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Hilfe, Fußgänger!


von LaLoba
27.07.2010
75 P
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Ahnungslos gehe ich morgens zum Früstückstisch und sehe die aufgeschlagene Zeitung. Der Report auf der rechten Seite fällt mir sofort ins Auge: "Wer in Amerika kein Auto fährt ist suspekt" lautet der Titel. Ich beginne zu lesen - und rege mich mal wieder auf.

Die Bürger Washingtons sind sehr umweltbewusst, sie kaufen nach möglichkeit biologische Artikel, verwenden Energiesparlampen und so weiter. Aber wenns ums zu Fuß gehen oder gar Busfahren geht, hört der gute Wille auf. Wer das Auto zu Hause stehen lässt, um mal zu Fuß zur Arbeit geht, bekommt sofort schiefe Blicke und wird schnell als kriminell eingestuft. Eine alte Dame, die nicht mehr zur nächsten Bushaltestelle laufen konnte, weil der Weg zu gefährlich war, bekam das zu spüren. Ihre Nachbarn wehrten sich gegen einen Fußgängerweg mit der Begründung, dass ein Gehweg Kriminalität in die Gegend bringen würde.

So weit noch amüsant. Bei einem Einkaufszentrum in der Nähe von Washingtion wurde es dann schon weniger witzig. Die Betreiber wehrten sich ebenfalls erfolgreich gegen eine Bushaltestelle und die Verlängerung eines Gehwegs zum Kaufhaus. Nun muss man, wenn man zum Kaufhaus möchte, eine breite Straße überqueren. Eine ältere Frau ist dabei vor kurzem ums Leben gekommen.

Das ändert aber nichts an den Vorstellungen von Washingtons Politikern. Die sind ständig bemüht, möglichst viel Platz für Autos zu schaffen - und das auf Kosten von Fußgängern, Fahrrad- und Busfahrern. Ein Großteil der Busfahrer sind Schwarze. Was das Image von Bussen natürlich hinabsetzt. Die meisten Weißen fahren nun einmal mit den Auto. Das dachte zumindest der Verkehrsplaner von Montgomery County und wollte in diesem Jahr ein Drittel der Busnetzte stilllegen - um unter anderem den Bau einer neuen Autogarage finanzieren zu können. Allerdings hatte er mit einem nicht gerechnet: Einige der Buslinien führen zu einem großen Medizinforschungskomplex. Und die dortigen, natürlich nicht gerade zur armen Bevölkerung gehörenden, Akademiker waren von der geplante Flachlegung der Busstrecken überhaupt nicht erfreut. Sie demonstrierten zu Hunderten. Am Ende wurden die Buslinien vorerst verschont - weil die County es nicht schaffte, rechtzeitig den ersten Spatenstich für die neue Garage zu setzen.

Für die Bevölkerungsschicht, die auf den Bus angewiesen ist, hätte die Stilllegung ihre Existenz bedroht. Ohne den Bus kommen sie nicht zur Arbeit, wodurch sie diese nicht weiter ausführen und demnach auch kein Geld einnehmen können. Diese Menschen scheinen aber nicht wichtig zu sein. Im Gegensatz zu den Normalverdienern mit ihren drei Autos in der Garage und einem Schadstoffausstoß, bei dem unsereins die Luft wegbleibt.

Wirklich umweltbewusste Amis haben es also nicht leicht. Die Busfahrgäste wissen häufig gar nicht, wann der nächste Bus kommt. Denn ein Plan hängt an den Haltestellen in Montgomery County nicht. Sich mitten im Winter auf eine als Schneeablage missbrauchte Verkehrsinsel ohne Fußgängerstreifen an eine Bushaltestelle zu stellen und auf einen Bus zu warten, der vielleicht gar nicht kommt, braucht zugegeben einige Überwindung und ein ordentliches Durchhaltevermögen. Schön, dass es trotzdem Menschen gibt, die es tun!

Quelle: GNZ, 21.6.10

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Kommentare (6)
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29.07.2010
Killari hat geschrieben:
Leute, die für ein paar Meter das Auto nehmen, gibt es in Deutschland aber auch zur Genüge. Die Nachbarn meiner Eltern fahren z.B. die 300m zum Sportplatz, um dort joggen zu gehen. Ob die nicht selber merken, dass das paradox ist?
28.07.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
*kopfschüttel* Die liegen ja in der Entwicklung ganz schön weit zurück.
28.07.2010
Morgan hat geschrieben:
die sind doch nicht mehr ganz dicht!
Kriminelle Fußgänger,soso.In den meisten Filmen fliehen die Bösen aber immer mit einem Auto oder so.Und:Ein Fußgänger kann kein Auto über"laufen"!!!
28.07.2010
LaLoba hat geschrieben:
klar braucht da jeder ein auto, weil die busse ja so selten bzw. unregelmäßig kommen. das hängt irgendwie alles zusammen ...
und zum in die schule fahren: in dem report stand auch noch, dass die polizei in missouri mal ein kind aufgegriffen hat, das die familie einen knappen kilometer zur bushaltestelle hatte laufen lassen. darauf hatte jemand die polizei angerufen, die das kind dann tatsächlich bis zur bushaltestelle gefahren und den eltern eine verwarnung gegeben hat. das ist doch irgendwie völlig übertrieben!
28.07.2010
L0leka hat geschrieben:
oh mann ja! die amis sind manchmal echt krank drauf. Hab auch mal einen ähnlichen bericht über einen Fahrradfahrer in New York gelesen... der hat auch gemeint, er riskiert täglich sein leben, wills aber durchziehen! das fand ich total cool. allgemein die einstellung von den amis - immer schön motor laufen lassen, wegen der klima anlage... und natürlich braucht jeder SOFORT ein auto, wenn er auch nur ANFÄNGT, den führerschein zu machen... als ich mal in amerika war (ich war auch noch in texas! x.x) ist mir das auch sofort aufgefallen. sogar die (ohne witz!) 100 Meter in die Schule hat meine Tante ihre Tochter jeden Tag gefahren... ARGEL! :]
27.07.2010
LaLoba hat geschrieben:
So was ist echt unglaublich! Ich werde ab August selbst für ein High-School-Jahr in die USA fliegen. Mal sehen, was ich so in der Hinsicht erlebe!
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