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© Alexei Ebel / WWF-Canon
Auszüge der Rede des Häuptlings Seattle


von Zerschmetterling
05.04.2011
74 P
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1855 machte der 14. Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin Pierce, den Duwamish das Angebot ihr Land an weiße Siedler zu verkaufen. Sie selbst sollten in ein Reservat ziehen. Die Indianer verstanden das nicht, denn nach ihrer Vorstellung kann man Land (Luft, Wasser, Wärme, Licht) nicht (ver-)kaufen. Denn sie besitzen es schließlich nicht.

Im nachfolgenden Text könnt ihr Auszüge der Rede des Häuptlings der Duwamish, Chief Seattle, an den "großen weißen Häuptling der Weißen" lesen, die er als Antwort auf das Angebot hielt.

>Der große Häuptling in Washington sendet Nachricht, dass er unser Land zu kaufen wünscht. Der große Häuptling sendet uns auch Worte der Freundschaft und des guten Willens. Das ist freundlich von ihm, denn wir wissen, er bedarf unserer Freundschaft nicht.

Aber wir werden sein Angebot bedenken, denn wir wissen - wenn wir nicht verkaufen - kommt vielleicht der weiße Mann mit Gewehren und nimmt sich unser Land.

Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen - oder die Wärme der Erde?

Diese Vorstellung ist uns fremd. Wenn wir die Frische der Luft nicht besitzen - wie könnt Ihr sie von uns kaufen? Wir werden unsere Entscheidung treffen. (...)

Meine Worte sind wie Sterne, sie gehen nicht unter.

Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig, in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes. (...)

Wir sind ein Teil der Erde und sie ist ein Teil von uns.

Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern. Die Rehe, das Pferd, der große Adler sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys - und des Menschen - sie alle gehören zur gleichen Familie.

Wenn also der große Häuptling in Washington uns Nachricht sendet, dass er unser Land zu kaufen gedenkt, so verlangt er viel von uns. (...)

Bald werdet Ihr das Land überfluten wie Flüsse, die die Schluchten hinabstürzen nach einem unerwarteten Regen.

Mein Volk ist wie eine ablaufende Flut - aber ohne Wiederkehr. Nein, wir sind verschiedene Rassen. Unsere Kinder spielen nicht zusammen und unsere Alten erzählen nicht die gleichen Geschichten. Gott ist euch gut gesinnt - und wir sind Waisen. (...)

Wir erfreuen uns an diesen Wäldern. Ich weiß nicht - unsere Art ist anders als die Eure. (...)

Das Murmeln des Wassers ist die Stimme meiner Vorväter. Die Flüsse sind unsere Brüder - sie stillen unseren Durst. Die Flüsse tragen unsere Kanus und nähren unsere Kinder. Wenn wir unser Land verkaufen, so müsst Ihr Euch daran erinnern und Eure Kinder lehren: Die Flüsse sind unsere Brüder - und Eure - und Ihr müsst von nun an den Flüssen Eure Güte geben, so wie jedem anderen Bruder auch. (...)

Wir wissen, dass der weiße Mann unsere Art nicht versteht. Ein Teil des Landes ist ihm gleich jedem anderen, denn er ist ein Fremder, der kommt und nimmt von der Erde, was immer er braucht. (...)

Er behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Bruder, den Himmel, wie Dinge zum Kaufen und Plündern. (...) Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als eine Wüste. (...)

Ich weiß nicht - unsere Art ist anders als die Eure. Der Anblick Eurer Städte schmerzt die Augen des roten Mannes. Vielleicht weil der rote Mann ein Wilder ist und nicht versteht. (...)

Was gibt es schon im Leben, wenn man nicht den einsamen Schrei des Ziegenmelkervogels hören kann oder das Gestreite der Frösche am Teich bei Nacht? Ich bin ein roter Mann und verstehe das nicht.

Der Indianer mag das sanfte Geräusch des Windes, der über eine Teichfläche streicht - und den Geruch des Windes, gereinigt vom Mittagsregen oder schwer vom Duft der Kiefern. Die Luft ist kostbar für den roten Mann - denn alle Dinge teilen den selben Atem - das Tier, der Baum, der Mensch - sie alle teilen den selben Atem. (...)

Das Ansinnen, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken, und wenn wir uns entschließen anzunehmen, so nur unter einer Bedingung: Der weiße Mann muss die Tiere des Landes behandeln wie seine Brüder. Ich bin ein Wilder und verstehe es nicht anders. Ich habe tausend verrottende Büffel gesehen - vom weißen Mann zurückgelassen - erschossen aus einem vorüberfahrenden Zug.

Ich bin ein Wilder und kann nicht verstehen, wie das qualmende Eisenpferd wichtiger sein soll als der Büffel, den wir nur töten, um am Leben zu bleiben. Was ist der Mensch ohne die Tiere? Wären alle Tiere fort, so stürbe der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes. Was immer den Tieren geschieht - geschieht bald auch den Menschen. Alle Dinge sind miteinander verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. (...)

Lehrt Eure Kinder, was wir unsere Kinder lehren: Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespeien sie sich selbst. (...)

Das Ansinnen des weißen Mannes, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken. Aber mein Volk fragt, was will denn der weiße Mann? Wie kann man den Himmel oder die Wärme der Erde kaufen - oder die Schnelligkeit der Antilope? Wie können wir Euch diese Dinge verkaufen - und wie könnt Ihr sie kaufen? Könnt Ihr denn mit der Erde tun was Ihr wollt, nur weil der rote Mann ein Stück Papier unterzeichnet und es dem weißen Manne gibt?

Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht besitzen - wie könnt Ihr sie von uns kaufen? Könnt Ihr die Büffel zurückkaufen, wenn der letzte getötet ist?

Wir werden Euer Angebot bedenken, denn wir wissen, wenn wir nicht verkaufen, kommt warscheinlich der weiße Mann mit Waffen und nimmt sich unser Land. (...)

Der weiße Mann, vorübergehend im Besitz der Macht, glaubt, er sei schon Gott - dem die Erde gehört. Wie kann ein Mensch seine Mutter besitzen? (...)

Aber warum soll ich trauern über den Untergang meines Volkes? Völker bestehen aus Menschen - nichts anderem. (...)

Auch die Weißen werden vergehen, eher vielleicht als alle anderen Stämme. Fahret fort, Euer Bett zu verseuchen, und eines Nachts werdet Ihr im eigenen Abfall ersticken. (...)

Wenn der letzte rote Mann von dieser Erde gewichen ist und sein Gedächnis nur noch der Schatten einer Wolke über der Prärie, wird immer noch der Geist meiner Väter in diesen Ufern und diesen Wäldern lebendig sein. Denn sie liebten diese Erde, wie das Neugeborene den Herzschlag seiner Mutter. Wenn wir Euch unser Land verkaufen, liebt es, wie wir es liebten, kümmert Euch, so wie wir uns kümmerten. Behaltet die Erinnerung an das Land, so wie es ist, wenn Ihr es nehmt.

Und mit all Eurer Stärke, Eurem Geist, Eurem Herzen, erhaltet es für Eure Kinder und liebt es - so wie Gott uns alle liebt. Denn eines wissen wir - unser Gott ist Euer Gott. Diese Erde ist ihm heilig. selbst der weiße Mann kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen.

Vielleicht sind wir doch - Brüder?

Wir werden sehen.<

Die ganze Rede könnt ihr nachlesen in dem Buch "Wir sind ein Teil der Erde - Die Rede des Häuptlings Seattle", erschienen im Patmosverlag. Aus diesem Buch habe ich die Ausschnitte abgeschrieben.


 

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Kommentare (10)
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06.04.2011
LarissaKlemme hat geschrieben:
ich finde den bericht auch toll! sehr emotional.
der mensch hatte wirklich recht. er wusste es schon vor vielen jahren. ich bin wirklich beeindruckt... es ist einer meiner größsten wünsche, dass alle menschen so denken wie er und sich dementsprechend verhalten und zwar nicht wenn es zu spät ist sondern jetzt!
06.04.2011
Löschen
Gelöschtes Mitglied hat geschrieben:
Ein wunderbars Volk, das die richtige Einstellung hat(te).
Nur eine kleine Klugscheißer- Anmerkung: "Indianer" sollte man eigentlich nicht sagen, der offizielle Begriff ist "Natives" oder "First Nations". Ist wie bei den "Schwarzen" und den "Eskimos", was man ja auch nicht sagen soll.
05.04.2011
Löschen
Gelöschtes Mitglied hat geschrieben:
gelöscht
05.04.2011
Löschen
Gelöschtes Mitglied hat geschrieben:
gelöscht
05.04.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
@sternchen1: Was soll denn das heißen: Leider ziemlich prophetisch?
05.04.2011
sternchen1 hat geschrieben:
wahnsinn eine wirklich gute rede (und leider ziemlich prophetisch wie wir heute wissen). vielen dank fürs hochladen
05.04.2011
anni95 hat geschrieben:
Wow, die Rede muss ich mir mal im Ganzen durchlesen. Danke für's hochladen. Du hast echt gute Stellen rausgesucht.
Chief Seattle wusste schon früh, was wir (leider) erst heute erkennen- "wir", die Weißen, tun der Erde zu viel Schlechtes an. Zum Glück gibt es heute noch immer Leute, die so denken, wie dieser Chief Seattle
05.04.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Im Geheimen bin ich wohl eine Indianerin. Ich fühle und denke absolut genauso. Wenn die Erde kaputt geht, ist es, als ginge auch ein Teil von mir kaputt. Warum können die anderen nicht so leben? Das verstehe ich nicht.
05.04.2011
JohannesB hat geschrieben:
Eine beeindruckende Rede, die einen nachdenklich macht ... Wirklich lesenswert!
Und der Inhalt ist noch heute topaktuell.
05.04.2011
Stoffie hat geschrieben:
wow tolle rede! wunderschön wie er alles formuliert hat und er hat recht!
wir behnadeln unsere mutter erde wie ein stück dreck! nicht wie man eine mutter behandeln sollte! uns allen wird immer gesagt liebe deine familie, deine freunde, behandel alle fair und gerecht. doch was machen wir? nicht nur das wir kriege führen sondern auch das wir die erde schamlos ausbeuten! was sind wir nur für ein zu verabscheuendes volk!
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