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© Wild Wonders of Europe / Sven Zacek / WWF
Buchen musst du suchen, Eichen müssen weichen


von LenaSofie
24.12.2011
27 P
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Tags: Klima

Zwischen dem Beton, das die Grundlage unserer urbanen Lebensräume bildet, keimt das Grün. Verzweifelt drücken sich vereinzelte Halme durch das Straßenpflaster, dicke Wurzeln alter Bäume heben die Betonplatten der Gehwege an. Ein Vogel singt sein Lied auf dem Ast einer einsamen Platane, er erhebt seine Stimme gegen das Getöse der Straße unter ihm.
Die Natur bahnt sich ihre Wege im modernen, kalten Look der Städte. Doch die Strafe lässt oft nicht lang auf sich warten.
Bäume, die nicht länger ins Bild der Stadt passen, werden im Akkord gefällt. Die Vögel müssen sich zurückziehen. Aus Grün wird Grau.

Jedes Jahr beginnt im November die Baumfällsaison in Deutschland. Da werden „kranke“ Bäume, die angeblich eine Gefahr für die Umgebung darstellen, reihenweise abgeholzt. Privatleute haben es dabei oft schwerer als Behörden. Während Privatleute in ihrem Garten nicht unerlaubt abholzen dürfen, haben Behörden das Recht, jeden Baum, der eine bestimmte Größe nicht überschreitet, ohne großes Tara zu entfernen. Und sie nutzen dieses Recht zur Gänze aus.

Wohnhäuser statt Wald und Parkplätze statt Park – so lautet die Devise vieler moderner Städteplaner. Besonders alte Bäume stören oft deren Konzept und finden daher nicht selten ein jähes Ende.
Nun könnte man meinen, alte Bäume seien womöglich tatsächlich weniger wertvoll für die Natur, als junge Bäume.
Biologen haben jedoch herausgefunden, dass es 1000 junge Bäume braucht, um eine hundert Jahre alte Buche ökologisch zu ersetzen.
Nur wer pflanzt diese 1000 neuen Bäume?
Überraschung : Hier liegt das Problem. Denn wie zu erwarten, besteht kein Gleichgewicht zwischen der Anzahl der gefällten und der neu gepflanzten Bäume. In Hamburg, Europas derzeitige Umwelthauptstadt, beispielsweise, wurden im letzten Jahr 3.600 Bäume gefällt – nur 1.600 wurden neu gepflanzt.

Und diese gehörten dann meist der sogenannten „Dekorationsbaum-Familie“ an. Der „Lebensbaum“, besonders oft auf Friedhöfen vertreten, ist der moderne Stadtbaum. Optisch wunderschön, ist er ökologisch ungefähr so wertvoll wie ein Laternenpfahl.
Natur als Dekoration. Grün als Alibi.
Ist das die Zukunft? Wenn ja, so kann sie es nicht lange sein. Denn jede Stadt braucht ihre grüne Lunge und zwar dringender als neue Parkhäuser.
Wenn eine Fußballmannschaft spielerisch unterlegen ist, gibt es eine Taktik, die oft noch rettet : „stören“. Nicht aufgeben, jeden Angriff der gegnerischen Mannschaft stören, jeden Ballbesitz unterbrechen.
Wir müssen nicht Fußball spielen, um zu stören, oder?
Ich wohne in einem relativ kleinen Dorf und seit ich hier bin, kann man zusehen, wie ganze Grünflächen, modernen Wohnhäusern weichen müssen. Neu gepflanzte Bäume kann ich an einer Hand abzählen.
Ich weiß, dass es vielen Bewohnern hier nicht nur auffällt, wie sich unser Ort verändert, sondern, dass sie den Veränderungen skeptisch gegenüberstehen. Kopfschütteln, immer wieder Kopfschütteln, aber keine Worte.
Ein bloßes Kopfschütteln stört aber niemanden. Wichtig ist, dass wir immer wieder fragen. Fragen, warum die Bäume gefällt werden, ob sie tatsächlich krank waren, fragen, wo die neuen Bäume ihren Platz finden..Fragen und konkrete Antworten fordern, zeigen, dass öffentliches Interesse besteht und dass nicht alles einfach hingenommen wird.
Das ist denke ich der Grundstein für ein besseres Klima, sowohl für die Umwelt als auch unter den Menschen.
 

Foto: © Jürgen Bürgin

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Kommentare (10)
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23.01.2012
Joslinde hat geschrieben:
Toller Bericht, echt interessant! auch ich wohne in einem kleinen Dorf und stelle fest das immer mehr Häuser dazukommen und nur an den rändern noch große,grüne wiesen sind =( echt schade!!
08.01.2012
HannaS hat geschrieben:
Das mit den alten Bäumen würde mich auch interessieren, also warum die soviel ökologisch wertvoller sind als junge Bäume.
Danke für den Bericht, das ist ja echt eine erschreckende Bilanz und ein Thema, das jeden betrifft.
06.01.2012
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Gelöschtes Mitglied hat geschrieben:
Tolle Umwelthauptstadt...........Hamburg hat sich diesen Namen echt verdient......

Wenn sich ein Städter entspannen will, wo fährt oder geht er hin?? Richtig: ins Grüne!!! Und warum? Weil man sich nur dort wirklich entspannen kann. Die Luft, die Geräusche, die Gerüche, die Eindrücke alles in der erhaltenen Natur umscheichelt die Seele und schenkt Ruhe.

Wir nehmen immer weitere Strecken auf uns, um diese Entspannung zu finden. Dabei könnten wir uns unsere Paradise erhalten, wenn nur endlich mal jemand den Mund aufmachen würde und gegen den Kahlschlag einschreitet!
30.12.2011
Naturailo hat geschrieben:
Irgentwann brauchen die neue Bäume wenn die alle fällen! Schließlich brauchen wir sie zum leben und nicht nur wir sondern auch die Tiere... :(
30.12.2011
Naturailo hat geschrieben:
Die sind einfach Gemein... Haben die etwa nichts andres zu tun? Die fällen doch eh schon den Urwald... Das find ich einafch nicht okay!!!!!!
24.12.2011
LenaSofie hat geschrieben:
@ Carina: Genauso sollte es sein oder? Das meinte ich mit "nicht alles durchgehen lassen":)

ich google nochmal genaueres..vielleicht wird es ein neuer Bericht;)
24.12.2011
LenaSofie hat geschrieben:
Ich finds auch immer wieder krass wie viel wir eigentlich wissen,wie gut wir die Konsequenzen unseres Handelns abschätzen können, wie viele Experten es gibt, die immer wieder warnen..und trotzdem wird nichts geändert.und das Problem der Erosion ist ja auch kein neues und eigentlich nicht sonderlich komplex ne?..ich frag mich wer diese Entscheidungen letztlich trifft..
bei mir im "dorf" wurde neulich auch eine ganz alte Allee abgeholzt..ich hab die Bürgermeisterin gefragt, warum und sie meinte nur, das wisse sie auch nicht, aber wahrscheinlich seien die Bäume krank gewesen oder es hätte niemanden mehr gegeben, der die Blätter entfernen wollte..der Hausmeister der angrenzenden Schule habe sich schon oft beschwert..auch eine tolle Erklärung oder?
24.12.2011
Carina hat geschrieben:
Bei uns in Aachen wird wurde jetzt auch geplant, einige alte Eichen zu fällen, um einen sogenannten "Shared Space" zu schaffen - also verbreiterte Straßen, auf denen Autos und Fahrräder mehr Platz haben. Das ist sicher an sich eine gute Idee, doch ich finde furchtbar, dass die schönen Bäume dafür sterben sollten. Zum Glück bin ich nicht die einzige, die so denkt: Es wurde mittlerweile ein Aachener Baum-Bündnis gegründet und sogar schon eine Demo organisiert. Jetzt will die Stadt überlegen, ob man den Shared Space auch verwirklichen kann, ohne dafür die Bäume fällen zu müssen :)

Was ich nicht ganz verstehe: Du schreibst, dass einige Bäume ökologisch wertvoller sind als andere. Davon hab ich noch nie etwas gehört. Weißt du da vielleicht Genaueres drüber? Nur so aus Interesse...
24.12.2011
midori hat geschrieben:
Sehr schöner Bericht! Ich habe vor kurzem auch den Kopf geschüttelt. An der Hauptstraße unserer Kleinstadt wurden an einem Hang alle "alten" Bäume gefällt. Ich sehe es jetzt schon kommen! In zwanzig, dreißig Jahren wird man nach neuen Bäumen schreien, weil die Wurzeln der alten Bäume den steilen Hang gehalten haben. Nun können ohne große Mühe alle Schlammmassen und große Steine auf die Straße rutschen! Auf der gegenüberliegenden Straßenseite aber, da steht ein alter knorriger und auch morscher Baum. Einer seiner riesigen Äste hängt direkt über der Straße. Und ich schätze, es wird nicht mehr lange dauern, bis er auf die Straße oder ein fahrendes Auto kracht. Und dann ist das Geschrei groß!

Es ist traurig. Die Menschen denken so wenig nach über das was sie tun.
24.12.2011
Löschen
Gelöschtes Mitglied hat geschrieben:
Echt traurig sowas wieder zu lesen.. und ich habe noch nie was von diesem "Dekobaum" bzw "Lebensbaum" gehört O.o Danke für die Info!
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