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© Alexei Ebel / WWF-Canon
Eine gewagte Kombination


von Franzi
27.07.2013
78 P
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Ja, ich muss zugeben, ich war gelinde gesagt irritiert. Wie so oft, wenn man mit etwas konfrontiert wird was man auf den ersten Blick nicht versteht, war meine automatische Reaktion: das geht doch nicht! Wie kommt man nur auf so eine Idee?! Aber vielleicht lohnt es sich in diesem Fall doch zumindest mal darüber nachzudenken...

Worum es geht? Um die Kreuzung von Biolandbau und Gentechnik.

Auf diese abenteuerliche Idee kam ein amerikanisches Ehepaar, Raoul Adamchak und Pamela Ronald. Er, ein passionierter Biobauer wie aus dem Bilderbuch, hat Insektenkunde und internationale Landwirtschaftsentwicklung studiert und zeitweise in Südamerika gelebt, um Praxiserfahrungen in ökologischen Anbaumethoden zu sammeln. Nachdem er selbst zehn Jahre lang als Farmer gearbeitet hat, ist er nun an der University of California in Davis beschäftigt und leitet dort den Versuchsbiogarten und unterrichtet Studenten in Philosophie und der Kunst des Biolandbaus. Adamchak ist ein leidenschaftlicher Gegner der „High-Input-Landwirtschaft“, da sie einen viel zu hohen Energiebedarf hat, die Gewässer gefährlich überdüngt, landwirtschaftliche Nutzflächen zerstört und Tiere und Farmer krank macht. Eine nachhaltige Landwirtschaft ist für ihn die einzige Lösung.

Sie ist Professorin für Pflanzenpathologie an der UC Davis und arbeitet an einer Genveränderung von alten Reissorten. Wie das zusammen passen kann? Pamela Ronald sagt: „Wir sind beide überzeugt, dass wir mit Technologien arbeiten, die dazu beitragen können, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.“

Denn darum geht es schließlich! 1950 standen weltweit für jeden Menschen noch 0,5 Hektar Ackerboden zur Verfügung, im Jahr 2050 werden es voraussichtlich nur noch 0,2 Hektar sein. Auch wenn wir statistisch gesehen genügend Lebensmittel produzieren, um die ganze Weltbevölkerung zu ernähren, dem Bauern in Bangladesch oder Kenia hilft das wenig.

In ihrem gemeinsamen Buch „Tomorrow’s Table“ beschreibt das Ehepaar ihr Prinzip und erläutert, dass ihrer Meinung nach jede Anbaumethode zulässig sei, wenn sie ausreichend nahrhafte und sichere Nahrung produziere, die Bodenfruchtbarkeit erhöhe, Umweltschäden verringere und gesunde Arbeitsbedingungen für die Landwirte sichere. Die ökonomischen Bedingungen der Gemeinden und das Leben der Menschen müssten verbessert werden und nicht zuletzt müsste auch das Genom einheimischer Pflanzen geschützt und die genetische Vielfalt von Feldfrüchten erhöht werden.

Und schon wären wir wieder beim Thema Reis, denn dieser ist Grundnahrungsmittel der halben Weltbevölkerung und Lebensgrundlage vieler Bauern. Die meisten dieser Reisbauern leben in Südostasien und werden von Ernteausfällen besonders hart getroffen. Diese werden zumeist durch Überschwemmungen ausgelöst, denn wenn die Reispflanzen länger als eine Woche komplett unter Wasser stehen, betragen die Ernteausfälle zwischen 10 und 100%.

Mehr als 40 Jahre hatten Forscher versucht, durch natürliche Züchtung die Reispflanzen resistenter gegen Überschwemmungen zu machen, doch die Züchtungen wiesen immer eine verminderte Qualität oder geringere Erträge auf.

In Zusammenarbeit mit einem Team konnte Pamela Ronald nun das entscheidende Gen im Labor identifizieren und es gentechnisch in die beliebteste Reissorte integrieren. Ganz ohne Lizenzgebühren wird dieser Reis nun seit 2011 von mehr als einer Millionen Bauern in Bangladesch und Indien angepflanzt, die Erträge konnten enorm gesteigert werden.

Und was sagt Raoul Adamchak dazu? Er hat hauptsächlich die Vorteile der genveränderten Pflanze im Blick: „Wir Ökolandwirte könnten diesen Reis durch gezielte Überflutungen von Unkraut befreien – und damit ganz ökologisch auf Herbizide verzichten.“

Auch bei Dürren sieht Adamchak Vorteile einer Kombination von Gentechnik und Ökolandbau: „Dem Boden durch Kompost und Fruchtfolgen organisches Material zuzuführen ist eine Methode des Biolandbaus, die sich bewährt hat, um Regenwasser im Boden zu speichern. Wenn man dann noch genetisch veränderte Pflanzen mit Trockenheitstoleranz anpflanzen würde, könnte dies einen signifikanten Unterschied machen.“

Natürlich gibt es viele Kritiker dieser Ideen, insbesondere aus dem Lager der Biobauern. Zumeist richtet sich die Kritik an genveränderten Pflanzen jedoch nicht gegen die Technik selbst, sondern gegen Großkonzerne wie Monsanto und ihre Geschäftspraktiken. Leider ist es nämlich so, dass die Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen für Gentechnik so teuer ist, dass sich das nur große und finanzstarke Unternehmen leisten können, die dann eine enorme Macht hätten.

Pamela Ronald betont, dass es ihr schlicht darauf ankäme, dass die Menschen aus ihrer Schwarz-Weiß-Sicht von Gentechnik herauskämen. Wie bei fast allen neuen Methoden gibt es Vor- und Nachteile und man muss sehr genau aufpassen, wohin einen neue Technologien führt und was die Folgen sein können. Aber das genetisch veränderte Pflanzen per se „böse“ oder gar „giftig“ seien, weist sie entschieden zurück: „Transgene Pflanzen müssen so sicher sein wie herkömmliche, sonst werden sie nicht zugelassen.“ Und nur aus Angst vor der Gentechnik auf hochgiftige Pestizide zurückzugreifen hält sie für fatal.

So können Biolandbau und Gentechnik vielleicht doch in ausgewählten Bereichen zusammenpassen. Auf keinen Fall sollte transgenen Pflanzen nun ein Freibrief erteilt werden und die Machenschaften von Monsanto und Co bleiben ein riesiges Problem. Aber in einem hat Pamela Ronald definitiv Recht: Schwarz-Weiß-Malerei hat noch niemanden weitergebracht. 

Quelle:

DIE ZEIT N° 31 Printausgabe S. 29 

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Kommentare (16)
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Himbaerchen hat geschrieben:
interessant :))
29.07.2013
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29.07.2013
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28.07.2013
Monamona hat geschrieben:
Ziemlich spannend. Ich muss mal drüber nachdenken... :)
28.07.2013
Westernpferdle hat geschrieben:
Interessant! ;-)
Habe auch noch nie davon gehört;)
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