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Die Philosophie der Tiere


von Marcel
15.11.2012
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Am 15. November 2012 feiert die UNESCO zum zehnten Mal den Welttag der Philosophie. Anlass für uns, einmal zu schauen, wie wir Menschen im Laufe der Geschichte eigentlich über Tiere gedacht haben...

Platon (428 / 427  bis 348 / 347 v. Chr.): Tiere sind unvernünftig

Der Mensch wird im Mythos des Protagoras Opfer einer Unachtsamkeit: Als die Götter die Lebewesen mit Fähigkeiten ausstatten, vergessen sie den Menschen, der schutzlos den Tieren ausgeliefert ist. Erst als Hermes ihnen Recht und Scham verleiht, können die Menschen friedlich zusammenleben und sich gegen wilde Tiere verteidigen. Tiere besitzen weder Vernunft noch die Kunst der Politik.

Altes Testament: Tiere sind des Menschen Untertan

Im Alten Testament bildet die Schöpfungsgeschichte das theologische Fundament für ein dualistisches Verständnis von Mensch und Tier: „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen in unserem Bilde, nach unserem Gleichnis; und sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über das Gevögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das sich auf der Erde regt!“
(Genesis 1: 20–27)

Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.): Der Mensch, das politische Lebewesen

Der Mensch ist ein politisches Lebewesen (zoon politikon) und teilt diese Eigenschaft mit Herdentieren wie Ameisen und Bienen, denn sie vollbringen im Zusammenleben eine gemeinschaftliche Leistung (koinon ergon). Der Mensch ist dennoch ein höheres politisches Tier, da nur er über Vernunft (logos) und Sprache verfügt.
("Tierkunde" und "Politik", Entstehungszeit unbekannt)

Michel de Montaigne (1533 bis 1592): Der Mensch, Gespiele des Tieres

"Wenn ich mit meiner Katze spiele", fragt Montaigne, "wer weiß, ob sie nicht vielmehr mit mir spielt?" In seinem provokanten Essay "Apologie für Raymond Sebond" gibt sich Montaigne als Advokat der Tiervernunft. Indem Montaigne den Tieren traditionell menschliche Fähigkeiten wie Sprechen und Denken zuschreibt, kritisiert er das eingebildete Selbstbild des Menschen.
("Essays", Zweites Buch, XII. Hauptstück, "Apologie für Raymond Sebond", 1580)

René Descartes (1596 bis 1650): Tiere sind Maschinen

In Descartes’ mechanischem Weltbild gleichen Tiere Maschinen. Sie handeln einzig nach der Disposition ihrer Organe; ihre Schreie bedeuten nicht mehr als das Quietschen eines Uhrwerks. Auch der menschliche Körper gleicht einer Maschine, besitzt allerdings eine davon getrennte Seele, die dem Menschen Sprache und Vernunft verleiht.
("Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs", 1637)

Immanuel Kant (1724 bis 1804): Tiere sind amoralisch

Tiere sind amoralisch, weil sie sich nicht von ihren Instinkten distanzieren können. Folgt der Mensch seiner "Anlage zur Tierheit" und nicht den moralischen Gesetzen, verfehlt er demnach seine Menschlichkeit. Zwar sollen Tiere nicht gequält werden, aber nur damit das Mitgefühl für andere Menschen nicht abstumpft.
("Die Metaphysik der Sitten", Zweiter Teil, 1797; "Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft", 1793–94)

David Hume (1711 bis 1776): Der Mensch, das Gewohnheitstier

Hume unterzieht den menschlichen Verstand einer skeptischen Untersuchung: Wie Tiere verlassen sich auch Menschen instinktiv auf die Gewohnheit, anstatt zu reflektieren. Beide, Mensch und Tier, können "von der Erfahrung lernen und von ihr annehmen, dass dieselben Wirkungen immer denselben Ursachen folgen.“
("Untersuchung in Betre! des menschlichen Verstandes", Abteilung IX: "Über die Vernunft der Tiere", 1748)

Friedrich Nietzsche (1844 bis 1900): Der Mensch, das Tier in Ketten

Gegen das christliche Weltbild erklärt Nietzsche: Der Mensch ist "durchaus keine Krone der Schöpfung, jedes Wesen ist, neben ihm, auf einer gleichen Stufe der Vollkommenheit". Moral, Religion und Metaphysik haben den Menschen in Ketten gelegt, sodass er verlernt hat, sich "wie ein Thier zu gebärden". Besonders hoch angesehen hat Nietzsche den Löwen; lediglich das Kind in seiner kompromisslosen Weltbejahung erreicht noch eine höhere Entwicklungsstufe.
("Der Antichrist", 1888, „"Menschliches, Allzumenschliches II", 1878, "Also sprach Zarathustra", 1883–85)

Martin Heidegger (1889 bis 1976): Tiere sind weltarm

Die Beziehung zur Welt ist bei Mensch und Tier eine jeweils andere. Die Welt des Menschen ist reicher als die des Tieres, da der Mensch ein und dasselbe Seiende unterschiedlich auslassen kann. Die Welt des Menschen vermag sich über Generationen zu verändern, die Welt des triebgesteuerten Tieres bleibt immer gleich. Tiere sind "weltarm", Menschen dagegen "weltbildend".
("Die Grundbegriffe der Metaphysik: Welt, Welt, Endlichkeit, Einsamkeit", 1929/30)

Peter Singer (*1946): Der Mensch, ein Lebewesen ohne besonderen Wert

Der australische Philosoph Peter Singer hinterfragt die dualistische Position aus der Perspektive des Tierschutzes. In Analogie zu Rassismus und Sexismus bezeichnet Singer die Nichtberücksichtigung der Interessen von Tieren als "Speziesismus". Der moralische Wert eines jeden Lebewesens bemisst sich einzig an seinen Fähigkeiten. Demnach unterscheiden sich nicht alle Menschen prinzipiell von Tieren, sondern nur diejenigen mit höheren geistigen Kompetenzen.
(„Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere“, 1975)

Wie denkt ihr über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier? Welche Position haben Tiere in eurem Weltbild? Was unterscheidet uns von Tiere, was haben wir gemeinsam? Wir sind sehr gespannt auf eure Meinung!

 

Texte mit freundlicher Genehmigung des Philosophie Magazins. (Philosophie Magazin 6/2012)

Fotos: © Jenny Klestil / WWF; © James Grabmeier / WWF; © Jonne Seijdel / WWF Netherlands; © Anup Singh / WWF; © Michael Poliza / WWF; © Michael Poliza; © Jonathan Fieber, igreen-media / WWF; © Michael Poliza / WWF; © Michael Poliza; © Michael Poliza

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Kommentare (7)
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15.11.2012
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Gelöschtes Mitglied hat geschrieben:
Wir machen auch grade Philosophie in Ethik, bisher hatte ich nichts gegen Platon, aber seine Aussage hier finde ich doch etwas heftig. Ich finde sehr wohl das Tiere eine Seele und ein Bewusstsein habebn
Unsere Katze war 3 Tage beleidigt nachdem wir aus unserem langen Urlaub zurück war, und sie sind eifersüchtig aufeinander. soviel dazu das Tiere keine Vernunft besitzen ;)
15.11.2012
Sandsturm hat geschrieben:
Ich stimme Nietzsche und Singer zu. Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung. Der Mensch ist (mindestens biologisch gesehen) ein Tier.

Was für ein Zufall (oder auch Schicksal?), ich habe heute eine Philosophie-Klausur geschrieben und ausgerechnet heute erscheint dieser Bericht. Wir nehmen gerade Heidegger ("Tiere sind weltarm") im Unterricht durch.
15.11.2012
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Tiere haben eine Seele. Höher entwickelte Säugetiere sind natürlich viel bewusster als Insekten zum Beispiel. Ich würde nicht sagen, dass eine einzelne Ameise viel Bewusstsein hat , denn ich denke sie gehören einem großen Bewusstseins/Seelenkollektiv an, das den ganzen Ameisenstaat umfasst. Menschen haben eine Seele. Die Tiere sind unsere Geschwister.
Der Mensch ist den Tieren sehr ähnlich, aber ist KEIN Tier.
Es gibt einen riesengroßen Unterschied und das ist ...na sehr doch selbst: Die ganze Welt, die wir nach unseren Vorstellungen geformt haben, verseucht haben,...
Nein, ich würde uns nicht als Tiere bezeichnen. Wir sind irgendwas anderes. Menschen eben, auch wenn es das nicht näher definiert. Wir verhalten uns so merkwürdig.
Und doch wie Tiere. Wir tun genauso essen, schlafen, ausscheiden, uns paaren...
Aber ich kann uns nicht als Tiere bezeichnen. Dafür sind einige Aspekte einfach so anders und so merkwürdig irgendwie...ich kann auch nicht glauben, dass wir allein von den Affen abstammen. In so kurzer Zeit. Klar sind wir mit ihnen verwandt...aber...
Nee. Das passt alles nicht.

In meinem Weltbild haben Tiere eine sehr hohe Position. Weil ich weiß, dass jedes Tier eine bewusste Seele ist und hinter diesen schönen Schädeln viel mehr vorgeht, als wir uns vorzustellen wagen ( manche wenige Menschen zum Glück schon).
Tiere können uns viel lehren. Sie sind uns als Lebewesen total ebenbürtig.
15.11.2012
Zerschmetterling hat geschrieben:
Der Mensch IST ein Tier.

Ich habe ja auch mal Berichte geschrieben ("Was Tiere fühlen" und "Wir sind eins"), und desto mehr ich mich mit den Tieren und uns Menschen auseinandergesetzt habe, desto deutlicher wurden mir die Ähnlichkeiten.

So wie sich andere Tierrassen von früher bis heute zu den jetztigen Arten entwickelt haben, haben wir uns über Jahrhunderte zu unserer heutigen Spezies entwickelt.

Ich kann es wirklich nicht verstehen, und auf keinem Weg nachvollziehen, wie jmd. sagen kann, wertvoller als eine andere Rasse, ergo als Tiere, zu sein. Das ist mir schleierhaft. Bei manchen Dingen kann ich sagen: "Ich bin anderer Meinung, kann aber nachvollziehen, wie du dir Deine gebildet hast." Klappt bei diesem Thema gar nicht.

Menschen sind sich selbst gegenüber nicht mehr ehrlich. Sie verleugnen einen Teil von sich, von dem sie möglicherweise glauben, der sei schlecht. Das Bild mit den kopolierenden Löwen zeigt ganz gut, warum Menschen meinen, anders zu sein. Denn es wirkt roh und wild. Von Zärtlichkeit keine Spur.
Aber das Foto mit den schmusenden Löwen zeigt Gefühle.
Sein wir ehrlich. So sind Menschen auch!
In dem einen Moment verschmust, und in dem anderen schalten sie das Gehirn aus (zumindest den Männern gelingt das sehr gut) und wollen nur ... Gene weitergeben oder aufnehmen.
15.11.2012
Löschen
Gelöschtes Mitglied hat geschrieben:
gelöscht
15.11.2012
castronioni hat geschrieben:
Warum sagt jeder das Menschen den Tieren überlegen sind... Es mag ja stimmen , aber Menschen sind AUCH Tiere! Das ist wissenschaftlich bewiesen und es ist unabstreitbar!
15.11.2012
Löschen
Gelöschtes Mitglied hat geschrieben:
Warum wird immer nur zwischen Mensch und Tier unterschieden? Es gibt so viele verschiedene Tierarten, dass dieser Vergleich nicht aufgehen kann. Tier ist nicht gleich Tier.

Jede Art ist anders. Das Aussehen, die Art zu atmen, die Sprache, die Gewohnheiten, die Ernährung, die einen sind Nachtaktiv, die anderen am Tag. Der Mensch ist in meinen Augen ein Lebewesen, dass einfach nur anders als die meisten anderen Lebewesen lebt. Der Mensch ist nicht besser, aber auch nicht zwangsläufig schlechter. Einfach nur anders.

Ja der Mensch hat Fähigkeiten, die andere Lebewesen nicht haben. Dafür haben andere Arten Fähigkeiten die wir seit Jahrhunderten versuchen nachzuahmen.

Tiere handeln nach ihrem Instinkt. Der Mensch etwa nicht? Wir atmen weil es uns unser Instinkt sagt, wir essen wenn wir hunger haben, trinken wenn wir durstig sind und schlafen wenn wir müde sind und danach wachen wir wieder auf. Alles Instinkte auf die unser Körper hört.

Haben Tiere eine Seele? Keine Ahnung. Haben Menschen eine Seele? Keine Ahnung. Es gibt Dinge die wir zwar annehmen, aber wie will man beweisen, dass der Menschen eine Seele hat oder der Löwe keine?

Der einen Art etwas zuzuschreiben, oder abzusprechen ist einfach nur eine Rechtfertigung des eigenen Handeln.
Wenn ich jemanden abspreche Schmerzen empfinden zu können, dann meckert auch keiner wenn ich diesem jemand Schmerzen zufüge. Wenn ich einer Art die Fähigkeit zu leiden abspreche, geht niemand dagegen vor, dass ich sie aus ihrer natürlichen Umgebung reiße, einsperre, von der Familie trenne und am Ende vll sogar töte.

Es gibt eines, was jedes Lebewesen, egal ob in der Luft, im Meer oder auf dem Festland verbindet: Alle wollen frei sein und ihr Leben leben.
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