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Bienensterben


von deby90
24.05.2011
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Imker beklagen massives Bienensterben

Die eine macht den tollen Honig, die andere vermiest einem die Freude am Erdbeerkuchen. Die eine bestäubt fleißig Blüten, und die andere... – ja, was arbeitet die eigentlich den ganzen Tag? Die eine wird geliebt, die andere mit zusammengerollter Zeitung gejagt. Der Tod der Biene wird betrauert, der Tod einer Wespe bejubelt.

April 2010:

Ein massiver Befall mit Varroa-Milben hat in Deutschland 200.000 Bienenvölker vernichtet. Anders als zunächst angenommen, ist nicht der harte Winter schuld.

Damit seien 2010 mehr als doppelt so viele Honigbienen gestorben wie sonst im Winter üblich, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Das gehe unter anderem aus Umfragen der Universität Bochum sowie aus Angaben der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim hervor.

Dass bundesweit beinahe jeder vierte Bienenstock zugrunde ging, liegt demnach an dem frühen Frühling des Jahres 2009. Die Varroa-Milbe habe sich deshalb gut vermehren können, der blutsaugende Parasit habe die Bienen dann im Herbst bei der Vorbereitung auf den Winter angegriffen.

Von den insgesamt 3600 befragten Imkern mit etwa 60.000 Völkern klagten vor allem jene aus Süddeutschland über hohe Verluste, berichtete die Zeitung.

Schon im Spätsommer 2009 hatten viele Imker Grund zur Sorge. Ihre Schützlinge waren sichtbar entkräftet. "Zu diesem Zeitpunkt waren erstaunlich viele Honigbienen von der Varroa-Milbe befallen, die den Bienen in Europa seit Jahren stark zusetzt", sagt Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim
 

Die Milben nisten sich als Parasiten im Bienenstock ein, schwächen ihre Wirte und übertragen weitere Krankheiten. Ohne eine Behandlung gehen befallene Völker unweigerlich ein.

Besonders ungünstig waren die klimatischen Bedingungen in vielen süddeutschen Regionen, etwa im Schwarzwald. Daher befürchtet Rosenkranz, dass in Baden-Württemberg bis zu 30 Prozent der Bienen im Winter gestorben sind.

Diese Verluste schaden nicht nur den Geschäften der Imker, auch für die Landwirtschaft sind sie bedeutsam. Nach Rind und Schwein ist die Biene das drittwichtigste Nutztier in Deutschland, von ihrer Bestäubung sind 80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen abhängig. Das Bundeslandwirtschaftsministerium schätzt ihren wirtschaftlichen Nutzen daher auf etwa zwei Milliarden Euro jährlich.

Bienenforscher Rosenkranz sieht die Bestäubung der Obstwiesen und Getreidefelder aber nicht in Gefahr: "Denn das ist ohnehin jedes Jahr eine Massenschlacht, zu der unsere Bienenvölker meist viel mehr Bienen bereitstellen als eigentlich nötig wären."

Die Versorgung mit Bienen sei deutschlandweit fast überall gut, lediglich in wenigen Regionen gebe es regelmäßig Engpässe ­ etwa im Obstanbaugebiet Altes Land südlich von Hamburg. Dorthin werden zur Blütezeit jedes Jahr mehrere Tausend Bienenvölker gebracht, die jeweils bis zu fünf Kilogramm Nektar am Tag sammeln. Die Bestäubungsarbeit erledigen sie dabei ganz nebenbei.

Januar 2011:

EU schlägt Alarm wegen Bienensterben:

Nach Rindern und Schweinen sind Bienen die wichtigsten Nutztiere in der EU. Gegen ihr rätselhaftes Sterben hat die EU bisher wenig getan. Jetzt schlägt sie Alarm. "Es ist ernst", sagt EU-Agrarminister John Dalli.

Die Bienen in Europa sind in großer Gefahr. Ihr rätselhaftes Sterben bedeutet große wirtschaftliche Verluste für die Europäische Union, denn Bienen und andere Bestäuber bringen nach Angaben des Deutschen Imkerbundes der EU-Landwirtschaft jährlich rund 22 Milliarden Euro ein. Jetzt will die EU-Kommission die Insekten retten.

Die Gesundheit der Biene besorgniserregend:

Bienen liefern nicht nur Honig, sondern bestäuben vor allem Blüten. Damit sichern sie die Existenz von Pflanzen und sorgen für gute Erträge der Bauern. Rund 84 Prozent aller Pflanzen des kommerziellen Ackerbaus in der EU sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen, auch mehr als 80 Prozent aller wild wachsenden Pflanzen in der EU benötigen für ihr Weiterbestehen die Bienen. Wenn sie sterben oder kränkeln, betreffe das alle, warnt die Europäische Kommission. Und genau das ist seit Jahren der Fall.

"Der Gesundheitszustand der europäischen Bienen ist sehr, sehr besorgniserregend", warnte Ungarns Agrarminister Sandor Fazekas am Montag (24.01.2011) bei einem Treffen mit seinen Amtskollegen in Brüssel. Ungarn führt derzeit die Amtsgeschäfte der Union. Bislang sei zu wenig getan worden, um das Ausmaß des Bienensterbens einschätzen zu können, schreiben EU-Fachleute in einem Bericht.

Gefahr für die Lebensmittelversorgung:

Das Bienen- und Hummelsterben ist weltweit ein großes Problem. Die Bestäuber sterben vor allem dort, wo Äcker mit intensiven, industriellen Anbaumethoden bestellt werden. Nach Angaben der Universität von Illinois schrumpften bestimmte Hummelarten in den USA um bis zu 90 Prozent im vergangenen Jahrzehnt. Allein im Jahr 2007 entstand den US-Landwirten durch das Bienensterben ein Ernteschaden von rund 15 Milliarden Dollar. In Großbritannien ist die Situation nach Angaben der britische Tageszeitung "The Guardian" ähnlich alarmierend: Einige Bienenarten sind inzwischen komplett ausgestorben, andere Arten wurden seit den 1970er Jahren um bis zu 70 Prozent reduziert. "Ihr weltweiter Rückgang gefährdet die Lebensmittelsicherheit und die Vielfalt an gesunden Lebensmitteln", so Olaf Tschirpke, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU).

In der EU ist das Bienensterben bereits seit Mitte der 1990er Jahre bekannt, als erstes schlugen die Imker Alarm. Im größten EU-Agrarland Frankreich verloren manche Imker alle Honigbienenvölker, im Durchschnitt liegt der Verlust bei Frankreichs Imkern bei 30 Prozent. In Deutschland erregte ein Massensterben der Bienen 2002 erstmalig größere Aufmerksamkeit: Fast ein Drittel der deutschen Bienenvölker verendete. Im vergangenen Jahr lag nach Angaben des Deutschen Imkerbundes die Bienensterblichkeit zwischen 15 und 30 Prozent.

Pestizide und Monokulturen schädigen Bienen:

Die Ursachen für den schlechten Gesundheitszustand der Bienen liegen nach EU-Kommissionsangaben weitgehend im Dunkeln. Doch es gibt Vermutungen: Neben Pflanzenschutzmitteln, die den Bienen schaden können, sieht Manfred Hederer vom Deutschen Imkerbund die immer intensivere Landwirtschaft als Verursacher: "Auf dem Land leiden die Bienen Hunger. Manche Völker sterben mitten im Sommer, auf den Feldern gedeihen oft nur noch Monokulturen, die Bienen finden keinen Nektar und keine Pollen mehr." Hederer fordert deshalb ein Umdenken in der Landwirtschaft.

Bei den Pestiziden steht vor allem die Gruppe der Neonicotinoide als Verursacher des Bienensterbens im Rampenlicht. Dazu gehört das Insektizid Clothianidin, ein chemisch verändertes Nervengift. Es sei für Bienen und andere Insekten hochgefährlich, sagt Chemieexperte Heribert Wefers vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Mit dem Pestizid werden zum Beispiel Mais-Saatkörner behandelt, um Schädlinge abzuwehren. Die Langzeitfolgen dieser Agrargifte, die auch für den Menschen gefährlich seien und im Verdacht ständen, Krebs auszulösen, seien bei der Zulassung nicht ausreichend bedacht worden, kritisiert Wevers. 2008 waren laut BUND in Süddeutschland etwa 20.000 Bienenvölker durch Clothianidin getötet oder schwer geschädigt worden.
 

EU will eine grünere Agrarförderung:

Um die Ursachen für das rätselhafte Sterben der Bienen zu finden, soll nach Plänen der EU-Kommission bis April 2011 in Frankreich ein EU-Referenzlabor zur Bienengesundheit entstehen. Darüber hinaus will die Kommission Pestizide nur noch dann genehmigen, wenn sie für Honigbienen unbedenklich sind. Wichtig für die Gesundung der Bienenvölker könnte auch eine umweltfreundlichere Agrarsubvention sein. Würden EU-Subventionen für Brachflächen und naturnahe Landwirtschaft bezahlt statt für Monokulturen, hätten die Bienen mehr Nahrung und eine bessere Überlebenschance. 

März 2011:

Geheimnisvolles Bienensterben
Der leise Tod

Seit Jahren versuchen Biologen, das Massensterben der Bienen zu ergründen. Die Insekten sterben nicht nur in Europa und Amerika - auch im Nahen Osten sind bis zu 85 Prozent aller Kolonien verendet. Eingeschleppte Parasiten, neue Pestizide, zerstörte Lebensräume und der Klimawandel - sie alle stehen im Verdacht, dem Leben der Honigbienen ein vorzeitiges Ende zu bereiten.

In den vergangenen Jahren ist die Bienenpopulation in Europa um zehn bis 30 Prozent zurückgegangen, in den USA um 30 Prozent und im Nahen Osten sogar um 85 Prozent. Das geht aus einem Bericht hervor, den Experten von Unep, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, jüngst in Genf vorgestellt haben.

Demnach haben nicht nur Nordamerika und Europa mit einem mitunter massiven Bienensterben zu kämpfen, auch in Ägypten, Japan und China melden Imker teils hohe Verluste. "Das Problem ist, dass das Bienensterben als Bedrohung kaum wahrgenommen wird", sagt die Biologin Melanie von Orlow vom Naturschutzbund, "nicht alle Katastrophen stellen sich uns so deutlich dar wie jetzt die in Japan."

Seit Jahren schon versuchen Biologen und Ökologen, das geheimnisvolle Massensterben zu ergründen, das als "Colony Collapse Disorder" (CCD) bezeichnet wird. Als ein großes Bienensterben vor fünf Jahren in Nordamerika und ein Jahr später auch in Europa begann, herrschte großes Rätselraten über die Ursachen. Als potentielle Kandidaten wurden neben der in den 1970er-Jahren aus Asien eingeschleppten Varroamilbe und Insektiziden wie Clotianidin auch Elektrosmog oder gentechnisch veränderter Mais gehandelt.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass von 100 Nutzpflanzen wie Früchten, Nüssen und Getreiden, die weltweit 90 Prozent der Nahrungsmittel stellen, 71 hauptsächlich von Honigbienen bestäubt werden.

Damit die Biene ihren Job erledigen kann, muss sie bei Kräften sein. Ein geschwächtes Volk übersteht den Winter nicht. "Die zunehmenden Monokulturen sind nicht als Bienenweiden geeignet, einseitige Ernährung schwächt die Bienen und vor allem ihre Larven", sagt Bienenforscher Dietmar Wittmann von der Universität Bonn. Wie der Mensch braucht auch die Biene eine gesunde Mischkost, um Angreifer abwehren zu können.

Davon gibt es inzwischen mehr als vor zehn, zwanzig Jahren: Pflanzenschutzmittel beispielsweise, die aufgrund ihrer erhöhten Komplexität viel toxischer auf die Bienen wirken. Aber auch neue Schädlinge wie Pilze, Viren oder Milben, die über die globalisierten Handelswege eingeschleppt worden sind. "Bienen sind geplagte Tiere", sagt Wittmann. "Wir kennen allein zehn verschiedene Viren, die sich gern in Völkern festsetzen, dazu kommen mehrere Bakterien und natürlich die Varroamilbe."

Aber: Eine geplagte Biene muss nicht unbedingt eine tote Biene sein. Hier liegt ein großer Teil der Verantwortung beim Imker. "Früher war es ein eher ruhiges Geschäft, sich Bienen zu halten. Im Vergleich dazu erfordern Pflege und Behandlung eines Volkes heute viel mehr Aufwand und Know-how", sagt Wittmann. Ein Imker aber, der seine Bienen fachgerecht einwintert und Krankheiten mit den richtigen Methoden - zum Beispiel Ameisensäure gegen Varroamilben - zu Leibe rückt, hat gute Chancen, seine Tiere über die kalte Jahreszeit zu bringen.

Keinen Einfluss haben Imker hingegen auf drei Faktoren, die die UN-Experten - wenn auch mit vielen Einschränkungen - als mitverantwortlich für das Bienensterben sehen: die Luftverschmutzung, die Zerstörung von Lebensräumen und damit Nahrungsgrundlagen sowie den Klimawandel, der sich auf die Blühzeiten der Pflanzen auswirke.

"Dabei kann hier jeder Einzelne etwas tun, das fängt schon bei so einfachen Dingen wie dem regionalen Bio-Einkauf an", sagt die Biologin von Orlow vom Naturschutzbund. Und auch die Autoren des UN-Berichts fordern einen bewussteren Umgang mit der Ressource Biene: Deren Bestäubung sei keine kostenlose Dienstleistung, sondern eine, in die man ein wenig investieren muss, um sie zu schützen und zu erhalten.

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Kommentare (5)
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02.09.2012
1234 hat geschrieben:
Vor ein paar Tagen kam in Arte eine Doku übers Bienensterben: Das ist jetzt nicht mehr nur die alte Varoamilbe, sondern sind auch Viren, die noch nicht näher erforscht sind. Vor allem in den USA ist die Bestäubungsarbeit der Bienen noch viel krasser als hier in der EU, dort werden z.B. über 30 Mio. Bienen für 2 Wochen zum bestäuben extra auf ein Mandelbaumfeld gefahren, was sie natürlich schwächt und viele sterben lässt. Da sieht man wieder inwieweit doch unsere Landwirtschaft von den kleinen fleißigen Insekten abhängt
26.05.2011
Oekojule hat geschrieben:
"[...] denn Bienen und andere Bestäuber bringen nach Angaben des Deutschen Imkerbundes der EU-Landwirtschaft jährlich rund 22 Milliarden Euro ein." => Da merkt man doch wieder, dass es eigentlich NUR ums Geld geht... Den Leuten ist echt nicht klar, dass es ohne Bienen fast kein Leben mehr auf der Erde geben wird...
25.05.2011
Lars0220 hat geschrieben:
Interresant, weiß jemand wie viele Bienen es jetzt noch gibt?
24.05.2011
Cookie hat geschrieben:
Ein sehr interessantes Thema! Das hätte ich nicht gedacht, dass die Biene das drittwichtigste Nutztier hier ist.
Allerdings hättest du den Bericht vielleicht ein großes Stück kürzen sollen und wie Cata schon geschrieben hat, solltest du besser deine Quellen angeben.
24.05.2011
Cata hat geschrieben:
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