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© Alexei Ebel / WWF-Canon
Alles im Lot im Reich der Mitte?


von Zoe
02.07.2009
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Dass Umweltschutz in der Volksrepublik China nicht an erster Stelle steht, ist wohl für niemanden eine bahnbrechende Neuigkeit. Oberste Priorität wird auf wirtschaftliche Entwicklung und Wachstum gelegt. Obwohl natürlich erste Schritte in die richtige Richtung unternommen werden, schreitet die Umweltzerstörung im bevölkerungsreichsten Land der Erde stetig voran. In neuen Berichten der chinesischen Regierung wird die Umwelt in fast zwei Drittel des Landes als "anfällig" beschrieben, die Wüstenbildung im Norden Chinas setzt sich unaufhaltsam fort. Starke, unkoordinierte Abholzung und der Einsatz von hochgiftigen Düngemitteln begünstigen diese negative Veränderung. Dadurch wird auch der biologischen Vielfalt zugesetzt, das Aussterben der altbiologischen Arten beschleunigt sich, und die Wasser- bzw. Luftverschmutzung sind ebenfalls besorgniserregend. Vorhaben, die von der Regierung u.a. als Prestige-Projekte befürwortet werden, greifen unwiderruflich in die Flora und Fauna des Landes ein. Bekanntes Beispiel dafür ist der Drei-Schluchten-Staudamm, der 2006 fertig gestellt wurde.

Die extreme Verschmutzung von Chinas längstem Fluss – dem Jangtse - bedroht die Trinkwasserversorgung von mehr als 180 chinesischen Städten. Innerhalb der kommenden Jahre wird die Qualität des Wassers rapide sinken und kann eventuell bald Krebs erregend sein. Der Fluss hat um die 40 Prozent des gesamten in China anfallenden Abwassers aufgenommen. Da der Jangtse die einzige Wasserversorgung für die Millionen-Metropole Shanghai ist, bemüht sich die Regierung unter hohem Kostenaufwand ihn und andere grosse Flüsse, wie beispielsweise den Gelben Fluss zu reinigen – bisher allerdings mit eher mäßigen Erfolg. Einer Studie der Weltbank zufolge sterben in China jedes Jahr 460.000 Menschen vorzeitig an den Folgen verseuchter Luft und verschmutzten Trinkwassers.

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Anfang der 70er Jahre wurde der Umweltschutz in China durch eine Initiative der UN-Menschen- und Umweltkonferenz in Gang gesetzt. Nach gut 20-jähriger Entwicklung entstand in China ein relativ umfassendes Rechts- und Politiksystem zur Verschmutzungsvorbeugung bzw. -regulierung sowie zum Ressourcenschutz. Allerdings werden diese Umweltschutzgesetze in den meisten chinesischen Provinzen nur unzureichend umgesetzt.

Als feststand, dass Peking im Jahr 2008 Veranstaltungschauplatz der olympischen Sommerspiele werden sollte, gewann der Naturschutz für das Land eine neue Bedeutung. Durch merklich verstärktes Interesse der Weltbevölkerung an den Vorgängen in dem Riesenreich und China’s Chance sich der Welt positiv zu präsentieren, wurden die Olympischen Spiele unter den Slogan „Green Olympics“ gesetzt. Der Schadstoffausstoß der Kraftfahrzeuge in Beijing sollte auf europäisches Niveau gesenkt werden, die Zahl der Busse in Peking um 7000 steigen, 100 neue Buslinien sollten eingerichtet werden und die U-Bahnlinien sollen bis 2010 sogar auf 600 km erweitert werden. Im Norden Pekings wurden Aufforstungsmaßnahmen durchgeführt, die die Sandstürme, die jedes Jahr im Frühjahr die Stadt Peking heimsuchen, verhindern sollen. Die Erhöhung der Grünfläche auf 50% in Peking im Jahr 2008 , die Förderung umweltfreundlicher Technologien und die Auslagerung besonders umweltbelastender Betriebe sollten den Bürgern Pekings einen blauen Himmel bescheren. Laut Beurteilung des United Nations Environmental Programme hat China seine übergeordneten Ziele in Hinsicht auf Umweltschutz erreicht, wenn nicht sogar übertroffen. 720 Grünflächen mit einer Gesamtfläche von 8.800 Hektar wurden angelegt und 30 Millionen Bäume und Rosenbüsche gepflanzt. Die Anzahl der Tage mit blauem Himmel (gemessen am Air-Quality-Index) stieg von weniger als 180 auf mehr als 274 Tage im Jahr.

altAber auch ausserhalb der Olympischen Spiele ist in China in den letzten Jahren viel passiert: mehr als 84.000 kleinere Betriebe wurden wegen Verstößen gegen die Umweltschutzauflagen geschlossen. Inzwischen erfüllen mehr als 90% der 238.000 Industriebetriebe die Standardnormen im Bereich Umweltschutz. Landesweit sind insgesamt 1.227 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 98,21 Millionen Hektar entstanden. Dies entspricht einer Größe von 9,85 % des Landes. Zudem hat der Staat die Errichtung von vier Öko-Provinzen und über 200 Öko-Standardzonen auf Staatsebene genehmigt.

Ebenso hat China in den letzten Jahren viel beim Thema Waldschutz und Aufforstung geleistet. Statistiken zufolge übertraf die Fläche der wieder aufgeforsteten Wälder bis Ende 2002 bereits 46 Millionen Hektar. Die Waldvegetationsrate wurde von 14% in 1998 auf 16,55% in 2002 erhöht. Bis 2010 sollen über 20% erreicht werden.

Auch im Bereich Tierschutz geht es in der Volksrepublik langsam bergauf. Die Tatsache, dass in China kein einziges umfassendes Tierschutzgesetz existiert, stiess schon seit jeher auf grosse Kritik. Nun steht der erste Gesetzesentwurf, der eine Geldstrafe von bis zu 6.000 Yuan (ca. 600 Euro) und zwei Wochen Haft für Personen vorsieht, die der Tierquälerei für schuldig befunden werden. Der Entwurf ist in zwei Teilen aufgeteilt - Schutz von Wildtieren und Schutz von Haustieren. Ersteres bezieht sich auf die rund 4.400 Wildtierarten, die in China beheimaalttet sind - ungefähr ein Zehntel der weltweit existierenden Arten. Viele davon kommen nur in China vor, z.B. der Grosse Pandabär, der Stumpfnasenaffe, der südchinesische Tiger, die tibetische Antilope, der Weisslippenhirsch oder der Yangtse-Alligator. Der zweite Punkt des Gesetzesentwurf bezieht sich natürlich vor allem auf Hunde und Katzen, die teilweise unter äussert grausamen Umständen gehalten und gezüchtet werden, um dann ohne Betäubung getötet und als Nahrung verwendet zu werden.

Mit diesem Gesetzesentwurf zeigt die Chinesische Regierung, dass ein Umdenken in der Bevölkerung stattfindet, dass man in Zukunft hoffentlich mehr Rücksicht auf Tiere und Umwelt nehmen wird und in alle negativen Entwicklungen eingreifen will, bevor es zu spät ist. Hoffen wir das beste.

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Kommentare (3)
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09.07.2009
Zoe hat geschrieben:
Ja, das sind auch ungefähr meine Erfahrungen. Ich war 2006/2007/2008 in China und insbesondere im Sommer in Peking hat das "Wetter" nur depressiv gemacht. Wochenlang ist kein Sonnenstrahl durch den Smog gekommen und selbst die Häuser auf der anderen Strassenseite konnte man nur durch einen dicken grau-braunen Schleier sehen.
Aber ich war seit der Olympiade nicht mehr dort - vielleicht ist es jetzt besser?
03.07.2009
peaceonearth hat geschrieben:
echt ein schöner bericht,es ist echt krass was im sommer an smog da so abgeht...
03.07.2009
cappuccino hat geschrieben:
Vielen Dank für den Bericht - Die chinesische Regierung hat sich ja richtig Mühe gegeben! Es hat sich also gelohnt, die Spiele dort zu veranstalten. Ich hoffe nur, das Ganze hört jetzt nicht auf oder wird weniger!
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