Rette mit uns bedrohte Natur!


Deine Hilfe für


eine schöne Welt


Jetzt Mitglied werden!
© Alexei Ebel / WWF-Canon
Der Beginn einer Geschichte


von Janine
08.04.2009
100 P
0
0

Laura saß auf einer maroden Holzbank, auf der Terrasse eines Bed and Breakfast an der Küste von Sheeps Head, im Südwesten Irlands. Ihre frisch lackierten Fußnägel reflektierten die jüngsten Strahlen der gerade aufgegangenen Sonne. Sie erhellten die dunklen Locken, die sich durch ein kleines Haargummi im Nacken von Laura versammelt hatten. Der Schatten einer Fliege flog über ihre Augen und nahm ihnen für die Zeit, die es braucht, um zu verstehen, was vor sich geht, die Helligkeit des gerade angebrochenen Tages. Den Pinsel des Nagellackglases hielt Laura noch in ihrer Hand. Sie hatte vergessen, dass er sich zwischen ihren Fingern befand und merkte nicht, wie sich langsam ein lila Muster vom Handballen hinab bis zu ihrem Ellbogen schlich.
Im feuchten Gras, das wild um die Terrasse herum wuchs, nahm ein kleiner Vogel ein kurzes Bad und verschlang dann, mit frisch poliertem Schnabel, einen Wurm. Obwohl um sie herum in allen Ritzen und Ecken der Tag erwachte und immer lauter und lebendiger wurde, schaffte es Laura durch die kleinen Begebenheiten hindurch zu blicken und zwar dorthin, wohin wohl kaum ein Anderer, der diesen Ort sah, zu blicken vermochte, ins Leere. Ihre Gedanken waren weit entfernt von hier und wenn man sich sehr konzentrierte und ganz tief in ihre braunen Augen schaute, konnte man beinahe sehen, wo sie ihre Gedanken hin verschlugen.
Es war ein regnerischer Morgen, keine Ausnahme in dieser Jahreszeit. Unter Lauras Füßen raschelte leise das lang schon liegende Laub. Sie schob ihr Fahrrad durch den kleinen Park, durch den sie immer fuhr, wenn sie von der Arbeit heimkehrte, oder sich auf dem Hinweg befand, genau wie jetzt. Prüfend leckte sich Laura über ihre frisch geputzten Zähne und warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. Diese verriet ihr, dass sie sich beeilen musste; durch den Platten, den sie sich dummerweise selbst zuzuschreiben hatte, breitete sich nun ein leichter Schleier von Panik über ihr aus. Sie ging schneller. Ihr Fahrrad war nun keine Erleichterung mehr, durch die sie in kurzer Zeit lange Strecken hinter sich bringen konnte, sonder eine Last, die sie Meter für Meter mit sich ziehen musste und es schien, als würde diese Strecke durch ihre schwer gewordene Erleichterung immer länger. Der leichte Schleier wurde zu einem bleiernen Vorhang.
Die nassen, vom Himmel fallenden Perlen schrumpften, zu Lauras Glück, von der Größe runder Erbsen zu groben Salzkörnern, bis sie schließlich ganz verschwanden. Laura watete durch Pfützen und mit jedem Stück Weg, den ihre Beine hinter sich brachten, wurden ihre Schuhe ein wenig nasser. Der Stoff ihrer Fußgefährten hatte sich von grasgrün zu waldgrün gewandelt. Der Wald an ihren Sohlen ließ sie noch langsamer werden. Gerade griff sie zu ihrem Telefon, um auf der Arbeit ihre nun nicht mehr abwendbare Verspätung anzukündigen, als sie, wie von einem Reflex getreten, stehenblieb. Der bis dahin immer noch schwer auf ihr lastende Vorhang, gab den Blick auf eine auf dem Weg liegende Unauffälligkeit vor ihren Füßen frei. Laura musste genau hinschauen, damit sie ganz sicher sein konnte, wirklich das zu sehen, was sie glaubte vor sich zu haben. Langsam spannte sich ihre Wadenmuskulatur und half ihr in die Knie. Unter einer dünnen Schlammschicht schaute eine rote Feder hervor. Behutsam nahm Laura sie in die Hand und starrte sie an. Laura wusste, dass es sich bei dieser Feder nicht um eine Papageien-, oder eine andere Vogelfeder handelte. Sie wusste sehr gut, woher diese Feder gekommen war. Wie sie allerdings den Weg in den Park gefunden hatte, das konnte Laura sich beim besten Willen nicht vorstellen. Aber wie sicher konnte sie sich sein, dass es sich nicht doch um ein fremdes Stück Synthetik handelte? Das musste Laura unbedingt herausfinden. Sie hielt sich ihr Telefon ans Ohr und meldete sich krank.
In Lauras Ohren zwängte sich ein Schrei. Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen und saß nun wieder auf der Terrasse in Sheeps Head. Sie drehte sich um und blickte durch die geöffnete Terrassentür direkt in die hauseigene Küche.

Weiterempfehlen

Kommentare (0)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Mitglied des Monats
teaser_220.png


Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil
Folgen und mit Freunden teilen