagegen...
Liebe GRüße zurück, ich hab dich auch lieb!
02.07.2009
Loba hat geschrieben:
Mein Gott, Johanna!!
Okay, du wolltetst einen Kommentar:
WOW!! Danke für die Zusammenfassung, war sehr hilfreich. Hattest du nichts zu tun an dem Tag?!?
Nein, mal im Ernst: Dein Artikel ist super, obwohl das Thema für mich unverständlich ist und die Kommentare der Politiker mir nur ein Kopfschütteln abringen konnten.
Muss ein Haufen Arbeit gewesen sein. Leider wird sowas viel zu wenig/zu leise publik gemacht..
Die GEO wäre warscheinlich auch gutes Material für die AG und unsere Planungen. Habt ihr die abonniert??

Liebe Grüße, hab dich lieb & schönes Wochenende,
Lisa

PS: Ich will nie wieder hören, dass du schlechte Berichte schreibst. Meine sind dagegen ein Witz. Darf ich trotzdem weiter von der AG berichten?!? ;-)
01.07.2009
keksy hat geschrieben:
ja hab den artikel auch gelesen, einfach unverständlich... die gier des menschen.... wirklich guter artikel
30.06.2009
HannaS hat geschrieben:
Scheint ein sehr guter Artikel gewesen zu sein, vielen Dank fürs online stellen.
Unglaublich, dass so etwas überhaupt noch möglich sein kann in unserer ach so aufgeklärten Welt... Von wegen menschliche Vernunft.
30.06.2009
Franzi hat geschrieben:
Mein Gott das ist ja echt schrecklich... ich wusste gar nicht dass sowas auch in Kanada passiert! Aber das ist doch wiedermal typisch, sobald es um Öl geht werden die Menschen gierig und verlieren jegliche Vernunft. Jeder gesunde Menschenverstand müsste einem doch eigentlich schon sagen dass das auf Dauer Nachteile für jeden bringt. Schon allein weil Öl noch nicht mal ein Zukunftsfähiger Rohstoff ist!
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Mitglied des Monats
teaser_221.png


Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil
Folgen und mit Freunden teilen