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© Alexei Ebel / WWF-Canon
Der Fuchs mit Hundeeigenschaften - Genforschung zur Domestikation


von LaLoba
29.04.2011
75 P
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Warum kann man Pferde zähmen, aber Zebras nicht? Wie kommt es, dass der Wolf von allen Tieren der erste war, der sich den Menschen angeschlossen hatte? Und woher kommt diese große Farben- und Größenvielfalt bei vielen Haustieren, die man sonst bei den wilden Verwandten vermisst? Diese und weitere Fragen stellten sich Wissenschaftler schon lange. Aus der Frage ist eine Suche geworden. Die Suche nach dem Gen, das für Domestikation verantwortlich ist.

In den 50'er Jahren war dank Diktator Joseph Stalin Genforschung in der Soviet Union verboten. Es wurde eine falsche Wissenschaft genannt. Dennoch waren die Brüder Dmitry und Nikolay Belyaev von dieser neuen Forschungsrichtung fasziniert. Als sie trotz aller Verbote weiterhin Nachforschungen anstellten, verlor Dmitry Belyaev seinen Job. Seinen älteren Bruder traf es noch härter. Er wurde in ein Konzentrationslager geschickt, wo er später starb. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, führte Dmitry Belyaev seine Forschungen fort und tarnte sie als Studien über Tierphysiologie. Sein großes Interesse war die Frage, wie so viele verschiedene Hundearten aus dem Wolf entstehen konnten. Um diese Frage zu beantworten, entschied er sich jedoch nicht für das Logische: der Forschung am Wolf oder heutigen Hund. Er ging in eine ganz andere Richtung.

Belyaevs Experiment begann mit dem Finden und Zusammentragen von den freundlichsten und ruhigsten Füchsen, die er bekommen konnte. Dafür sendete er Studenten (natürlich gegen Bezahlung) zu verschiedenen Fellfarmen in der Soviet Union und diese brachten ihm die gewünschten Füchse. Zu dieser Zeit begann man sich langsam mehr für Genforschung zu interessieren und Belyaev baute seine Forschungseinrichtungen in der Nähe des neuen Institute of Cytology and Genetics in Siberien auf. Dennoch verschwieg er alles, was mit Genen zu tun hatte und sein Fuchsfarm Experiment konnte heimlich beginnen. Dieses Experiment zur Forschung von Domestikations Genen bestand aus dem Züchten von menschenfreundlichen Füchsen. Aus jeder Generation der gezüchteten Füchse suchte er diejenigen heraus, die sich Menschen gegenüber am wenigsten ängstlich benahmen. Für einen Kontrast züchtete er auch eine Gruppe besonders aggressiver.

Schon bei der vierten Generation in 1964 konnten sie Veränderungen feststellen. Die erste scheinbar kleine, doch beeindruckende Veränderung war das Schwanzwedeln eines Fuches, als dieser einen der Forscher/Pfleger kommen sah. Von da an begannen sich die Füchse immer mehr wie Hunde zu benehmen: vom Schwanzwedeln ging es bis zum freudigen Hochspringen und Gesicht ablecken. In den Siebzigern nahm einer der Arbeiter der Fuchsfarm einen der Füchse zu sich nach Hause. Als eine andere Fuchsforscherin ihn besuchen kam, beobachtete sie erstaunt, wie der Arbeiter den Fuchs wie einen Hund spazieren führte. Ohne Leine. Zuerst reagierte sie erschrocken, sie wollten den Fuchs nicht verlieren, er gehörte schließlich zum Institut. Doch der Arbeiter beruhigte sie sofort. Einmal Pfeiffen und Rufen und der Wolf kam freudig zurückgerannt.

Doch nicht nur das Verhalten der Füchse veränderte sich. In den 80ger Jahren stellten die Forscher eine explosionsartige Veränderung der äußeren Erscheinung der Füchse fest. Die Ohren der Jungtiere hängen nach der Geburt noch herunter, erst kurz danach stellen sie sich normalerweise auf. Diese Zeitspanne vergrößerte sich in der neunten Generation auf bis zu drei Monate. In dieser Zeit wurden auch die ersten Jungen mit stärker gemustertem Fell und Sternenmuster auf der Stirn geboren. Die Wölfe der 13. Generation begannen damit, ihre Schwänze aufzustellen, wenn sie Menschen erblickten und zwei Generationen später wurde bei einigen kürzere und dickere Schwänze festgestellt mit drei bis sechs weniger Rückenwirbelknochen als bei wilden Füchsen.

Gerade als die passenden Werkzeuge zur Genforschung erhältlich wurden, starb Belyaev in 1985. Eine Forscherin des Instituts übernahm die Forschungen und kämpfte darfür, sie am Laufen zu halten. Mit einiger Hilfe gelang es ihr auch, doch die Erforschung der Gene der Füchse stellte sich als schwerer heraus, als zuvor gedacht. Zuerst müssen die Forscher die Gene finden, die für das freundliche oder aggressive Verhalten zuständig sind. Doch diese Verhaltensgene sind mit vielen anderen verwickelt - wie Angst und Neugier - die erst voneinander getrennt werden müssen. Erst dann können die Forscher herausfinden, ob die Gene, die das Verhalten der Wölfe beeinflussen, auch für die Veränderungen in ihrem Aussehen zuständig sind. Eine Theorie ist, dass die Gene, die das Verhalten der Tiere verändern, dabei Chemikalien in deren Gehirnen abändern. Diese haben einen "herabfließenden" Einfluss auf das Aussehen der Tiere.

Bisher konzentrieren sich die Forscher aber immernoch auf den ersten Schritt: die Verbindung von Zähmungsverhalten zu Genen. Da das Institut nicht alle Wölfe zur Forschung behalten kann, versuchen sie gerade eine Erlaubnis zu bekommen, um einige der gezähmten Fuchse als Haustiere zu verkaufen - sowohl im In- als auch im Ausland. Dies wäre nicht nur eine Möglichkeit, ein besseres Zuhause für die Füchse zu finden, es würde auch helfen, Geld für das Experiment zu sammeln.
Also wer weiß, vielleicht werden wir bald auch Füchse als Haustiere haben ...

 

Quelle: National Geographic, March 2011: pages 40 to 59

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Kommentare (7)
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30.04.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Gefällt mir gar nicht...
30.04.2011
Pandaholicc hat geschrieben:
@ Cookie: Stimmt, aber es wird wohl immer wieder (prominente) Leute geben, die unbedingt etwas besonderes wollen ..
30.04.2011
Jojo243 hat geschrieben:
guter bericht :)
ich denke es gibt zu viele menschen, die diese vorstellung einen fuchs als haustier zu halten, sooo süß finden ( ich meine ich finde füchse auch super, aber das ist purer egoismus!!!) und deswegen gar nicht merken wie sie den füchsen das leben nehmen...!!
30.04.2011
Cookie hat geschrieben:
Ein interessanter und wirklich gut geschriebener Bericht, ich hätte nie gedacht, dass das Aussehen so sehr mit dem Verhalten zusammenhängt, aber ich muss Moritz zustimmen: Ich glaube, man sollte diese Forschung lieber sein lassen. Die führt doch nur dazu, dass man wilde Tiere in Haustiere umwandelt und sie dann auch noch das Aussehn manipuliert, bis sie so sind, wie man sie gern hätt. Füchse sind keine Haustiere, ich find, man sollte sie in ihrem normalen Lebensraum lassen, einen Hund kann man ja wohl genausogut Gassi führen.
30.04.2011
LaLoba hat geschrieben:
Das ist eine gute Frage, das haben sie in dem Bericht glaub ich gar nicht erwähnt. Aber da die so aggressiv sind, kann man diese Füchse ja wohl kaum verkaufen. Also ich nehm mal an zurück in die Fellfarmen :-(
29.04.2011
Moritz hat geschrieben:
Ups nicht zu ende geschrieben ich wollt eigentlich noch wissen was aus dem anderen Zweig geworden ist?
29.04.2011
Moritz hat geschrieben:
Ich weiß nicht ob es so gut ist, wenn wir dass rausfinden! Dann werden irgend wann Hunde mit noch tollerem Fell und noch besseren Sinnen gezüchtet und was uns sonst noch alles in den Sinn kommt!
Was ist eigentlich aus dem
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