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© Wild Wonders of Europe / Sven Zacek / WWF
Auf jede Zerstörung folgen Jahrzehnte Arbeit


von Marcel
29.08.2011
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Ein Interview mit WWF-Experte Dennis Landenbergue über den Wert von Feuchtgebieten und über die künftigen Herausforderungen beim Schutz dieser empfindlichen Lebensräume.

Seit 40 Jahren werden im Rahmen der vom WWF initiierten Ramsar-Konvention weltweit Feuchtgebiete geschützt – mittlerweile eine Fläche von der fünffachen Größe Deutschlands. Durch das Abkommen konnten das Überleben vieler Arten und zugleich die Versorgung von Millionen Menschen mit Trinkwasser und Fisch gesichert werden.

Dennis Landenbergue vom WWF ist ein Pionier im Schutz von Süßwasserregionen. Dank seines internationalen Teams konnten allein in den vergangenen zehn Jahren über 100 Millionen Hektar Feuchtgebiete geschützt werden. Wir sprachen mit ihm über seine Arbeit beim WWF.

WWF Jugend: Neben Regenwälder oder Ozeanen wirken Moore oder andere Feuchtgebiete eher unscheinbar. Warum sind diese Regionen trotzdem so wichtig?

Denis: Dieses Jahr wird die Weltbevölkerung die Sieben-Milliarde-Schwelle überschreiten. 1999, als ich beim WWF anfing, war die Menschheit bei sechs Milliarden angekommen. Ebenso rasant steigt der Verbrauch an Wasser. Jede Sekunde fließt Wasser für unsere Bedürfnisse: in die Landwirtschaft, in den Bergbau, für die Energiegewinnung. Und auf der anderen Seite muss es immer ausreichend sauberes Wasser geben, um das Überleben von Tier- und Pflanzenarten sowie ganzer Ökosysteme zu sichern. Es ist ganz einfach: Die absolute Menge des Wasser auf unserem Planeten ist begrenzt. Also müssen wir mit dem vorhandenen Wasser vernünftiger umgehen.

WWF Jugend: Jedes Jahr werden weitere Feuchtgebiete unter Ramsar-Schutz gestellt, mittlerweile sind es fast zwei Millionen Quadratkilometer in 160 Ländern. Ein großer Erfolg. Du aber sagst, das reicht noch lange nicht. Was muss zusätzlich getan werden?

Denis: Um es auf den Punkt zu bringen: Die Ramsar-Konvention braucht mehr Geld und mehr Personal. Für das Abkommen arbeiten nur 20 Menschen, und die müssen Feuchtgebiete in160 Ländern koordinieren. Das ist einfach nicht ausreichend.

Ebenso wichtig ist Bildung. Schulen und Eltern müssen den Kindern mehr beibringen - über die Umwelt allgemein und die Bedeutung von Wasser ganz konkret. Die Kinder müssen wieder raus in die Natur. Naturerlebnisse sind noch überzeugender als Argumente. Es ist erschreckend, wie wenig Menschen über die Umwelt wissen - eine Welt, die sie unmittelbar umgibt. Das Bewusstsein für den Umweltschutz sollte deshalb schon bei den Kleinsten geschärft werden.

WWF Jugend: Was kann denn jeder Einzelne tun, um Feuchtgebiete zu schützen?

Denis: Achte auf deinen Wasserverbrauch. Gib deine Stimme Politikern, die sich für Umwelt- und Naturschutzanliegen einsetzen. Unterstütze den WWF, so wie ich es bereits seit über 35 Jahren mache - ich war gerade 15, als meine Eltern mir meine erste Mitgliedschaft beim WWF schenkten. Und sprich mit Freunden und Verwandten über das Thema - vor allem, wenn Du mitbekommst, wo Wasser verschwendet wird. Dies alles sind Sachen, die jeder von uns im Alltag tun kann.

WWF Jugend: Das diesjährige Schwerpunktthema der Ramsar-Konvention ist die natürliche Verbindung von Wald- und Wassergebieten. Worin besteht die?

Denis: Es gibt jede Menge Wälder, die Feuchtgebiete sind, und Feuchtgebiete, die Wälder sind, zum Beispiel die Überschwemmungsgebiete in den Regenwäldern Amazoniens oder im Kongobecken. Die Trennung von Wald und Feuchtgebiet existiert in unserer Sprache, nicht aber in der Natur.

Deshalb würde es auch keinen Sinn machen, ein Feuchtgebiet zu schützen, ohne dabei zu beachten, was darum herum passiert. Im Einzugsgebiet fast jedes Flusses wachsen Wälder auf Hängen und Hügeln und festigen somit das Erdreich. Werden solche Wälder für Feuer- oder Bauholz vernichtet, droht Erosion. Das heißt, die Erde löst sich vom Gestein und rutscht in den Fluss, was wiederum vor allem die dortigen Fischbestände gefährdet. Das bedeutet schließlich weniger Fisch und damit auch weniger Nahrung für die örtliche Bevölkerung.

Wir müssen verstehen: Das Wohlergehen der Menschen hängt ganz entscheidend davon ab, dass die Naturräume um uns herum als Ganzes intakt sind. Die bestgeschützten Flussgebiete in der Welt sind weiterhin in Gefahr, solange die umgebenden Wälder nicht nachhaltig genutzt werden. Es reicht nie aus, sich nur auf eine isolierte Sache zu konzentrieren.

WWF Jugend: 2011 ist ja das Internationale Jahr des Waldes …

Denis: Deshalb sollten wir jetzt ganz besonders darauf aufmerksam machen, wie wichtig gesunde Wälder für den Erhalt gesunder Wasserlebensräume sind. Aber auch danach muss es weiter gehen - wir müssen jedes Jahr für den Schutz der Feuchtgebiete kämpfen.

WWF Jugend: Du hast Dich seit langem dem Schutz der Feuchtgebiete verschrieben. Was macht diesen Lebensraum für Dich so spannend?

Denis: Ich wurde am Ufer des Genfer Sees geboren. Er ist der größte See Westeuropas. Auch später habe ich immer in der Nähe eines Sees, eines Flusses oder manchmal auch am Meer gelebt.

Als Teenager habe ich leidenschaftlich die Vögel studiert, die am Genfer See leben. Diese Faszination hat den Grundstein gelegt für mein Interesse am Schutz dieser Lebensräume.

Zu dieser Zeit wurde aber auch einer meiner Lieblingsorte durch Baumaßnahmen zerstört, ein Feuchtgebiet an der Rhone. Es hat viele lokale Naturschützer und mich 20 Jahre Arbeit gekostet, das zerstörte Land wieder in seinen Ursprungszustand zurückzuversetzen und schließlich unter Schutz stellen zu lassen. Feuchtgebiete sind kostbar. Ich weiß nur zu gut, wie viel Zeit und Energie es kostet, sie zu erhalten.

Das Interview führte Gretchen Lyons, Marcel Gluschak übersetzte ins Deutsche

Fotos: Brauner Sichler im Donana National Park (Spanien) © Jose B. Ruiz / WWF / naturpl.com; Denis Landenbergue. © Phil Dickie / WWF International; Überschwemmungswald © Daniel Goliasch / WWF; Feuchtgebiet in Kambodscha © Adam Oswell / WWF Greater Mekong

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Kommentare (2)
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30.08.2011
Franzi hat geschrieben:
Ein super Interview, und toll übersetzt ;)
Ja, ich stimme Carina zu. Genau weil wir viele Zusammenhänge noch gar nicht richtig überblicken, wissen wir meist auch nicht was wir eigentlich anrichten, wenn einen Teil der Natur in irgendeiner Form beeinflussen. Alles hängt zusammen - deshalb muss auch alles geschützt werden :)
30.08.2011
Carina hat geschrieben:
Ich finde es immer wieder faszinierend, wie eng verflochten alle Vorgänge und Lebensräume in der Natur sind. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Mensch noch längst nicht alle davon in ihrer Gesamtheit verstanden hat. Umso wichtiger also, dass wir unsere Umwelt schützen und erforschen, anstatt sie zu zerstören. Vielen Dank für dieses interessante Interview!
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