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5 Erstaunliche Fakten über Symbiose


von KikiFi
02.03.2015
35 P
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Symbiose- das Wort leitet sich vom griechischen symbiosis ab, was „Das Zusammenleben“ bedeutet. In der Biologie spricht man von Symbiose, wenn Organismen verschiedener Art so zusammenleben, dass sich für alle Parteien Vorteile ergeben. Ohne den jeweiligen Partner in der Symbiose ist der einzelne Organismus zudem oft nicht überlebensfähig. Praktisch alle symbiotischen Beziehungen in der Natur sind hochspezialisiert und unglaublich interessant, deswegen ist es mir auch sehr schwer gefallen eine Auswahl zu treffen. Fünf der für mich faszinierendsten und verrücktesten Symbiosen möchte ich euch in diesem Bericht vorstellen:

5. Von prächtigen Bienen und duftenden Orchideen

Prachtbienenmännchen beim Sammeln von Duftstoffen

Die 5 Gattungen der Prachtbienen (Euglossa, Eulaema, Eufriesea, Exaerete und Aglae), die sich wiederum in etwa 200 Arten gliedern lassen, kommen ausschließlich in den tropischen Gebieten Mittel- und Südamerikas vor. Dort haben sich Orchideenarten entwickelt, die sich perfekt an das Paarungsverhalten der Bienenmännchen angepasst haben. Die großen, schillernden Bienen versuchen ihre Partnerin mit ausgefallenen Parfümkreationen zu beeindrucken, die sie in Säckchen an ihren Hinterbeinen aufbewahren. Über 600 verschiedene Orchideen locken die Männchen mit den verführerischsten Düften und werden so bereitwillig von den Prachtbienen bestäubt - ganz ohne den Bienen Nektar zur Belohnung anzubieten. Stattdessen produzieren die Pflanzen Öle, die von den Bienen mit den Vorderbeinen von den Blättern gestreift und dann in den Säckchen an den Hinterbeinen transportiert werden. Während des Abstreifens stoßen die Bienen an die Pollenpakete der Orchideen (die sog. Pollinarien), die an ihren Körpern kleben bleiben, sodass andere Orchideenblüten damit bestäubt werden können.

Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam um PD Dr. Thomas Eltz hat vor einigen Jahren zudem herausgefunden, dass sich die Orchideen den Prachtbienen angepasst haben und nicht andersherum. Die Forscher konnten mithilfe von DNA-Sequenzanalyse der Pollen, welche sie an den Prachtbienen fanden, die Abstammungsverhältnisse von 130 Orchideenarten klären und stellten fest, dass sich die Beziehung zwischen Prachtbienen und Orchideen in einem extremen Ungleichgewicht befindet. Da die Prachtbienenmännchen noch aus vielen andern Pflanzen ihre Duftstoffe beziehen, die Orchideen aber ausnahmslos auf die Bestäubung durch die Prachtbienen angewiesen sind, würde ein Ausstreben der Bienen auch ein sofortiges Aussterben der Parfümorchideen bedeuten, ein Aussterben der Orchideen aber nur langsam zum Aussterben der Prachtbienen führen.

4. Wie Pech und Schwefel-Die Ameisen und ihr Pilz

 

Blattschneiderameisen sind berühmt dafür, dass sie unermüdlich Pflanzenmaterial zerkleinern und in ihre Nester tragen. Doch die Blätter dienen ihnen nicht selbst als Nahrung, wie ihr bestimmt wisst. Sie bilden den Nährboden für den Futterpilz Leucoagaricus gongylophorus, den die Ameisen in ihren Pilzgärten sorgfältig pflegen. Der Nahrungsversorgung für den Pilz liegen fein aufeinander abgestimmte Arbeitsschritte zugrunde. Erntearbeiterinnen transportieren zerschnittene Blätter zum Nest, wo sie von kleineren Arbeiterinnen in millimeterkleine Stückchen zerteilt werden. Danach übernehmen noch kleinere Arbeiterinnen das Zerkauen der Stückchen und formen sie zu Kugeln, auf denen der Pilz optimal wachsen kann. Doch damit nicht genug: die kleinsten Arbeiterinnen pflegen hingebungsvoll den Futterpilz, verhindern aber auch das Ausbilden von Fruchtkörpern, indem sie die Enden der Pilzfäden abbeißen. Die Ameisen pflegen den Pilz und versorgen ihn mit Nahrung, dafür dient der Pilz den Ameisen als Futter - Die Symbiose zwischen ihnen ist unzertrennlich. Aber es gibt noch einen dritten in dieser engen Beziehung. Auf den Körpern der Ameisen leben Bakterien, die unverzichtbar für die Ameisen und ihren Futterpilz sind. Denn der Futterpilz hat einen Feind. Der Schlauchpilz Escovopsis befällt und zerstört ihn - und mit ihm geht die ganze Ameisenkolonie zugrunde. Doch zum Glück leben die Ameisen in Symbiose mit den Bakterien, denn diese produzieren das Makrolid-Antibiotikum Candicidin, das den Schadpilz in seinem Wachstum enorm behindert.

Die symbiotische Bindung zwischen Ameisen, Futterpilz und Bakterien ist ausgesprochen eng. Würde ein Organismus fehlen, wären die andern beiden nicht überlebensfähig. Ich sollte meine Zwischenüberschrift wohl lieber ändern…wie wär’s mit: Wie Kohle, Pech und Schwefel - Die Ameisen, die Bakterien und ihr Pilz :).

3. Fleischfressende Pflanzen, die gar kein Fleisch fressen?

In Südafrika wächst die Pflanzengattung Roridulaceae. Die Blätter der Pflanzen sind von glänzenden Tropfen überzogen, die einer Art Harz ähneln. Ihnen verdankt die Pflanze ihren Zweitnamen: Taupflanze. Die Harz Tröpfchen sind extrem klebrig und können mitunter ziemlich große Insekten festhalten. Genau das ist auch ihr Zweck, doch die etwa 2m großen, immergrünen Taupflanze-Halbsträucher besitzen keinerlei Verdauungsdrüsen um die gefangenen Insekten zu verdauen. Dafür hat die Pflanze kleine Helfer, die Weichwanzenart Pameridea. Der geläufigste Name von Roridulaceae, oder Taupflanze, ist daher auch…Wanzenpflanze! (Es gibt übrigens nur 2 Arten der Gattung Wanzenpflanzengewächse.) Pameridea bewegen sich problemlos auf der klebrigen Pflanzenoberfläche, da ihre Körper mit einer Anti-Klebe-Schicht überzogen sind. Sie saugen den von der Wanzenpflanze gefangenen Insekten die Körperflüssigkeit aus und liefern durch ihre Ausscheidungen wichtige Nährstoffe für die Pflanze. Auf einer großen Wanzenpflanze finden mehrere hundert Pameridea Platz. Sie verbringen ihr ganzes Leben auf der Wanzenpflanze, da sie auf deren Fangkünste angewiesen sind- ebenso wie die Pflanze auf die Ausscheidungen ihrer kleinen Bewohner.

Bei meinen Recherchen bin ich auf einen tragischen Fall gestoßen, in dem eine Krabbenspinne eine Wanzenpflanze befallen hat. Die Spinne kann sich mithilfe feiner Netze auf der Wanzenpflanze fortbewegen ohne kleben zu bleiben. Anstatt aber von den gefangenen Insekten zu fressen, fraß die Spinne alle Wanzen auf und beendete so auch das Leben der Wanzenpflanze…

Wanzenpflanzen und ihre Wanzen - ohne den jeweils anderen sind sie nicht überlebensfähig...

2. Symbiose im Korallenriff

Einsiedlerkrebs - gut gepanzert, dank leerem Schneckenhaus

Einsiedlerkrebse haben ein Problem: Ihr Hinterleib ist, im Gegensatz zu dem von Hummern, Krabben oder anderen Krebsen nicht gepanzert, sondern weich und verletzlich. Doch der Krebs hat eine bewährte Methode sich zu schützen: Er zieht in das leere Gehäuse einer Schnecke ein. Diese Panzerung –die der Krebs während des Wachstums immer wieder wechselt- schützt nicht nur seinen Körper, sondern bildet die Grundlage für eine clevere Symbiose, die der Krebs mit Seerosen, einer Korallenart eingeht. Kleine Seerosen lassen sich auf dem Schneckengehäuse, das vom Einsiedlerkrebs getragen wird nieder. Mit ihren, von Nesselkapseln bedeckten Fangarme schützen sie die Fangarme des Krebses, welcher die Koralle als Gegenleistung in immer neue Nahrungsgründe trägt. Die Seerose, die sich-wenn überhaupt-nur sehr langsam fortbewegen kann, bietet dem Einsiedlerkrebs also exklusiven Personenschutz und nimmt dafür seine größere Mobilität in Anspruch. Nicht schlecht!

Doch wenn er Krebs zu groß für sein Haus wird und es wechselt nimmt er wenig Rücksicht auf seine Begleiterin. Viel enger ist hier die Bindung zwischen dem Porzellankrebs und seiner Koralle. Der Porzellankrebs trägt die Steinkoralle zwar nicht auf seinem Rücken durch das Meer, er ernährt sich vielmehr von dem sich an den schleimigen Ausscheidungen der Koralle befindenden Plankton. Gleichzeitig bewohnt er die Koralle; ein Rundumservice also. Die Sache hat nur einen Haken: Steinkorallen werden liebend gerne von Seesternen verspeist. Doch das lässt der Porzellankrebs nicht zu. Wird seine Koralle von einem Seestern bedroht setzt er dem Angreifer mit seinen Scheren zu und zwickt ihn. Zieht sich der Seestern nicht zurück beginnt de Krebs ihm die Arme abzuschneiden. Der Komfort, den die Steinkoralle dem Porzellankrebs bietet, zahlt sich aus.

Kleinere Exemplare der Seerosen lassen sich auf den Häusern von Einsiedlerkrebsen nieder...

1. Echt jetzt!? Das ist gar keine Pflanze?

Ich habe euch jetzt eine Reihe symbiotischer Verbindungen vorgestellt, die Tiere, Pflanzen und Pilze eingehen. In all diesen Fällen ist klar ersichtlich, dass es sich um zwei, oder mehr, unterschiedliche Organismen handelt. Nicht so in meinem letzten Beispiel. Hier sind die beteiligten Organismen so perfekt miteinander verschmolzen, dass es von ihrer ersten wissenschaftlichen Beschreibung durch Theophrastos, einen Schüler Aristoteles, mehr als 2000 Jahre dauerte bis man erkannte, dass es sich um eine Symbiose zwischen Pilz und Grünalge bzw. Cyanobakterien handelt. Ihr ahnt es schon: Die Rede ist von Flechten.

Lange Zeit hielt man die Auswüchse an Bäumen und Steinen für Pflanzen...das ist aber nur zum Teil richtig!

Betrachtet man den Querschnitt einer Flechte, findet man zuoberst eine harte Kruste aus Pilzgeflecht, die sog. obere Rinde. Darunter liegen fest in das Pilzgeflecht eingebettet, oder, je nach Art auch lockerer, die Photobionten, der Teil der Flechte, der Photosynthese betreibt, also die Grünalgen oder Bakterien. Dann folgt eine Schicht aus Geflecht ohne Algen. Die untere Rinde liegt auf dem Boden, Baumstamm, Stein etc. auf und wird dort von Rhizinen, kleinen Pilzfädenfestgehalten. Der Pilz gibt der Flechte Struktur und Halt, die Alge betreibt Photosynthese und sorgt so für die benötigten Nährstoffe…das nenne ich gut Arbeitsteilung.

Flechten können ganz unterschiedliche Erscheinungsformen haben

Noch mehr interessante Details über Flechten findet ihr hier in Janines Bericht. Sie schreibt außerdem noch über einige andere Freundschaften im Tier- und Pflanzenreich, die euch verblüffen werden!

So das war’s dann auch schon wieder von mir! Ich hoffe der Bericht hat euch gut gefallen, haltet die Ohren steif!

 

Quellen:

http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Wissenschaft/Wie-Orchideen-von-Bienen-abhaengig-wurden_article1317141195.html
http://www.arte.tv/guide/de/055173-002/die-tricks-der-pflanzen
http://de.wikipedia.org/wiki/Prachtbienen
http://www.wortbedeutung.info/Symbiose/

http://www.blattschneideameisen.de/wissenswertes.htm
http://www.organische-chemie.ch/chemie/2009mae/blattschneiderameisen.shtm

http://www.arte.tv/guide/de/055173-001/die-tricks-der-pflanzen
http://de.wikipedia.org/wiki/Wanzenpflanzen
http://www.fleischimanie.de/index.php?article_id=37

http://www.garten-treffpunkt.de/lexikon/flechten.aspx#definition_eigenschaften_merkmale
http://de.wikipedia.org/wiki/Flechte#Geschichte_der_Flechtenkunde

http://www.seerose.net/
http://www.zehn.de/die-steinkoralle-und-der-porzellankrebs-4852604-9
Duden: Basiswissen Schule Biologie, 3., aktualisierte Auflage S.83, S.343

Bildquellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wanzenpflanzen#mediaviewer/File:Roridula_gorgonias.jpg

http://www.botmuc.de/de/veranstaltungen/2012/08-29_prachtbienen_orchideen.html

 

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Kommentare (5)
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Sortieren nach Aktualität:
03.03.2015
GwynRoth hat geschrieben:
Richtig interessant,danke! Gut auch mal was über andere Formen von Symbiose zu lesen, als immer nur die typischen Beispiele aus dem Biounterricht :D
03.03.2015
Ria2000 hat geschrieben:
Echt spannend! :D
03.03.2015
Taki hat geschrieben:
Danke hat mir sehr gefalln
02.03.2015
RichardParker hat geschrieben:
Ein richtig interessanter und ausführlicher Bericht vielen Dank! Echt unglaublich was unsere Natur so alles zu bieten hat und wie geschickte (Über-)Lebensstrategien sich entwickelt haben!! :))
02.03.2015
Marcel hat geschrieben:
Wow, total interessant! Vielen Dank für Deinen Bericht!
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