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© Wild Wonders of Europe / Sven Zacek / WWF
Folge der gelben Köpfe Schrei


von Janine
08.04.2009
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Bergauf, bergab, bremsen, "Vorsicht, da gab es einen Erdrutsch!", Scheibenwischer an, Scheibenwischer aus, tanken, "Noch eine Stunde.", tote Possums am Straßenrand, noch ein Müsliriegel, der 4. für heute, eine letzte Kurve und dann - das Ziel. Hier angelangt fahren wir langsam über den erdigen Parkplatz, um das Auto abzustellen. Geschafft. Ob es sich gelohnt hat, die vierstündige Fahrt hinter uns zu bringen? Aus dem Auto ausgestiegen, hören wir gleich das Meer rauschen. Um uns herum hunderte von Bäumen und Vögeln. Dafür ist kaum ein anderes Fahrzeug zu sehen. Aber ist das nicht ein schlechtes Zeichen? Ist es doch noch zu früh?
Nun sind wir jedenfalls da, ganz im Norden von Neuseeland. Wir sind hier, um eine der größten Tölpelkolonien anzusehen, die dieses Land zu bieten hat. Ermattet von der Fahrerei wollen wir uns aber erst noch ein wenig Ruhe gönnen und natürlich auch das nächste WC aufsuchen, denn einen abschließenden Besuch auf der öffentlichen Toilette hat bisher jede lange Autofahrt mit sich gebracht.
Nachdem wir uns gestärkt haben, gehen wir los. In welche Richtung? Das müssen wir erst noch herausfinden. In Richtung des großen Felsens scheint einleuchtend, denn die Tölpel vollziehen ihren Nestbau an den Klippen am Meer. Wir wählen den direkten Weg. Nach einem Fußweg von etwa 10 Minuten erreichen wir das Gestein. Eine lange Treppe führt vom Sandboden bis hinauf auf den höchsten Punkt der harten, ausgewaschenen Felswand. An der ersten Stufe angekommen, erblicken wir ein Schild: "No Access - do not disturb breeding birds. Please use other way". Einen anderen Weg.. Gibt es überhaupt einen? Und wo befindet er sich? Von unseren bisherigen Erfahrungen wissen wir, dass auch schmale, kaum überwindbare Engen als Weg bezeichnet werden. Einen anderen Weg.. Aber immerhin scheinen wir den richtigen Zeitpunkt getroffen zu haben. Suchend schauen wir uns um. Sind noch andere Menschen hier, die ebenfalls gekommen sind um sich die Vögel anzusehen? Ja. Nach kurzer Zeit entdecken wir, wie 2 Männer, bepackt mit einer umfangreichen Kameraausrüstung, hinter einer Biegung hervorkommen. Schnell bewegen wir uns auf sie zu, um sie nicht zu verpassen. Zwei Minuten später gehen wir durch einen dichten Wald. Hier wächst vor allem Baumfarn, den wir nun schon so oft zu Gesicht bekommen haben. Plötzlich werde ich am Ärmel meiner Jacke festgehalten - "Bleib stehen!" Ich leiste Folge und starre in ein verzücktes Gesicht. "Da oben!" Nun sind wir alle drei mucksmäuschenstill. Im Geäst eines Baumes erblicken wir neben den grünen Blättern auch Rote und Blaue. Nach einer schnellen Analyse stellen wir fest, dass es sich bei den roten und blauen Anteilen der Baumkrone um zwei Papageien handelt. Sie sind soweit oben, dass wir sie bloß an ihrem auffälligen Federkleid erkennen können. Nach gefühlten 2 Stunden der Faszination beschließen wir weiter zu gehen. Denn zu den Tölpeln ist es noch ein strammer Fußmarsch. Unterwegs treffen wir auf eine Möwe, die unter großer Anstrengung versucht, einen Tintenfisch, der zwischen ein paar Steinen am Wasser Schutz gesucht hat, heraus zu zerren. Ob er es schafft, werden wir nicht erfahren. Da! Der erste gelbköpfige Vogel fliegt über uns hinweg. Von Weitem hören wir das wilde ohrenbeteubende Kreischen, das sich über die ganze Küste legt. Wir sind am Ziel. Hunderte von Tölpeln besiedeln die steilen Felsen, die, ein paar Meter entfernt vom Festland, frei im Meer stehen. Ihre Nester haben sie aus kleinen Zweigen, Algen, Gräsern, aber auch Abfall zusammengebastelt. Wir können deutlich erkennen, dass jedes Paar sein eigenes Territorium hat. Die Nester liegen dicht beieinander, der Abstand zwischen ihnen ist nur so breit, dass gerade mal zwei Tiere nebeneinander an ihnen vorbei laufen können. Die Szenen, die sich uns bieten sind spektakulär. Einer der Tölpel fällt beim Besteigen eines Weibchens von ihr herunter und kugelt ins Nachbarnest. Hier wird ihm gleich die Luft abgedrückt. Der Hausherr hält den Ungeschickten mit seinem Schnabel am Hals fest. Immer stärker drückt er zu und immer länger muss der Andere verharren. Nach einer Minute ohne Luft wird von ihm abgelassen und verdattert macht sich das Opfer auf den Weg zurück zum eigenen Nest. Dabei kommt er an einer ähnlichen Situation vorbei: Ein Männchen, das von fünf Anderen umzingelt ist. Es kann sich durch die Schnäbel, die sich überall um ihn herum befinden, nicht mehr vom Fleck bewegen. Beinahe jedes Körperteil wird festgehalten. Nebenbei macht sich ein Unbeteiligter am Nest des Festgehaltenen zu schaffen. Nach und nach hebt er Gras, Müll und Holz ab und schleppt das Diebesgut zu seinem noch mickrigen Häufchen.
Brutstätten und Adulte sehen wir viele, aber gibt es auch schon Küken? Wir gucken genauer hin. Nein, wir können keines entdecken. Dafür beobachten wir massenweise Tölpelalltag. Jedes Pärchen ist erpicht darauf, das schönste, größte und gemütlichste Nest zusammenzuklamüsern. Hier werden wir noch einige Zeit bleiben, denn vor unseren Augen spielt sich der spannende Kampf ums Überleben ab, dem sich die Tiere täglich aufs Neue stellen müssen.

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